Köbanya-Kispest - Szeged - Subotica - Köbanya-Kispest

Über die Feiertage um die Jahreswende war ich ein wenig bedröppelt in meinem ungarischen Paradies. Kein Wunder, wann das nächste Feature mit dem anderen KolobrzegTwin steigen würde, stand in den Sternen und die Sylvesternacht war wegen Krankheit alles andere als den Partyhunger befriedigend. Hinzu kam ein seit echt 2 Wochen nicht verschwinden wollender Nebel. Entsprechend grau waren die Feiertage. Einen riesigen Schweinehund gab es also zu besiegen. Doch eilte mit Tomasz - er redete mir gut zu -, meine liebe Edit - sie musste den ganzen Tag eh lernen und das Wetter - für einen Tag sollte der Sonnenschein wieder Einkehr in Pannonien halten - tatkräftige Unterstützung herbei und am Mittwoch, dem 3.Januar 2007 ging es los, zum...

Tagesaussflug

nach

Subotica / Serbien

 

(wer hätte gedacht, dass das einmal möglich sein würde…)

 

Morgens um 5h sprang ich aus den Federn, stand mir doch ein perfekter Tag bevor. Um halb 6 in den Bus und schon um 6.05h rollte der IC aus Budapest Nyugati p.u. nach Szeged in mein Wohnzimmer Köbanya-Kispest ein. Die Waggons waren zu meinem Bedauern nicht wie einst von Wels nach Salzburg ostig geil & alt, nein, sie waren neu, wie jeder westeuropäische IC-Waggon es auch wäre…schade, aber der Style sollte noch früh genug kommen. Stattdessen kehrte endlich innere Ruhe und dank des ruhigen Fahrverhaltens wurde ich sanft ins Dreamland gewogen. Eine Rumpelpartie in einem altem Waggon hätte dies sicherlich nicht zugelassen.

mein "Wohnzimmer" KöKi

der Morgen

im Szegeder Bahnhof

Um 8:14 verkündete eine nette Durchsage, dass wir in Kürze in Szeged einfahren werden. Wow, es gab sogar echte Bahngleise...und es war kälter als in Budapest. Ich machte mich gleich auf die Suche nach dem Gleisanzeiger, sollte der Anschluss nach Subotica doch um 8.34h abfahren. Doch auch ohne Anzeigetafel wurde ich schnell fündig; hinter mir stand er, der Schienenbus der Serbischen Staatseisenbahn SIS. Doch bevor es in Selbigen hinein ging, ließ ich es mir nicht entgehen, noch einmal die verbleibenden 20min zum kurzen Abchecken Szegeds zu nutzen.
Das letzte Mal war ich mit Tomasz hier, auf der Reise nach Rumänien bzw. Brebou Nou. Ich lotste ihn damals ohne Stadtplan durch die Stadt, angehalten hatten wir nicht; und dennoch, es war ein merkwürdig geiles und befriedigendes Gefühl, wieder hier zu sein, weit weg von Kiel. Ich drehte eine Runde um einen Block, schnupperte die kalte Kohlenluft, ließ Wasser ab (schlau, der Schienenbus verfügte über kein funktionierendes Klosett) und begann meine Reise nach Serbien...

