Kurzurlaub in Ungarn (Budapest) und Serbien (Subotica, Palic), August 2007

Tag1, Mittwoch, 15.08.2007

Schon wieder wurde ich Opfer angebrachten, aber falschen Geizes. Typisch für Buzz und mich. Nun war ich mal wieder der Esel, denn bezüglich der Anreise habe ich mich für die dämlichste Variante entschieden.

Für die mit der Bahn. Zeitintensiv, kostspielig, nervig und stressig.Total uncoole Aktion, die ich da hingelegt habe. Bei rechtzeitiger Flugbuchung hätte ich im Endeffekt weniger bezahlt und wäre einen Bruchteil der Zeit unterwegs gewesen. Na ja, so kann es gehen, wenn man unfähig ist, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Die Hinfahrt dauerte gute dreizehn Stunden.
In Nürnberg musste ich umsteigen und hatte eine Stunde Zeit. Reichte gerade eben für eine kurze Innenstadtvisite, einen Gang auf die Toilette in einem Einkaufszentrum und ein paar gefüllte Seiten im Tagebuch.

Verdammt cooler Schreibplatz auf dem Nürnberger Hauptbahnhof Tomasz füllt neue Seiten  mit Leben

Die Zugfahrt war anfangs völlig daneben. Die Abteile waren überfüllt und ich konnte trotz vorsorglicher Platzreservierung nicht in Fahrtrichtung sitzen. Stattdessen saß eine pseudonoble Dame vor mir, die sich mächtig breit machte und irgendwie permanent scheiße guckte. In Passau stieg sie aus.

Sofort wechselte ich den Platz, müllte den Vierer so gut es ging voll und brachte die beste Abwehrmaßnahme gegen Leute, die gern einen der Plätze um mich herum nutzen wollen, in Position. Die Bierflasche.

Ebenfalls empfehlenswert: Schuhe ausziehen. Einfach so assi wie möglich herüberkommen. Oder die klassische Frage: "Sind Sie auch MAD- Leser?" stellen. Das Herrenhäuser und ich jedenfalls machten unsere Sache gut. Halbvoll stellte ich sie auf den kleinen Tisch am Fenster, lümmelte mich über zwei Sitze und stellte mich schlafend. Tiefschlafend und schnarchend. Zudem hatte ich meine Haare vorher noch schnell verwuschelt und wiegesagt ein kleines Chaos um mich herum organisiert. Mit Erfolg. Auf anderen Vierern stapelten sich rasch die zahlreich zugestiegenen Fahrgäste. Bei mir nicht! Bis Wien stieg kaum jemand ein oder aus. Folglich gefährdete niemand meine Besitzansprüche an den Vierer. Lediglich meine Nerven wurden massiv angegriffen. Gegenüber des Ganges saß ein junges Paar. Gurkenteetrinker. Backpacker, die permanent und dazu auch noch lautstark Gülle verzapften. Ich hielt es kaum aus. Warum ich nicht einfach den Vierer aufgab und mich verzog? Keine Ahnung. Wahrscheinlich war ich einfach zu lethargisch dafür. Zumal es im hinteren Zugteil durchaus genügend freie Plätze gegeben hätte.
Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Hoffentlich tu ich das auch mal.
Buzz, Stadtralleychamp von Budapest

Mit einer dreiviertelstündigen Verspätung rollte ich im Keleti Bahnhof ein und wurde von Buzz empfangen. Ein nicht unerheblicher Teil der Verspätung kam übrigens dadurch zustande, dass der Zug mehrfach in den Vororten der ungarischen Metropole anhielt. Unplanmäßig, versteht sich.

