Kurzurlaub in Ungarn (Budapest) und Serbien (Subotica, Palic), August 2007
Tag1, Mittwoch, 15.08.2007
Schon wieder wurde ich Opfer angebrachten, aber falschen Geizes. Typisch für Buzz und mich. Nun war ich mal wieder der Esel, denn bezüglich der Anreise habe ich mich für die dämlichste Variante entschieden.
Die Zugfahrt war anfangs völlig daneben. Die Abteile waren überfüllt und ich konnte trotz vorsorglicher Platzreservierung nicht in Fahrtrichtung sitzen. Stattdessen saß eine pseudonoble Dame vor mir, die sich mächtig breit machte und irgendwie permanent scheiße guckte. In Passau stieg sie aus.
Sofort wechselte ich den Platz, müllte den Vierer so gut es ging voll und brachte die beste Abwehrmaßnahme gegen Leute, die gern einen der Plätze um mich herum nutzen wollen, in Position. Die Bierflasche.
| Ebenfalls
empfehlenswert: Schuhe ausziehen. Einfach so assi wie möglich herüberkommen.
Oder die klassische Frage: "Sind Sie auch MAD- Leser?" stellen.
Das Herrenhäuser
und ich jedenfalls machten unsere Sache gut. Halbvoll stellte ich sie auf
den kleinen Tisch am Fenster, lümmelte mich über zwei Sitze und
stellte mich schlafend. Tiefschlafend und schnarchend. Zudem hatte ich meine
Haare vorher noch schnell verwuschelt und wiegesagt ein kleines Chaos um
mich herum organisiert. Mit Erfolg. Auf anderen Vierern stapelten sich rasch
die zahlreich zugestiegenen Fahrgäste. Bei mir nicht! Bis Wien stieg
kaum jemand ein oder aus. Folglich gefährdete niemand meine Besitzansprüche
an den Vierer. Lediglich meine Nerven wurden massiv angegriffen. Gegenüber
des Ganges saß ein junges Paar. Gurkenteetrinker. Backpacker, die
permanent und dazu auch noch lautstark Gülle verzapften. Ich hielt
es kaum aus. Warum ich nicht einfach den Vierer aufgab und mich verzog?
Keine Ahnung. Wahrscheinlich war ich einfach zu lethargisch dafür.
Zumal es im hinteren Zugteil durchaus genügend freie Plätze gegeben
hätte. Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Hoffentlich tu ich das auch mal. |
Mit einer dreiviertelstündigen Verspätung rollte ich im Keleti Bahnhof ein und wurde von Buzz empfangen. Ein nicht unerheblicher Teil der Verspätung kam übrigens dadurch zustande, dass der Zug mehrfach in den Vororten der ungarischen Metropole anhielt. Unplanmäßig, versteht sich.
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Ein Blick
aus dem Fenster sagte mir, warum. Immer wieder sprangen Zugbegleiter raus
und Bahnarbeiter rein. |
Später begaben wir uns auf die Suche nach einer gut gefüllten Disco. Und landeten im Rio. Hier gibt es die Fotogalerien vom Rio Budapest. Wir waren echt überrascht, und zwar angenehm.