vorm Bhf. in Szeged

im Schienenbus

Dieser Schienenbus war auf jeden Fall das erste Fahrzeug, das ich bis dato sah, dass diesen Namen derartig zu Recht trug. Er sah aus wie einer dieser alten Käsborerbusse aus den Peter-Alexander Filmen. Ähnlich antiquiert erschien mir der Türöffner, und erst nach einem längeren Moment, den ich mit Starren verbrachte, dämmerte es mir, wie denn jenerÖffner zu bedienen ist. Das Schicksal war mir gnädig und ersparte mir einen peinlichen Moment direkt vor den Augen des "Busfahrers". Ich setzte mich also auf einen freien 4er. Die Luft war trocken und heiss und abgaserfüllt; die anderen schien dies nicht zu stören...mich also auch nicht. Der Zug war angenehm leer und kam mit nur 4 Besatzungsmitgliedern aus... einer fährt, einer kontrolliert, und die anderen Beiden...ja,hmm, machen auch irgendwas.
Die ungarische Grenze war dann nett. Ich und der einzige serbische Fahrgast hatten unseren Pass abzugeben, doch bekam ich meinen Stempel ohne Murren. Kurz hinter dem Grenzbhf. Roeszke war deutlich die Aussengrenze der EU auszumachen. Einerseits dank des Grenzgrabens, andererseits dank des Tempos des Zuges - es verringerte sich von sagenhaften ~30km/h auf ~10km/h. Der Bus bouncte dennoch gut, noch nie hörte und spürte ich eine so verkommene Gleisanlage auf ein Schienenfahrzeug einwirken...Style pur also. Der Grenzort in Serbien war alles in allen nicht von Ungarn zu unterscheiden, alles Vojvodina im Endeffekt. Im Grenzbhf. Horgos kam also die serbische Kontrolle in Form einer strengen Uniformierten. Ich wurde gemustert, verständlich - was zum Teufel macht der Deutsche hier in diesem Gefährt, in diesem Ort alleine um diese Jahreszeit und ohne Gepäck!? - in meiner Tasche fand sie aber nichts Anstössiges und nach guten 10min durfte ich mir meinen Pass wieder von ihr abholen, nachdem sie mich dazu mit meinem Vornamen aufgefordert hatte...ja Frau Lehrerin...

der kleine ungarische Grenzhaltepunkt Roeszke

links der Grenzgraben, dahinter die unendliche Vojvodina

Ich war sehr gespannt auf den gesamten Grenzübertritt, seien es die Landmarken, die Grenzkontrolle oder die Unterschiede zu Ungarn generell, doch dank der Wartezeit war ich, als es endlich wieder im Schneckentempo weiterging, endlich auch entspannt genug, mir die Holstenbüchse aus der Tasche zu ziehen und den Serbienstyle zu rocken. Die Landschaft war flach und von vielen Sümpfen durchzogen; überall wuchsen Schilfinseln in den Feldern. Die Landschaft blieb die ganze Zeit gleich, die Ortschaften wie immer im Pannonischen Flachland. Entsprechend wurde es bei geschätzten 10km/h schon fast langweilig. Doch kurz vor Subotica wurden die Gleise besser; auch diese Strecke scheint doch noch nicht abgeschrieben; und es ging zügig voran. Die überall an jedem Bahnübergang vorhandenen Streckenposten verdienen übrigens anscheinend nicht so viel (verständlich bei 6 täglichen Zügen), sodass dort überall neben der Schiene Hühner und anderes Kleinvieh rumläuft (die ländlichen Bhf. sind davon nicht ausgeschlossen). Der Schienenbus füllte sich auch zunehmend doch wie erwartet hörte ich um mich herum ausschließlich ungarisch...schon krass. Viele Dörfer sind hier homogen ungarisch bzw. mit einem sehr hohen ungarischen Bevölkerungsanteil, in Subotica selbst machen sie ca. ein Drittel der Bevölkerung aus.
Um 10.21 war ich dann angekommen, also knapp 2h Fahrzeit für 43km...auch ohne Grenzkontrollen wäre man locker auf anderthalb Stunden gekommen. Ich stieg aus, und roch und fühlte es sofort: ich war Weitweg! Es begrüßten mich kyrillische Buchstaben, nach verbrannter Heizkohle riechende Luft und einfach der Osten. Euphorie kam auf, wie heftig, ich war in Serbien! Ich blieb erstmal auf dem Gleis stehen, ließ alles auf mich wirken und ging schließlich in die Bhfhalle, um die Abfahrtszeit für heute Abend back to Köbanya-Kispest zu verifizieren.

Der Bus


Willkommen in Serbien!!!