Ein Blick aus dem Fenster sagte mir, warum. Immer wieder sprangen Zugbegleiter raus und Bahnarbeiter rein.
Buzz und ich heizten durch Budapest zu Eurospar, besorgten Proviant für den Abend und trafen dann auf Edit. Edit fuhr uns zur Metrostation Köbanya Kispest, besser bekannt als das Wohnzimmer. Der Sommertrip 2007 begann also genau am gleichen Ort, an welchem schon der Wintertrip 2006 seinen Anfang nahm. Wir steuerten auf direktem Weg den Burgberg an, denn dort kann man, wie wir aus guter Erfahrung wissen, prima asseln und vorglühen.

Blic vom Burgberg auf die Kettenbrücke und die Donau, Budapest Pichelplatz in Budapest Pennergepäck

Später begaben wir uns auf die Suche nach einer gut gefüllten Disco. Und landeten im Rio. Hier gibt es die Fotogalerien vom Rio Budapest. Wir waren echt überrascht, und zwar angenehm.

Donautreppe vorm Rio, Budapest In dem Laden war mächtig was los, da ging was. Und das auf einem Mittwoch, nicht schlecht. Eine detaillierte Discobeschreibung kannst Du dir hier reinziehen. An der Donau pfiffen wir uns noch ein paar Pils rein und sabbelten über die Vorkommnisse der letzten Wochen. Hatten uns schließlich schon über einen recht langen Zeitraum nicht mehr gesehen. Im Rio Club blieben wir eine ganze Weile, ehe wir nach Hause aufbrachen. Mit dem Nachtbus. Die gleiche Zeit, die die Verspätung betragen hatte, wurden wir durch die Stadt chauffiert. In Alacska angekommen fühlte ich mich sofort heimisch. Netter Stadtteil, aber leider am Arsch der Welt. Oder besser gesagt: am Arsch von Budapest. Edit hat zwei deutsche Sender in ihrer Glotze. RTL und Sat1. Klar, dass wir noch einige Minuten lang vor der Flimmerkiste versackten und uns sinnlosen Schrott ansahen. Das Reiseziel Dreamland war innerhalb weniger Sekunden ereicht.

Tag2, Donnerstag, 16.08.2007

Tomasz in Alacska Mittags erhoben wir uns aus den Federn und warfen einen Blick aus dem Fenster. Perfektes Sommerwetter. Genau das richtige für das UEFA- Cup Qualifikationsspiel zwischen Honved Budapest und dem Hamburger Sport Verein. Im Besitz gültiger Karten waren wir bereits, wir konnten die Sache also äußerst entspannt angehen. Honved ist im Stadtteil Kispest zuhause. Kispest wiederrum grenzt an Köbanya, an das berühmte Wohnzimmer von Buzz also, und ist nur wenige Busminuten von Alacska entfernt. Buzz auf dem Weg nach Kispest Platte rund um die Havanna Utca, Budapest- Kispest

Heimspielstätte vom FC Honved ist das dortige Bozsik József Stadion, welches rund 15 000 Zuschauer fasst. Das roch nach einer lockeren, unkomplizierten Anfahrt. Buzz waltete seines Amtes als Scout und suchte uns eine nette Route zum Stadion aus. Rund um die Havanna Utca gibt es eine stilechte Platte mit herrlich authentischen Asselplätzen und Kneipen. Dort führte uns der Weg zum Stadion natürlich vorbei.

In einer perfekten Plattenkneipe zischten wir von Kennerhand gezapftes Zlaty Bazant und stimmten uns auf das Match ein.

Von Kennerhand gezapftes Zlaty Bazant Von Kennerhand gezapftes Zlaty Bazant
Stylo! Kispest!

Anpfiff war erst um 19:00 Uhr, wir hatten also alle Zeit der Welt.

Gegen 17:00 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Bozsik József Stadion.