| In dem Laden war mächtig was los, da ging was. Und das auf einem Mittwoch, nicht schlecht. Eine detaillierte Discobeschreibung kannst Du dir hier reinziehen. An der Donau pfiffen wir uns noch ein paar Pils rein und sabbelten über die Vorkommnisse der letzten Wochen. Hatten uns schließlich schon über einen recht langen Zeitraum nicht mehr gesehen. Im Rio Club blieben wir eine ganze Weile, ehe wir nach Hause aufbrachen. Mit dem Nachtbus. Die gleiche Zeit, die die Verspätung betragen hatte, wurden wir durch die Stadt chauffiert. In Alacska angekommen fühlte ich mich sofort heimisch. Netter Stadtteil, aber leider am Arsch der Welt. Oder besser gesagt: am Arsch von Budapest. Edit hat zwei deutsche Sender in ihrer Glotze. RTL und Sat1. Klar, dass wir noch einige Minuten lang vor der Flimmerkiste versackten und uns sinnlosen Schrott ansahen. Das Reiseziel Dreamland war innerhalb weniger Sekunden ereicht. |
Tag2, Donnerstag, 16.08.2007
| Mittags erhoben wir uns aus den Federn und warfen einen Blick aus dem Fenster. Perfektes Sommerwetter. Genau das richtige für das UEFA- Cup Qualifikationsspiel zwischen Honved Budapest und dem Hamburger Sport Verein. Im Besitz gültiger Karten waren wir bereits, wir konnten die Sache also äußerst entspannt angehen. Honved ist im Stadtteil Kispest zuhause. Kispest wiederrum grenzt an Köbanya, an das berühmte Wohnzimmer von Buzz also, und ist nur wenige Busminuten von Alacska entfernt. |
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Heimspielstätte vom FC Honved ist das dortige Bozsik József Stadion, welches rund 15 000 Zuschauer fasst. Das roch nach einer lockeren, unkomplizierten Anfahrt. Buzz waltete seines Amtes als Scout und suchte uns eine nette Route zum Stadion aus. Rund um die Havanna Utca gibt es eine stilechte Platte mit herrlich authentischen Asselplätzen und Kneipen. Dort führte uns der Weg zum Stadion natürlich vorbei. In einer perfekten Plattenkneipe zischten wir von Kennerhand gezapftes Zlaty Bazant und stimmten uns auf das Match ein. |
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Anpfiff war erst um 19:00 Uhr, wir hatten also alle Zeit der Welt. Gegen 17:00 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Bozsik József Stadion. |
| Irgendwie
hatte ich arge Zweifel am Orientierungssinn meines Scouts. Angeblich waren
es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ground. Seltsam bloß, dass
meine Ohren partout keinerlei Fangesang vernahmen. Und eigenartig, dass
außer uns kaum jemand auf den Straßen unterwegs war. Irgendetwas
stimmte da nicht. Plötzlich, für mich vollkommen unerwartet, tauchte
das Stadion auf. Es war leer. Nicht ein einziger Ordner war zu sehen. Keine
Polizei. Kein Mucks war zu hören. Wir verstanden die Welt nicht mehr.
Hier und da konnte man vereinzelte HSV Fans ratlos durch die Gegend laufen
sehen. das war es aber auch schon. Buzz suchte Rat in einem Straßencafé
gegenüber der Spielstätte und bekam die Auskunft, dass Honved
ausnahmsweise im Stadion der Stadtrivalen von Ujpest FC antreten würde. Nebenbei bemerkt: Uijpest liegt exakt am anderen Ende der Stadt. Inzwischen war es sechs. |
Am Stadion angekommen war die Partie bereits angepfiffen. Wir hatten es dementsprechend eilig und stürmten auf den erstbesten Eingang zu. Und wurden von den Ordnern schroff abgewiesen. Wo sollten wir denn überhaupt hin?
| Das Spiel
endete unentschieden. Ein gerechtes Resultat. Anscheinend sahen die Honved-
Ultras, die Freunde der dritten Halbzeit, das ganze etwas anders. Wie sonst
ist es zu erklären, dass der HSV- Pulk das Stadion erst eine Stunde
nach Abpfiff verlassen durfte. Eskortiert von den Hütern des Gestzes
latschten wir im Gänsemarsch Richtung Metro. Zwischendurch schlüpften Buzz und ich durch die Maschen des Überwachungsnetzes und beehrten den rund um die Uhr geöffneten Tesco Markt in Uipest. Dort zogen wir uns erst eine Pizza, später ein paar Pils rein. Köbanyai, versteht sich. |
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Das Wetter
war gut, der Tag noch nicht zuende. Wir fuhren mit der Metro in die Innenstadt,
stellten uns auf die Donaubrücke beim Rio bzw. Zöld
Pardon und wechselten das Outfit. Im Zöld
wagten wir ein Tischfußballmatch gegen zwei Mädels. Und verloren
jämmerlich. Im zweiten Anlauf bügelten wir die Schmach aus und
trugen den verdienten Sieg davon. Knapp, aber verdient. Die Ehre war wieder
hergestellt. Insgesamt war es im Szöld enttäuschend mies. Also
landeten wir am Ende wieder im Rio. |
Tag3, Freitag, 17.08.2007
Es schien unglaublich, aber wir hatten es echt geschafft, rechtzeitig zum Aufbruch aufzustehen. Die Hüpferlitaschen waren schnell und platzsparend gepackt, als es endlich losgehen konnte, nach Subotica, Serbien. Für Buzz war es bereits der dritte Besuch in der Vojvodina, er führte Tomasz also quasi ein. Doch der Reihe nach.