Disko in Subotica?

der Bhf. ist zweisprachig

im Lenjinov Park

Mir blieben also gute 8h Aufenthalt zu verplanen. Direkt vorm Bhf. befindet sich der Lenjinov Park, also mich dort erst einmal auf eine Bank geasselt, das 2.Holsten raus und akklimatisiert. Ich ließ Tomasz von meinem Glück erfahren und füllte mein Tagebuch mit unvergesslichen Impressionen. Wie man auf dem Bild ganz links sieht, scheint es hier sogar eine Disko zu geben, den Club Echo; inressant, inressant
Die Fußgängerzone, der Korso, war sofort gefunden. An Auswahl war die EInkaufsgegend nicht von einer deutschen Mittelstadt zu unterscheiden auch wenn die Preise für Konsumgüter auf westlichen Niveau waren. Nach einer kurzen Rast auf dem Hauptplatz ging ich in eine gut frequentierte Wechselstube und macht 10€ zu 800 Dinar. Mit selbigen bewaffnet betrat ich die Tourist Info (auch im Korso) und erstand mir einen Stadtplan für 100 Dinar...es sollte schwer werden, diese 10€ unter die Leute zu bringen. Nun konnte es also in die Planungsoffensive gehen. Als ich mir dann eine nette Wanderung rausgeguckt hatte, ging ich los; ab auf die Suche nach einem Supermarkt.

Fußgängerzone vom Platz aus gesehen

Hauptplatz mit Theater und Brunnen

Haus ohne Etagen

Ich suchte in den Nebenstaßen, erhaschte so einige Einblicke hinter die renovierten Fassaden und genoß den hier echt spürbar serbischen Style. Überall wird gebaut, renoviert. Viele alte Häuser geraten im Zentrum zunehmend in Bedrängnis. Inressant war es allemal, und schließlich, links des Hauptplatzes (beim roten, offen stehenden Briefkasten die Straße vor der Doppelturmkirche rein) fand ich das alte Sowjetkaufhaus. Im dortigen MAX-Supermarkt wurde ich fündig, neben Bier wanderte Brot und Belag als Proviant in meinen Einkaufskorb.

Mein Einkauf für den Tag

Der absolute Hit waren Hähnchenkeulen. Die Auswahl war riesig und absolut frisch.
Als ich die Kassen passiert hatte, konnte ich es einfach nicht fassen. So günstig, so unfassbar günstig; ich hatte es also richtig in Erinnerung vom Sommer 2004.
Frisch gestärkt machte ich mich also auf die Socken, vorbei an dem für mich nicht einzuordnenden riesigem Roten Haus mit (Aussichts-)Turm, auf der Somborski Put gen Südwesten. 2 Geschosse waren das Maximum der offenbar ländlich geprägten, aber durchweg alten Häuser. Die Läden wurden spärlicher, günstiger und interessanter, findet man doch hier eher die Konsumwarengeschäfte für den kleineren Geldbeutel vor; entsprechend staunend über diesen puren Oststyle zog ich an den praktisch und gut sortierten Schaufenstern vorbei.

Kennt jemand den Namen dieses Bauwerkes?

Kirche & Heldendenkmal

Heldenpark / Trg. Zratva Fasiz

Am Trg. Zratva Fasiz erhob sich vor mir dann eine weitere, süddetusch bzw. tschechisch anmutende Zwiebeldoppelturmkirche. Ihr gesamtes Schiff war gut sichtbar von 2 dicken Rissen durchzogen, die wohl auf Erdbeben rückschließen lassen. Als symbolisches Konträr dazu befindet sich im davor liegenden Park die Heldenstatue zum Gedenken an die deutsche Besatzungszeit, auf dem Jugendliche hemmungslos skateten. Ich merkte mir diesen echt hübschen Abasselplatz für den Abend, denn das weitere Programm rief.
Also weiter im Text die Somborski Put stadtauswärts. Die Häuser erinnerten zunehmend weniger an eine Stadt als an ein Dorf. Pferdefuhrwerke kreuzten meinen Weg. Erhielt ich mal einen Blick über die hohen Mauern, so sah ich oft kleine Beete und Ställe. An einer Kreuzung begegnete ich dem Wegweiser überhaupt...welch Auswahl! Ja, nun war ich endgültig angekommen, im ehemaligen Yugoslawien für einen Tag.