Auf dem Weg zum Bozsik József Stadion Auf dem Weg zum Bozsik József Stadion
Irgendwie hatte ich arge Zweifel am Orientierungssinn meines Scouts. Angeblich waren es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ground. Seltsam bloß, dass meine Ohren partout keinerlei Fangesang vernahmen. Und eigenartig, dass außer uns kaum jemand auf den Straßen unterwegs war. Irgendetwas stimmte da nicht. Plötzlich, für mich vollkommen unerwartet, tauchte das Stadion auf. Es war leer. Nicht ein einziger Ordner war zu sehen. Keine Polizei. Kein Mucks war zu hören. Wir verstanden die Welt nicht mehr. Hier und da konnte man vereinzelte HSV Fans ratlos durch die Gegend laufen sehen. das war es aber auch schon. Buzz suchte Rat in einem Straßencafé gegenüber der Spielstätte und bekam die Auskunft, dass Honved ausnahmsweise im Stadion der Stadtrivalen von
Ujpest FC
antreten würde. Nebenbei bemerkt: Uijpest liegt exakt am anderen Ende der Stadt. Inzwischen war es sechs.
Die Zeit lief uns davon, so eine Kacke. Wir entschieden uns für die einzige, wenn auch kostspielige Lösung unseres Problems. Und bestellten ein Taxi. Der Fahrer entpuppte sich rasch als begeisterter Fussballfan und war locker drauf. Das war auch gut so, denn im Endeffekt verbrachten wir eine gute Stunde mit ihm in seiner asiatischen Mistkarre. Wir fuhren wiegesagt einmal quer durch Budapest, von West nach Ost. So eine weite Strecke hatten wir noch nie zuvor mit einem Taxi zurückgelegt. Obwohl: doch, zumindest beinahe. 2003 sind wir mal nachts mit einem Taxi von Pardubice nach Hradec Kralove gefahren, 25 Kilometer immerhin. Aber die Fahrt dauerte nur eine halbe Stunde und kostete am Ende 15,- Euro. Heute zahlten wir für die einstündige Tour 25,- Euro. Na wenigstens versuchte der freundliche Fahrer nicht, uns abzuziehen. Kommt in Budapest, wie in allen anderen Großstädten vermutlich auch, häufig vor. Unser Fahrdienst, von Kispest nach Uijpest

Am Stadion angekommen war die Partie bereits angepfiffen. Wir hatten es dementsprechend eilig und stürmten auf den erstbesten Eingang zu. Und wurden von den Ordnern schroff abgewiesen. Wo sollten wir denn überhaupt hin?

Wir hatten keine Ahnung und keinen Plan, denn auf der Eintrittskarte war, wie praktisch, ein Schema der Anordnung der verschiedenen Blöcke des Bozsik József Stadion abgedruckt. Im Endeffekt erfuhren wir, dass alle HSV- Fans, egal welche Art Karte sie besaßen, in den selben Block gesteckt wurden. Und dieser eine Block war natürlich nicht schwer zu finden weil kaum zu überhören. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Buzz und ich Karten für den Familienblock und nicht für den der Gäste aus der Hansestadt hatten. Die Gästekarten waren nämlich doppelt so teuer wie die für Einheimische. Wir sparten dadurch, verglichen mit den anderen HSVern mal eben die Hälfte des Eintrittspreises. Coole Sache, zumindest für uns. Honved Budapest FC gegen den Heiligen SV, August 2007 Honved Budapest FC gegen den Heiligen SV, August 2007
Honved- Hamburger SV Honved- Hamburger SV Honved- Hamburger SV Die Partie selbst war langweilig, direkt einschläfernd. Der Heilige SV dominierte, kam aber abgesehen von einem Lattentreffer kaum zu nennenswerten Torraumszenen. Beachtlich war einzig und allein der akkustische Support der Hamburger Fans. Während von den Honved- Fans kaum Unterstützung zu vernehmen war, brüllten sich die Hamburger die Seele aus dem Leib.
Soccerking Tito aus Rendsburg attestierte, live via TV zugeschaltet, eine deutliche akkustische Überlegenheit für den HSV.
Das Spiel endete unentschieden. Ein gerechtes Resultat. Anscheinend sahen die Honved- Ultras, die Freunde der dritten Halbzeit, das ganze etwas anders. Wie sonst ist es zu erklären, dass der HSV- Pulk das Stadion erst eine Stunde nach Abpfiff verlassen durfte. Eskortiert von den Hütern des Gestzes latschten wir im Gänsemarsch Richtung Metro.
Zwischendurch schlüpften Buzz und ich durch die Maschen des Überwachungsnetzes und beehrten den rund um die Uhr geöffneten Tesco Markt in Uipest. Dort zogen wir uns erst eine Pizza, später ein paar Pils rein. Köbanyai, versteht sich.
Im Gänsemarsch durch Ujpest Polizeieskorte nach dem Spiel in Uipest, Sommer 2007