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Am Keleti p.u. (siehe Foto links, aufgenommen im Sommer 2006) angekommen mussten wir feststellen, dass sich dort seit Sommer 2006 in Sachen Fahrkartenverkauf für den internationalen Zugverkehr nicht allzu viel getan hat. In der Schlange hätten wir, und das ist keineswegs übertrieben, mindestens eine Stunde auf unser Glück, die Fahrkarte nach Serbien, warten müssen. Die Situation war aussichtslos, doch half uns Buzz Insiderwissen weiter. Also ab zum inländischen Fahrkartenschalter und Kelebia (Grenzübergang Serbien-Ungarn) aller-retour Fahrkarte gekauft. Nun hatten wir doch noch ausreichend Zeit zur Verfügung (der inländische Schalter ist immer leer Personalplanung Fehlanzeige bei der Staatsbahn), um zum besten Langos Imbiss Budapests zu pilgern. Er befindet sich an der Ecke Garay utca / Nefelejcs utca. Beim Anstehen (hier essen auch die Straßenkehrer und Busfahrer, ein sehr gutes Zeichen!) prahlten wir bereits um die Wette, wer mehr Langos mit Téjföl und Knoblauch verputzen würde. Resultat war, dass wir, wie es bei diesem Imbiss an sich auch nicht anders zu erwarten war, beide nach nur einem bereits absolut voll waren und uns schworen, nie wieder etwas zu essen. Den Eckhöker noch geentert und flüssigen Proviant besorgt, fuhr um 13:15 unser Zug, der aus Wien bzw. Moskau kommende EC, auch schon los. |
Zugziel: Belgrad. Unseres hieß bescheidener: Subotica. Die Landschaft, die im Folgenden an uns vorbeizog, war pittoresk aber eintönig. Nichts als Flachland. Ungarn at its best sozusagen. Der Zug war indes nicht so leer, wie Buzz es gewohnt war. Im Sommer ist er von Heerscharen von Backpackern belagert. Scheiß Hauptstadthopser! Irgendwann kam der Schaffner und stempelte unsere inländischen Fahrkarten ab. Er roch anscheinend, das wir wohl kaum Kelebia als Ziel unserer Reise geplant hatten. Welcher deutsche Touri fährt schließlich von Budapest aus mit dem EC Richtung Belgrad und steigt dann in dem kleinen, verschlafenen Grenzkaff Kelebia aus? Der Aggroschaffner fragte folglich, bis wohin wir wirklich fahren wollten. Subotica hieß unsere Antwort, doch damit war er so nicht einverstanden. Buzz bat ihn, uns doch das Grenzticket im Zug zu verkaufen, was auf jeden Fall bis dato immer ging. Der Schaffner lehnte dennoch mit aller dieser lausigen weil beschränkten Beamtenseele innewohnenden Inbrunst ab. Resolut und unnachgiebig, da halfen auch Buzz fortgeschrittene Ungarischkenntnisse nichts. Fragen nach dem warum wurden stur ignoriert und der Schaffner forderte uns unverblümt auf, den Zug in Kelebia zu verlassen. Ok, das hatten wir, ehrlich gesagt, eh vor, falls das mit dem Nachlösen nichts werden sollte. Immerhin hat man in Kelebia, dem ungarischen Grenzbahnhof, planmäßig eine halbe Stunde Zeit. Dass wir aber dort dann im Bahnhof die Fahrkarte nach Subotica kaufen würden, passte dem Schaffner ebenfalls nicht. Den Zug dürften wir nach Verlassen, ob mit oder ohne Fahrkarte, nicht wieder betreten. Die Diskussion drehte sich im Kreis und Buzz ließ es darauf bewenden. Werden wir doch mal sehen.
Neben der Zugstrecke
begrüßten uns bereits Willkommen in Serbien-Schilder.
Bestens. Aus dem Bahnhof
raus und erst mal in den Leninpark.
Geasselt und akklimatisiert. Der bereits am dritten Januar 2007 von Buzz abgelichtete
Flyer
der Disco Echo hing noch immer an gleicher Stelle. Wir waren glücklich,
wieder in Serbien zu Gast sein zu dürfen. Für Tomasz war es das erste
mal seit mittlerweile drei Jahren. Durch die Fußgängerzone schlenderten
wir zum Hauptplatz.