Pferdefuhrwerk

Straße nach Süden

Im Trg. Cirila Metidije

Nach guten 3km strammen Marsches kam ich am Teilziel, dem Park mit der methodischen Kirche, Trg. Cirila Metidije an. Die Kirche bietet nichts besonderes von Aussen, von Innen weiss ich nicht. Aber der Park ist riesig und verhältnismäßig gepflegt, bietet bequeme Abasselbänke, hohe Bäume und verstreute Büsche. Der Blick schweift auf die Straße nach Zagreb und Sarajevo....

Musterstraße

Perfekt. Doch reichte es mir noch nicht...; und ich zog weiter. Es folgten 2 voneinander durch eine "einladende" Straße getrennte Friedhöfe. Die schöne katholische Kirche auf dem Einen war verlassen, schade...

verlassenes Kleinod

Auf meinem Stadtplan war das Hippodrom mit einer Menge grün auf beiden Seiten der Straße verzeichnet, dazu erhoffte ich mir eine schön ostige Plattenbausiedlung, doch es kam anders. Doch statt einer schmucken Rennbahn waren nur hohe Zäune bzw. Mauern zu sehen. Und von einer Rennbahn war zumindest für meine amateurhaften Augen nichts erkennbar. Stattdessen fand ich auf der anderen Seite das Stadion des PSC Backa. Eine rotte, überdachte Tribüne schmückte den Ground, ansonsten nichts außer sie Sichtschutzmauern ohne Reklame; lausig und ostig...

Tribüne PSC Backa

Eingang zum PSC Backa

Markt an der Str. nach Zagreb

Und auch von einer schönen Betonplatte war weit und breit keine Skyline zu entdecken. Dabei hatte ich mich doch so sehr auf ein dortiges Abasseln gefreut. Stattdessen hörte die geschlossene Bebauung auf und an der Straße reihte sich eine Marktlaube an die Nächste. Der für Osteuropa typische Markt ausserhalb des Zentrums befand sich also hier. Ich fiel mit meinem Klamottenstyle sichtbar auf und wurde entsprechend beäugt. Ich fühlte mich unwohl und ging zurück zum Trg. Cirila Metidije. Dort setzte ich mich auf eine bequeme Bank mit'm Bier und 'nem Broilerbein. Bis um 2 blieb ich dort sitzen. Mir dämmerte langsam, dass ich nur noch knappe 5h hatte, also mal wieder nur noch viel zu wenig Zeit hatte . Also schnell los aud die nächste Etappe!
Vom Trg. Cirila Metidije ging ich gen Südosten die Gunduliceva und danach die Antunovica herunter. Die Seitenstraßen waren alles andere als urban. Entweder sie waren nicht geteert oder wie auf dem 2. Foto gepflastert. Ein Verkehr fand quasi nicht statt. An vielen Häusern hingen Werbeschilder wie "Hair Stailing" oder "Auto Lizing"...So mancher Speicher offenbarte mir mal wieder, wie normal es hier noch ist, sein eigenes Schwein zu halten. Ich fühlte mich sauwohl und die 3km zur nächsten Sehenswürdigkeit vergingen wie im Flug. Mein Erkundungstrieb verlieh mir heute wahrlich Siebenmeilenstiefel.