Das Wetter war gut, der Tag noch nicht zuende. Wir fuhren mit der Metro in die Innenstadt, stellten uns auf die Donaubrücke beim Rio bzw. Zöld Pardon und wechselten das Outfit. Im Zöld wagten wir ein Tischfußballmatch gegen zwei Mädels. Und verloren jämmerlich. Im zweiten Anlauf bügelten wir die Schmach aus und trugen den verdienten Sieg davon. Knapp, aber verdient. Die Ehre war wieder hergestellt. Insgesamt war es im Szöld enttäuschend mies. Also landeten wir am Ende wieder im Rio.
Die Heimfahrt zögerten wir nicht so sehr hinaus wie in der Nacht zuvor, denn für Freitag war bereits der Trip nach Subotica und Palic geplant.

Tag3, Freitag, 17.08.2007

Es schien unglaublich, aber wir hatten es echt geschafft, rechtzeitig zum Aufbruch aufzustehen. Die Hüpferlitaschen waren schnell und platzsparend gepackt, als es endlich losgehen konnte, nach Subotica, Serbien. Für Buzz war es bereits der dritte Besuch in der Vojvodina, er führte Tomasz also quasi ein. Doch der Reihe nach.

Am Vorabend war wie bereits von Tomasz geschildert, Disco angesagt gewesen, weshalb ein pünktliches Loskommen alles andere als garantiert war.
Nun denn, um 11 fuhr uns der Alacska-Busz von der Base in Pestszentlörinc aus gen Népliget (Anmerkung: die Fotos rechts stammen, unschwer zu erkennen, nicht vom Sommertrip 2007 sondern vom Wintertrip 2006). Dort stiegen wir gewohnheitsgemäß um. Die Schreie der fliegenden Händler füllten die Metrostation mit ihren Aufforderungen, ihnen die von Feldern gemopsten und „vom Laster gefallenen” Waren abzukaufen.

Widerstehen war da nicht schwer. Die Zeit drängte.

Budapest - Nepliget, Winter 2006 Tomsaz an der Metrostation Budapest - Nepliget, Winter 2006
Bahnhof Keleti, Budapest

Am Keleti p.u. (siehe Foto links, aufgenommen im Sommer 2006) angekommen mussten wir feststellen, dass sich dort seit Sommer 2006 in Sachen Fahrkartenverkauf für den internationalen Zugverkehr nicht allzu viel getan hat. In der Schlange hätten wir, und das ist keineswegs übertrieben, mindestens eine Stunde auf unser Glück, die Fahrkarte nach Serbien, warten müssen. Die Situation war aussichtslos, doch half uns Buzz’ Insiderwissen weiter. Also ab zum inländischen Fahrkartenschalter und Kelebia (Grenzübergang Serbien-Ungarn) aller-retour Fahrkarte gekauft.

Nun hatten wir doch noch ausreichend Zeit zur Verfügung (der inländische Schalter ist immer leer – Personalplanung Fehlanzeige bei der Staatsbahn), um zum besten Langos Imbiss Budapests zu pilgern. Er befindet sich an der Ecke Garay utca / Nefelejcs utca. Beim Anstehen (hier essen auch die Straßenkehrer und Busfahrer, ein sehr gutes Zeichen!) prahlten wir bereits um die Wette, wer mehr Langos mit Téjföl und Knoblauch verputzen würde. Resultat war, dass wir, wie es bei diesem Imbiss an sich auch nicht anders zu erwarten war, beide nach nur einem bereits absolut voll waren und uns schworen, nie wieder etwas zu essen. Den Eckhöker noch geentert und flüssigen Proviant besorgt, fuhr um 13:15 unser Zug, der aus Wien bzw. Moskau kommende EC, auch schon los.