Die beste Wechselstube der Stadt befindet sich übrigens direkt gegenüber
des Theaters, am Hauptplatz. Da die Zeit drängte, sind wir nicht in den
Maxisupermarkt, sondern in den erstbesten neben der Wechselstube. Bier kaufen.
Ohne Leergut in Serbien Bier zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Tomasz versprach
der Kassiererin mehrfach, das Leergut wieder zurück zu bringen und durfte
schließlich vier Flaschen erwerben. Warum das so ein Problem ist, ist
uns ein Rätsel, aber ihr Vertrauen sollte nicht enttäuscht werden.
In der Zwischenzeit suchten wir uns eine nette Parkbank und genossen den lauen
Sommertag. Um 18:50, die Fahrkarte hatten wir bereits besorgt, stand unser Zug
nach Palic bereit. Kurios:
die ungarische Staatsbahn bedient diese Strecke, wohl aus nationalem Interesse.
Schließlich sind in dieser Gegend an die 90% ungarischer Herkunft bzw.
Nation. Die Bahnhöfe in Serbien verfügen leider nur selten über
Ortsschilder, doch Buzz Ungarisch hielt auch diesmal und eine nette Omi
sagte Bescheid, als wir in Palic einliefen. Wir hatten bereits vorzeitig eine
Unterkunft mit Seeblick gebucht. Die Pension Palicka
Kruna.
| Der Palic (hier geht es zur einer Fotopage) ist einer der wenigen natürlichen Seen der Vojvodina, Buzz kennt ihn bereits vom Januar her, allerdings nur das andere Ende. Heute abend sollten noch verschiedene Parties am See steigen. Der Ort machte einen netten ersten Eindruck mit seinen funktionierenden öffentlichen Brunnen. Es schien uns lediglich ein wenig ruhig. Wir folgten unserem Instinkt und kamen prompt an der Uferpromenade an. Dass Wasser war tiefgrün, von einem erfrischenden Bad nahmen wir dankend Abstand. Ein wenig eutrophiert. |
Die Promenade
war nett aber leer. Langsam bekamen wir es mit der Angst, aber egal, wir hatten
ja gebucht. Völlig planlos (und schwachsinnig) versuchten wir, die Pension
ohne irgendeine Ahnung quasi zufällig zu finden. Das misslang selbstredend,
also riefen wir in der Pension an. Der Betreiber holte uns mit einem Rover (krass,
ein Auto, welches im Jahr 2005 in der BRD unter 500 Mal verkauft wurde...) ab
und fuhr uns zur Pension, die lag mehr oder weniger direkt am See. Dafür
aber noch eine ganze Ecke weiter weg vom Ort, als wir je geglaubt hätten.
Die Disco war fast nebenan. Die Bude selbst war auch echt dick. Gepflegt, sauber
und modern. Das ganze erinnerte eher an ein Motel, denn wir hatten sogar einen
eigenen Eingang. TV, Bad, Doppelbett und Balkon. Hier ließ es sich aushalten.
Kurz versackt und frisch gemacht, dann los, Lage checken. Am Wasser war nichts
los, obwohl die laue, dämmerige Abendstunde genau das richtige gewesen
wäre zum Vorglühen. Hm. Seltsam. Aus dem direkt am Seeufer gelegenen
Discogelände des Club del Lago schallten bereits die ersten Beats. Los
war noch nichts um 20h. Nur die DJs selbst und eine Handvoll Jünger hingen
an einer provisorischen Bühne ab. Die Musik war das Schlechteste, was unsere
Ohren seit langen vernehmen mussten. Lausiger Beat, billige Sounds, möchtegern
Rap (auf Technobeats...?). Boxen, die schon vor langer Zeit mal ausgewechselt
gehört gehabt hätten und eine Lautstärke, die auch die letzte
Idylle vom Seeufer vertrieb. Auch die Bar wurde terrormäßig beschallt,
weswegen wir doch froh waren, eigene Vorräte mitgenommen zu haben.
Unsere Pension und die Disco Club del Lago liegen offiziell in Subotica-Palic.