Strasse in den dörflichen

Aussenbezirken Suboticas

Schweinefutter in the city

in der Südlichen Beton Platte

gibt es auch wahrhaft idyllische Szenen

An der Kreuzung Izvorska / Beogradski Put wurde ich dank des mal wieder gönnerhaft gestimmten Wheel of Fortune fündig. Eine wunderbare, aber leider kleine Platte tat sich vor mir auf. Vom Style her erinnerte sie stark an spanische oder kroatische Plattenbauten. Ihr Zustand war echt gut und Grün war auch ausreichend vorhanden. Ich fühlte mich auch hier wie schon überall in der Stadt äußerst sicher und beobachtete das Treiben auf den Grünflächen. Die Kinder kommen mir hier noch wahrlich ursprünglich vor; überall werden Ballsportarten oder Murmeln gespielt; es gefällt mir.

Bushaltestelle to nowhere

Typischerweise befindet sich die Platte direkt am Bebauungsrand der Stadt Subotica / Szabadka. Dahinter erstrecken sich die Weiten der Vojvodina. Bei welch wunderschönen Sonnenuntergängen könnte man hier bei genügend Zeit in Kulisse der Plattenbauten doch abasseln.

Der Weg gen Süden

Weiter der Bajnatska folgend gen Sencanski Put. Der Palicbadesee, von dem ich auf der städtischen Website erfahren hatte, lockte. Die Platte hatte ich schnell hinter mir und die Bebauung wurde wieder dörflich. Mit dem Ortsausgangsschild hatte ich den letzten Hof hinter mir gelassen und vor mir eröffnete sich die unendlich scheinende Ebene der Vojvodina. Die Sonne warf ihr winterliches Licht auf die noch immer sattgrünen Felder - was für ein Winter! Vögel zwitscherten und es roch mit der frischen Brise schon fast nach Frühling. Und dort schien er zu liegen, der Badesee. Zwar sprach in der Umgebung nichts dafür, weder Infrastruktur noch Gebäude, aber ich trug ja die Erinnerung an Vidin im Sommer 2004 in mir, wo auch echt nichts für unser Freibad sprach. Immerhin tat sich vor mir ein mächtiger Schilfgürtel auf.

Ortsausgang Subotica / Szabadka

Blick auf das Badeparadis Palic...und

die wunderschöne Landschaft der Vojvodina

Der pittoreske Klärteich

hinter der Zonengrenze...

  Doch verließ mich mein Stadtplanplanungsglück. Ich stellte resigniert fest, dass ich mich an einer ehemaligen Klärgrube befand - die neue Anlage lief in Sichtweite. Der Style hier genügte so gar nicht meinen Vorstellungen und ich fragte mich, ob es das war, was ich wollte, als ich dachte, dass da noch irgendwo was kommen muss. Der gut 2m hohe Stacheldrahtzaun hinderte mich aber nicht, mich doch noch auf den kleinen Begrenzungsdeich zu stellen und das abendliche Wolkenspiel zu beobachten. Der Wind blies frisch, die Wolken zogen schnell und schön über mich hinweg. Ich war frustriert und wollte MP3 hören. Doch Pustekuchen, der frisch aus Deutschland eingeflogene MP3-Player vom Prima Leben und Sparen Diskounter ließ mich bereit jetzt, am 3.Betriebstag, im Stich...dieser lausige Mistesel! Ich hätte k..... können.
Um die Belohnung für den Marsch wollte ich mich aber dennoch nicht bringen und zauberte ein MB Pils aus meiner treuen Hüpferli - Tasche. Und siehe da, die Wogen glätteten sich und ich fing den gesamten Style ein. Die Abenddämmerung setzte ein und ich kam mir hier in der serbischen Pampa echt unheimlich hart vor. Ich war im Endeffekt genau dort angekommen, wo ich sein wollte, nämlich nirgendwo!
In der Dämmerung ging ich wieder zurück, diesmal direkt die Sencanski Put gen Zentrum zurück. Hinter den Häusern thronte die Platte vor der Abendröte. Am ZOB war ein größerer Stadtplan als der Meinige angebracht und ich entdeckte, dass ich am falschen Ende des Palic rausgekommen war, na super. Aber auch gut so, war das als Naherholungsgebiet ausgebaute Terrain namens Vikend(...) doch wirklich nur mit dem ÖPNV zu erreichen. Langsam begannen auch, meine Füsse weh zu tun; der Zoll für die bis dato guten 10km. Die abendliche Stadt begrüßte mich mit merkbar mehr Leben auf der Straße, wie in Südeuropa halt üblich.