Zugziel: Belgrad. Unseres hieß bescheidener: Subotica. Die Landschaft, die im Folgenden an uns vorbeizog, war pittoresk aber eintönig. Nichts als Flachland. „Ungarn at its best” sozusagen. Der Zug war indes nicht so leer, wie Buzz es gewohnt war. Im Sommer ist er von Heerscharen von Backpackern belagert. Scheiß Hauptstadthopser! Irgendwann kam der Schaffner und stempelte unsere inländischen Fahrkarten ab. Er roch anscheinend, das wir wohl kaum Kelebia als Ziel unserer Reise geplant hatten. Welcher deutsche Touri fährt schließlich von Budapest aus mit dem EC Richtung Belgrad und steigt dann in dem kleinen, verschlafenen Grenzkaff Kelebia aus? Der Aggroschaffner fragte folglich, bis wohin wir wirklich fahren wollten. Subotica hieß unsere Antwort, doch damit war er so nicht einverstanden. Buzz bat ihn, uns doch das Grenzticket im Zug zu verkaufen, was auf jeden Fall bis dato immer ging. Der Schaffner lehnte dennoch mit aller dieser lausigen weil beschränkten Beamtenseele innewohnenden Inbrunst ab. Resolut und unnachgiebig, da halfen auch Buzz’ fortgeschrittene Ungarischkenntnisse nichts. Fragen nach dem „warum” wurden stur ignoriert und der Schaffner forderte uns unverblümt auf, den Zug in Kelebia zu verlassen. Ok, das hatten wir, ehrlich gesagt, eh vor, falls das mit dem Nachlösen nichts werden sollte. Immerhin hat man in Kelebia, dem ungarischen Grenzbahnhof, planmäßig eine halbe Stunde Zeit. Dass wir aber dort dann im Bahnhof die Fahrkarte nach Subotica kaufen würden, passte dem Schaffner ebenfalls nicht. Den Zug dürften wir nach Verlassen, ob mit oder ohne Fahrkarte, nicht wieder betreten. Die Diskussion drehte sich im Kreis und Buzz ließ es darauf bewenden. Werden wir doch mal sehen.

In Kelebia also den Zug verlassen und direkt ab zum Fahrkartenschalter im kleinen Bhf. Eine nette Frau stellte uns bereitwillig die Fahrkarten von Kelebia nach Subotica aus. Wir erzählten ihr den Sachverhalt und erbaten eine Stellungnahme. Sie gab dem Schaffner Recht. Es gäbe da irgendeine ominöse neue Vorschrift im internationalen Personenfernverkehr. FERN. Da wir nun im Besitz einer Nahverkehrskarte waren, konnte das für uns ja nimmer gelten. Da kam der Schaffner in die Stube herein. Die Bahnhofsfrau blieb still, Buzz und der Schaffner wurden jedoch um so lauter. Buzz schrie was von Unverschämtheit, Boss anrufen und „+%Ö=/%!%”, der Schaffner auch. Es blieb beim Zugverbot. Tomasz brachte Buzz dann auf dem Bhf.-Vorplatz wieder zur Ruhe, puh. Ein letzter Anlauf sollte gestartet werden. Wir gingen auf den Zug zu, und da stand er wieder, der Schaffner. Buzz schleimte, entschuldigte sich für seinen Ton, seine Unwissenheit, seine Eigenschaft, zu existieren und frug nochmals ob wir, gnädiger Herr, nicht doch mitfahren dürfen. Und wenn nicht, warum nicht. Wir bekamen den Grund: Wenn man direkt am Abfahrts-Bhf. einen internationalen Fahrschein kauft, ist dieser Preis um 40% günstiger, als wenn man eine inländische Fahrkarte mit Anschlussticket löst. Das Problem war also, dass wir zu viel bezahlt hatten? Wie irre war das denn? Dieser Penner! Irgendwann checkte der Trottel die Lage, nahm unsere Pseudoentschuldigung an und der Zug konnte mit uns zusammen planmäßig abfahren. Yeah! Die Grenzsteine zogen am Fenster vorbei und endlich waren sie wieder da, die Kolobrzeg Twin. Endlich mal wieder vereint in Serbien!
Die Passkontrolle verlief gewohnt eisig und ostig-korrekt mit Einreisestempel. Willkommen im EU-Ausland!