Palic
besteht aus dem "Hauptteil", in der auch der Bhf, Geschäfte und
das historische Kurzentrum liegen und einem östlichen "Nebenteil".
Getrennt sind beide Teile durch einen guten Kilometer Grünland. Und genau
deswegen blieben wir faul. Kurz hinterm Ausgang setzten wir uns auf die Steine
der Uferkante; einen Naturstrand wie am Balaton etwa gibt es hier nicht. Die
tiefgrünen Wellen klatschten an die Uferkante, während wir dem Sonnenuntergang
zuprosteten. Unsere überragende Laune wich langsam, aber sicher der Skepsis.
Denn voller wurde es in der Disco auch mit der Dunkelheit nicht. Aber Eintritt
wurde alsbald verlangt. Na super, also zurück zur Pension, aber eben nicht
am Strand entlang. Auf diese Art lernten wir den Ort auch hinter der Uferlinie
(Promenade wäre übertrieben) kennen und realisierten rasch, dass hier
heute abend wahrscheinlich nichts gehen würde. Dennoch in der Pension Nägeln
mit Köpfen gemacht und fertig gedresst los gen Hauptort Palic.
Auf dem Weg dorthin trafen wir niemanden... und auch im "Kurzentrum" war kein Nachtleben auszumachen. Wir suchten die zweite Disco des Ortes, das Omega. Es war offen, schön, doch ohne Discobetrieb. Es war vielmehr eine Pizzeria, in der wohl bei Bedarf auch die Stühle beiseite gerückt werden. Heute bestand außer bei uns wohl kein Bedarf. So ein Mist, und wir hassen Mist! An der Hauptkreuzung beim Bhf. hatten ein paar Shops und ein Imbiss offen. Ein Bus fuhr gen Subotica ab. Wir deckten uns mit den für Serbien typischen Riesenbierbuddeln ein; der Preis war für Lage und Stunde echt niedrig. Am Imbiss bestellten wir Burger mit alles; man sprach ungarisch. So kamen wir auch mit zwei Teenies ins Gespräch. Wo noch was gehe, und wann vielmehr, war unsere Frage. Die Antwort war weniger erfreulich: "Der Sommer ist hier im August bereits vorbei. Also wenn was geht, dann nur in Subotica City. Aber auch das nur samstags, heute wird alles eher leer sein." "Eher", aber nicht absolut, dachten wir und checkten die Busverbindungen. Der vorhin gesehene Bus war der letzte. Ein Taxi würde gemäß Teenieauskünften rund zehn Euro kosten. Kacke, und so brachten wir dem falschen Geiz das erste Opfer und nahmen mit den echt fetten Burgern Platz auf einer lauschigen Bank. Der Abend war gelaufen. Super. Burger und Bier verzehrt, dann desillusioniert zur Pension gelatscht. Der Club del Lago war noch offen, Eintritt wurde nicht mehr verlangt. Wofür auch. In manchen Bars am Uferweg brannte noch ein letztes, stilles Licht. Wir verfluchten diesen toten Ort am grünen See. Er bekam dies wohl mit, stellte er Tomasz doch einen schienbeinhohen Eisenpfahl direkt in die Mitte des unbeleuchteten Weges. In der Folge gab es einen stumpfen Klang und einen Sterne sehenden Tomasz. Unvorstellbarer Schmerz. Noch heute hat er an der Stelle eine Beule. Den Abend ließen wir auf dem Parterrebalkon ausklingen, zumindest die Unterkunft stimmte.
Tag4, Samstag, 18.08.2007
Am Samstagmorgen machten wir Nägel mit Köpfen und checkten entgegen der Reservierung aus. Die Cheffin vom Dienst wollte keine Begründung serviert bekommen, was uns entgegen kam. Ebenfalls entgegen kam uns die Tatsache, dass die Pension Palicka Kruna uns wie vorgeschrieben bei der örtlichen Miliz registriert hatte. Nun waren wir in Besitz der angeblich bei der Ausreise so zwingend erforderlichen, unbedingt vorzulegenden Registrationsnachweise.