Nach Plan erreichte ich wieder den Park am Trg. Zratva Fasiz. Die Kirche wurde angestrahlt und im Park wurden die Parkbänke ausreichend mit Licht zum Schreiben versorgt. Das Bier war in der Abendkühle angenehm warm und die Seiten füllten sich dank des geilen Tages wie von selbst. Völlig in mein Tun versunken wurde ich von einem Streifenpolizisten unfreundlich aus meiner Idylle herausgerissen. Was er wollte, verstand ich selbstredend nicht, was wiederum nicht in seine Birne reinging; auch nicht, nachdem er meinen deutschen Pass in seine Griffel bekommen hatte. Er sprach weder Ungarisch noch irgendeine andere meiner Sprachen. Toll. Also ging ich nach dem Ausschlussprinzip vor, während seine nicht aufhören wollenden Worte immer unfreundlicher wurden.

Subotica bei Nacht

Abasseln in Ehren

Biertrinken in der Öffentlichkeit war nicht wie z.B. in den Niederlanden oder Polen verboten, in meiner Tasche fand er auch nicht, was er wollte, doch endlich fiel bei mir der Groschen, da er anfing, im Pass zu blättern. Ich stand auf und wollte ihm helfen, wusste ich doch genau, wo sich der Stempel im Stempeldickicht meines Reisepasses befand. Er verstand dies wohl als Aufstand und wich zurück. Als er dann das moldavische Visum vom letzten Jahr fand, war er sichtlich irritiert - nemecko ...Moldavia...??? - wie auch immer, als er endlich den Einreisestempel von heute fand, war die Sache - ostig kühl & korrekt - für ihn sofort gegessen und er zog wortlos von dannen...das also zur Wichtigkeit des Einreisestempels. Im Endeffekt machte diese Aktion den Style perfekt und völlig geflasht vom eben geschehenen zischte ich mein letztes Bier aus.
Melancholisch schritt ich gen Bahnhof. Ich nahm innerlich Abschied vom serbischen Szabadka. Am Bahnhof angekommen hatte ich unerwartet noch 20min Zeit. Ich nutzte sie, enterte einen Kiosk und zog mir ein perfekt temperiertes Dosenbier. Von der nahen städtischen OpenAir Eislaufbahn kam das perfekte Abschiedsszenario vollendendende Musik herüber und so stand ich die letzten 10min da. Um 18.47h fuhr mein Zug los.

Auf Wiedersehen

Danke deutscher Reisepass!!!

Die serbische Grenzkontrolle fand noch im Bhf. Subotica statt und verlief ohne Besonderheiten. Der ungarische Triebwagen fuhr auf besseren Gleisen zügig gen Kelebia. Die ungarische Grenzkontrolle war äußerst nett und der Stempel wurde mit einem "bitteschön" gegeben. Der Zoll bedankte sich ebenfalls höflich fürs Öffnen der Tasche; ich war also wieder in Mitteleuropa angekommen. Und sofort nach der Grenze fiel ich auch schon ins Dreamland.

Kurz vor Kiskunhalas wachte ich zum Glück auf. Der Zug hatte Verspätung, doch der Anschluss nach Budapest wartete höflich, wohl auch, weil der Schaffner des Schienenbuses ebenfalls noch nach Hause wollte. Die 3h Fahrt vergingen dank tiefen Schlafes wie im Flug. Meine letzten Minuten im Zug sinnierte ich über den echt geilen Tag in Serbien. Zurück im Wohnzimmer war ich der letzte Fahrgast, der ausstieg. Mein Bus in mein ungarisches Paradis zu Edit stand bereits bereit und um 11 war ich wieder zu Hause,

otthon Budapesten!