Neben der Zugstrecke begrüßten uns bereits „Willkommen in Serbien”-Schilder. Bestens. Aus dem Bahnhof raus und erst mal in den Leninpark. Geasselt und akklimatisiert. Der bereits am dritten Januar 2007 von Buzz abgelichtete Flyer der Disco Echo hing noch immer an gleicher Stelle. Wir waren glücklich, wieder in Serbien zu Gast sein zu dürfen. Für Tomasz war es das erste mal seit mittlerweile drei Jahren. Durch die Fußgängerzone schlenderten wir zum Hauptplatz.
Die beste Wechselstube der Stadt befindet sich übrigens direkt gegenüber des Theaters, am Hauptplatz. Da die Zeit drängte, sind wir nicht in den Maxisupermarkt, sondern in den erstbesten neben der Wechselstube. Bier kaufen. Ohne Leergut in Serbien Bier zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Tomasz versprach der Kassiererin mehrfach, das Leergut wieder zurück zu bringen und durfte schließlich vier Flaschen erwerben. Warum das so ein Problem ist, ist uns ein Rätsel, aber ihr Vertrauen sollte nicht enttäuscht werden. In der Zwischenzeit suchten wir uns eine nette Parkbank und genossen den lauen Sommertag. Um 18:50, die Fahrkarte hatten wir bereits besorgt, stand unser Zug nach Palic bereit. Kurios: die ungarische Staatsbahn bedient diese Strecke, wohl aus nationalem Interesse. Schließlich sind in dieser Gegend an die 90% ungarischer Herkunft bzw. Nation. Die Bahnhöfe in Serbien verfügen leider nur selten über Ortsschilder, doch Buzz’ Ungarisch hielt auch diesmal und eine nette Omi sagte Bescheid, als wir in Palic einliefen. Wir hatten bereits vorzeitig eine Unterkunft mit Seeblick gebucht. Die Pension Palicka Kruna.

Der Palic (hier geht es zur einer Fotopage) ist einer der wenigen natürlichen Seen der Vojvodina, Buzz kennt ihn bereits vom Januar her, allerdings nur das andere Ende. Heute abend sollten noch verschiedene Parties am See steigen. Der Ort machte einen netten ersten Eindruck mit seinen funktionierenden öffentlichen Brunnen. Es schien uns lediglich ein wenig ruhig. Wir folgten unserem Instinkt und kamen prompt an der Uferpromenade an. Dass Wasser war tiefgrün, von einem erfrischenden Bad nahmen wir dankend Abstand. Ein wenig eutrophiert. Tomasz in Palic Promenade am See, Palic, Serbien Palic