Der Service und der Bus selbst waren erstklassig. In Subotica waren wir bereits um 13h. Wir hatten noch 5h totzuschlagen. Kein Problem, denn asseln können wir. Vor allem in einer fremden, interessanten Stadt wie Subotica. Im Zentrum stiegen wir aus dem Bus und machten einen Stadtspaziergang. Die Atmosphäre war natürlich eine vollkommen andere als während der Tagestrips im Winter 2007.
| Zuerst ging es in den Maxisupermarkt, wo wir uns zu Mittag mit Hähnchenschenkeln und frittiertem Fisch eindeckten. Lecker und fettig. Und unglaublich preiswert! Die Sonne brannte vom blauen Himmel und wir überlegten schon, die Nacht über in Subotica zu bleiben. Die Stadt gefiel uns einfach zu sehr, als das wir so ohne weiteres abhauen konnten. Der Preis einer weiteren Hotelnacht und ein sehr ungewisses Nachtleben auf der einen standen einer garantierten Megaparty und einer super langen und geilen Zugfahrt in die ungarische Hauptstadt auf der anderen Seite entgegen. |
Zunächst setzten wir uns mit unserem Lunchpaket auf eine Bank in der Nähe des Supermarktes und diskutierten den weiteren Tagesverlauf. Eigentlich sprach alles dafür, in Serbien zu bleiben und erst Sonntag wieder nach Budapest zu fahren. Novi Sad schied allerdings einer derbst bekackten Zugverbindung wegen aus, Belgrad ebenfalls. Albanien und Bar an der Adria wären auch noch im zeitlich Möglichen gewesen. Der Geiz sprach hier jedoch ein deutliches Machtwort. Dagegen, klar. Als serbische Variante blieb also nur Subotica.
| Dort wurden wir Zeuge einer serbischen Hochzeit. Wie schon 2004 in Kobisnica. Die Damen auch hier: bildhübsch! Genau wie das Land. Im Maxisupermarkt erstanden wir die Verpflegung für die Zugfahrt nach Budapest und ergänzten uns beim Bestellen perfekt. Einige Angestellte konnten nur ungarisch, andere nur serbisch. Buzz sprach ungarisch, Tomasz sabbelte auf gebrochenem polnisch auf die Bediensteten ein. Insgesamt kamen wir so bestens zurecht und konnten uns alle Wünsche erfüllen lassen. |
Am Ende war die Aufenthaltszeit in Subotica tatsächlich zu knapp bemessen. Wir wollten gar nicht fort. Um 18:40 fuhr der Zug zur Grenzkontrolle hinaus. Diese lief mehr als korrekt ab. Vor allem der serbische Grenzer war die Korrektheit in Person. Ostig, das heißt professionell korrekt halt.
Kaum auf ungarischem Territorium angekommen, kam der Schaffner. Er wurde sofort unhöflich, meckerte wie schon sein Vorgänger auf der Hinfahrt über unsere Fahrscheine und forderte uns auf, in Kelebia den Zug zu verlassen. Buzz blieb höflich und wies den Schaffner darauf hin, dass wir doch eh bereits 60% mehr als normal bezahlt hatten, dass wir doch auch nur dumme Deutsche seinen und, dass er ja Recht habe und wir nicht... blablabla. Es wirkte, er wurde lammfromm und seine Durchlaucht ließ uns weiter fahren. Der gut gefüllte Schienenbus beförderte uns bis nach Kiskunhalas, wo bereits der Regionalzug nach Budapest bereitstand.
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Wir überlegten schon, einfach dort zu bleiben, sogar einen Tesco gab es in Kiskunhalas, aber die Hauptstadt rief zunächst lauter nach den Kolobrzeg-Twins. Im Nachhinein total ärgerlich, denn in Kiskunhalas gibt es eine absolute Top-Location! Dazu günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Das wäre eine derbst geile Partynacht in der ungarischen Tiefebene geworden. Ein echtes Erlebnis, wesentlich bedeutsamer als eine weitere Nacht in der Magyarenkapitale namens Budapest. Und dann fing sie an, die Bahnfahrt. Der Zug war leer. Wir hatten ein Abteil für uns. Es war ein alter, noch echter Waggon. Er knartschte, quietschte, machte Krach, verhielt sich also so, wie es sich für einen guten Waggon gehört. |
Wir
hielten an jeder Milchkanne und durchfuhren so das gesamte ungarische Flachland
von Süden nach Norden. Leckeres serbisches Bier war genug am Start.
Die Stimmung war einfach phantastisch. Schön am offenen Fenster lehnend
ließen wir die flache ungarische Ebene an unseren Blicken vorüberziehen.
Die Sonne ging
unter, der Mond auf. Das hamonische Farbenspiel der sich ankündigenden
Nacht begeisterte uns.
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Nach 3 Stunden
Fahrt mit ununterbrochenem Style und Blick aus dem offenen Fenster waren
wir wirklich sehr enttäuscht, dass diese geile Fahrt schon wieder
vorbei war. Um
halb 11 waren wir in Budapest-Ferencvaros. Mit uns stieg eine Gruppe tschechischer
Backpacker aus. Der Zug hatte als Ziel Buzz' Wohnzimmer
und nicht wie die meisten anderen einen der großen, Pester Bahnhöfe.
Sie frugen uns nach Hilfe und Buzz, der Budapestspezi wusste Rat. Tomasz
übersetzte aus dem Tschechischen ins Deutsche, Buzz antwortete auf
englisch. |
Ferencvaros. Könnte
auch Bahnhof Hinterarsching genannt werden, wenn man sich die infrastrukturelle
Gesamtsituation genauer anschaut. Kein ÖPNV nach 23 Uhr, das sagt doch
alles. Da kommt man aus Belgrad, beispielsweise, und landet an einem verkackten
Bahnhof wie diesem. So dürfen Endbahnhöfe internationaler Fernzüge
einfach nicht aussehen, schulle.
Edit kutschierte uns geduldig durch die halbe Stadt, noch an einem ABC vorbei
bis hin an die Donau. Ziel der Nacht war der sogenannte Buddha
Beach Club. Die Sommernacht war angenehmem lau, unser Gepäck befand
sich zusammen mit Edit auf dem sicheren Heimweg und die Party konnte beginnen.
An dieser Stelle tausend Dank für die Logistik, Edit. Der Buddha Beach
ist wie auch das Rio eine Freilichtdisco direkt an der Donau, jedoch auf dem
Pester Ufer zwischen Petöfi Híd und Markthalle. Anstehen mussten
wir nicht, der Eintritt war frei, perfekt. Die Tanzflächen waren gut gefüllt
und ein Platz an der Bar schwer zu ergattern. Und der Halbe Dreher vom Fass
für 400 Forint, da kann man nicht meckern. Die Stimmung war bestens, doch
uns persönlich war es ein wenig zu voll. Draußen an der Donau noch
einen nachgetankt und anschließend bis in den Morgen hinein gefeiert.
Mit der ersten Metro fuhren ab Kalvín Tér nach Hause, jedoch nicht
ohne vorher noch den ABC zu entern, der Backofen wollte zum Frühstück
doch gefüllt sein mit Kartoffelwaren aller Art. Morgens um sieben schliefen
wir endlich ein.
Draußen brach bereits ein weiterer, heißer Budapester Sommertag
an.
Tag5, Sonntag, 19.08.2007
Viel lief nicht zusammen bei uns. Am frühen Nachmittag standen wir auf und stellten fest, dass das ungarische Fernsehen die deutsche Bundesliga übertragen werden würde. Cool. Wir statteten der lokalen Plus Filialle einen Besuch ab und kauften Pizza, Eistee und ein paar Snacks deutscher Herkunft. Deutsche Lebensmittel erfreuen sich übrigens in Ungarn größter Beliebtheit. Zu Recht.
Fotos vom Vorglühen in Alacska, Dezember 2006
Mit dem Bus fuhren wir dann hinein ins Zentrum und sahen überall klitschnasse Gestalten herumlaufen. Da war mächtig was heruntergekommen, vom Himmel. So ein Mist. Und wir hassen Mist, wie jeder weiß. Das große Problem war nämlich, dass in den Freiluftdiscotheken der Stadt, sofern überhaupt geöffnet, natürlich nichts los war. Nirgends war was los.
Also brachen wir die Aktion sozusagen unverrichteter Dinge ab und fuhren wieder zurück nach Alacska. Echt tolle Aktion. Wenigstens kamen wir auf diese Weise endlich mal früh ins Bett.
Tag6, Montag, 20.08.2007
Das Motto des Tages lautete: offizieller Staatsfeiertag. Das Fest zu Ehren des Staatsgründers und ersten ungarischen Königs, Stephan des Heiligen.