Die Promenade war nett aber leer. Langsam bekamen wir es mit der Angst, aber egal, wir hatten ja gebucht. Völlig planlos (und schwachsinnig) versuchten wir, die Pension ohne irgendeine Ahnung quasi zufällig zu finden. Das misslang selbstredend, also riefen wir in der Pension an. Der Betreiber holte uns mit einem Rover (krass, ein Auto, welches im Jahr 2005 in der BRD unter 500 Mal verkauft wurde...) ab und fuhr uns zur Pension, die lag mehr oder weniger direkt am See. Dafür aber noch eine ganze Ecke weiter weg vom Ort, als wir je geglaubt hätten. Die Disco war fast nebenan. Die Bude selbst war auch echt dick. Gepflegt, sauber und modern. Das ganze erinnerte eher an ein Motel, denn wir hatten sogar einen eigenen Eingang. TV, Bad, Doppelbett und Balkon. Hier ließ es sich aushalten. Kurz versackt und frisch gemacht, dann los, Lage checken. Am Wasser war nichts los, obwohl die laue, dämmerige Abendstunde genau das richtige gewesen wäre zum Vorglühen. Hm. Seltsam. Aus dem direkt am Seeufer gelegenen Discogelände des Club del Lago schallten bereits die ersten Beats. Los war noch nichts um 20h. Nur die DJs selbst und eine Handvoll Jünger hingen an einer provisorischen Bühne ab. Die Musik war das Schlechteste, was unsere Ohren seit langen vernehmen mussten. Lausiger Beat, billige Sounds, möchtegern Rap (auf Technobeats...?). Boxen, die schon vor langer Zeit mal ausgewechselt gehört gehabt hätten und eine Lautstärke, die auch die letzte Idylle vom Seeufer vertrieb. Auch die Bar wurde terrormäßig beschallt, weswegen wir doch froh waren, eigene Vorräte mitgenommen zu haben.

Unsere Pension und die Disco Club del Lago liegen offiziell in Subotica-Palic.
Palic besteht aus dem "Hauptteil", in der auch der Bhf, Geschäfte und das historische Kurzentrum liegen und einem östlichen "Nebenteil". Getrennt sind beide Teile durch einen guten Kilometer Grünland. Und genau deswegen blieben wir faul. Kurz hinterm Ausgang setzten wir uns auf die Steine der Uferkante; einen Naturstrand wie am Balaton etwa gibt es hier nicht. Die tiefgrünen Wellen klatschten an die Uferkante, während wir dem Sonnenuntergang zuprosteten. Unsere überragende Laune wich langsam, aber sicher der Skepsis. Denn voller wurde es in der Disco auch mit der Dunkelheit nicht. Aber Eintritt wurde alsbald verlangt. Na super, also zurück zur Pension, aber eben nicht am Strand entlang. Auf diese Art lernten wir den Ort auch hinter der Uferlinie (Promenade wäre übertrieben) kennen und realisierten rasch, dass hier heute abend wahrscheinlich nichts gehen würde. Dennoch in der Pension Nägeln mit Köpfen gemacht und fertig gedresst los gen Hauptort Palic.

Auf dem Weg dorthin trafen wir niemanden... und auch im "Kurzentrum" war kein Nachtleben auszumachen. Wir suchten die zweite Disco des Ortes, das Omega. Es war offen, schön, doch ohne Discobetrieb. Es war vielmehr eine Pizzeria, in der wohl bei Bedarf auch die Stühle beiseite gerückt werden. Heute bestand außer bei uns wohl kein Bedarf. So ein Mist, und wir hassen Mist! An der Hauptkreuzung beim Bhf. hatten ein paar Shops und ein Imbiss offen. Ein Bus fuhr gen Subotica ab. Wir deckten uns mit den für Serbien typischen Riesenbierbuddeln ein; der Preis war für Lage und Stunde echt niedrig. Am Imbiss bestellten wir Burger mit alles; man sprach ungarisch. So kamen wir auch mit zwei Teenies ins Gespräch. Wo noch was gehe, und wann vielmehr, war unsere Frage. Die Antwort war weniger erfreulich: "Der Sommer ist hier im August bereits vorbei. Also wenn was geht, dann nur in Subotica City. Aber auch das nur samstags, heute wird alles eher leer sein." "Eher", aber nicht absolut, dachten wir und checkten die Busverbindungen. Der vorhin gesehene Bus war der letzte. Ein Taxi würde gemäß Teenieauskünften rund zehn Euro kosten. Kacke, und so brachten wir dem falschen Geiz das erste Opfer und nahmen mit den echt fetten Burgern Platz auf einer lauschigen Bank. Der Abend war gelaufen. Super. Burger und Bier verzehrt, dann desillusioniert zur Pension gelatscht. Der Club del Lago war noch offen, Eintritt wurde nicht mehr verlangt. Wofür auch. In manchen Bars am Uferweg brannte noch ein letztes, stilles Licht. Wir verfluchten diesen toten Ort am grünen See. Er bekam dies wohl mit, stellte er Tomasz doch einen schienbeinhohen Eisenpfahl direkt in die Mitte des unbeleuchteten Weges. In der Folge gab es einen stumpfen Klang und einen Sterne sehenden Tomasz. Unvorstellbarer Schmerz. Noch heute hat er an der Stelle eine Beule. Den Abend ließen wir auf dem Parterrebalkon ausklingen, zumindest die Unterkunft stimmte.