Zunächst hatten Buzz und ich ein gehöriges Schlafdefizit auszugleichen. Mittags starteten wir dann die Stadtrallye durch Budapest. Am Steuer des Punto: Edit. Beruf: demnächst vermutlich Stuntfahrerin oder Serienchampion auf dem Ungaro-Ring. Neben ihr erblassen Taxifahrer, Trucker, Helden des Autoscooters und F1-Piloten gleichermaßen. Ziel der Rennfahrt: Edits Eltern, die zum Essen geladen hatten.
Am Nachmittag seilten Buzz und ich uns mit für den Abend vorgepackten Hüpferlitaschen ab und schlenderten Richtung Szecheny Fürdo. Konnten uns aber nicht zu einem Besuch im herrlichen Thermalbad durchringen, weil erstens die monetäre Situation schlecht aussah und zweitens die Uhrzeit schon zu weit vorangeschritten war. Lohnte sich nicht mehr so richtig, denn wir wollten das riesige Feuerwerk, dass von Donauschiffen und dem Gellert abgeschossen wird, nicht verpassen.
Pünktlich fanden wir uns dann an der Donau ein, um das Spektakel am Himmel zu betrachten. Es blieb glücklicherweise trocken. Bis kurz nach dem halbstündigen, echt fetten Feuerwerk. Im letzten Jahr war Buzz übrigens Zeuge der Massenpanik, die mehrere Todesopfer forderte. Zuschauer wurden niedergetrampelt oder von den Brücken und Promenaden in die Donau gefegt, wo sie dann meist ertranken. Gott sei Dank war diesmal nichts von derartigem Chaos zu spüren. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Sicherheitsvorkehrungen extrem waren. Gut so.
So waren wir erneut, unfreiwilligerweise, zeitig zurück in Alacska. Nachdem wir uns traditionsgemäß Gülle auf den deutschen Privatsendern reingepfiffen hatten, reisten wir schnell ins Dreamland.
Tag7, Dienstag, 21.08.2007
Buzz hatte sich verschätzt. Das Redigieren seiner schriftlichen Arbeit kostete mehr Zeit und Nerven, als er befürchtet hatte. Resultat: während er tippte, schwitzte und grübelte, lag ich auf dem Sofa herum und pfiff mir Gerichtsshows auf RTL und Sat1 rein. Dafür war ich nicht nach Budapest gereist, verdammte Kacke. Am frühen Nachmittag durchbrach ich die lethargische, sinnbefreite Asselei und schulterte meine altgediente Hüpferlitasche. Okay, Buzz hatte keine Zeit, aber deshalb durfte ich noch lange keinen warmen, sonnigen Sommertag in der ungarischen Hauptstadt dem Programm deutscher Privatsender opfern.
Fotos aus Budapest, Sommer 2006
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Auf dem Burgberg angekommen drehte ich eine gemütliche Runde und sah mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an. Die Fischerbastei zum Beispiel. Ein herrlicher, warmer Tag im August. In Budapest. Und ich wusste nicht so recht, was ich mit meiner Freiheit anfangen sollte. Schön blöd. Mittlerweile war es kurz vor sechs, um acht Uhr wollten Buzz und ich uns am altbekannten Pichelplatz auf dem Burgberg treffen. Oben, wo die Station der Zahnradbahn ist. Es blieben also zwei zu überbrückende Stunden. Zumindest ging ich davon aus. |
| Nach einiger Zeit fand ich ein meinen Wünschen entsprechendes, angenehmes Plätzchen. Niedriger Passantenstörfaktor, toller Ausblick (auf Buda), bequeme Sitzposition, gute Lichtverhältnisse und Toiletten in Form vorteihaft angelegter Grünanlagen in unmittelbarer Nähe. Sehr gut. Fast so gut wie der perfekte Abasselplatz, der sich am Gellert Hegy befindet. Ich fürchtete bereits, dass die Zeit bis zum Treffen mit Buzz knapp werden könnte, galt es doch einige Seiten mit Leben zu füllen. |
Fotos
aus Budapest (Burgberg), Sommer 2006
Um 22:30h war es dann endlich soweit: Buzz trudelte ein und hatte zunächst mit meiner Laune zu kämpfen. Man, war ich mies drauf. Verständlich, nachdem er sich um gut zweieinhalb Stunden verspätet hatte, wie ich meine.