Tag4, Samstag, 18.08.2007

Am Samstagmorgen machten wir Nägel mit Köpfen und checkten entgegen der Reservierung aus. Die Cheffin vom Dienst wollte keine Begründung serviert bekommen, was uns entgegen kam. Ebenfalls entgegen kam uns die Tatsache, dass die Pension Palicka Kruna uns wie vorgeschrieben bei der örtlichen Miliz registriert hatte. Nun waren wir in Besitz der angeblich bei der Ausreise so zwingend erforderlichen, unbedingt vorzulegenden Registrationsnachweise.

Pension Palicka Kruna, Palic, Serbien Pension Palicka Kruna, Palic, Serbien Tomasz und eine gute Zahl... Wir latschten ein letztes Mal am grünen See vorbei Richtung Bahnhof. An der Hauptkreuzung plünderte Tomasz einen kleinen Supermarkt und versackte im Laden. Ein tolles Angebot zu tollen Preisen. Interessant weil teils recht fremdartig noch dazu. Palic Palic
Bahnhof in Palic Mit einem netten kleinen Frühstückspaket schlenderten wir zum Bahnhof und setzten uns. Und mampften. Und studierten den Fahrplan. Ziemlich dumm, dass der Zug nach Subotica nur dreimal täglich fährt. Hm. Also zur Hauptkreuzung. Zur wichtigsten uns bekannten Bushaltestelle. Als der Bus kam, sahen wir uns in die Vergangenheit zurückversetzt. Man hatte ganz hinten einzusteigen, wo auf dem "Schaffnersitz" doch tatsächlich ein Schaffner saß, der uns den Fahrschein verkaufte. Genauer gesagt saß da eine Schaffnerin. Die verstand kein ungarisch. Kein Problem, nun war Tomasz an der Reihe und siehe da: ein polnisch-tschechischer Wortschwall löste das Problem. Wir bekamen die Karten, die pro Nase knapp 40,- Cent kostete.
Ja, Busfahren ist in Serbien trotz doppelter Besatzung günstig.

Der Service und der Bus selbst waren erstklassig. In Subotica waren wir bereits um 13h. Wir hatten noch 5h totzuschlagen. Kein Problem, denn asseln können wir. Vor allem in einer fremden, interessanten Stadt wie Subotica. Im Zentrum stiegen wir aus dem Bus und machten einen Stadtspaziergang. Die Atmosphäre war natürlich eine vollkommen andere als während der Tagestrips im Winter 2007.

Subotica Heldendenkmal in Subotica Subotica Zuerst ging es in den Maxisupermarkt, wo wir uns zu Mittag mit Hähnchenschenkeln und frittiertem Fisch eindeckten. Lecker und fettig. Und unglaublich preiswert! Die Sonne brannte vom blauen Himmel und wir überlegten schon, die Nacht über in Subotica zu bleiben. Die Stadt gefiel uns einfach zu sehr, als das wir so ohne weiteres abhauen konnten. Der Preis einer weiteren Hotelnacht und ein sehr ungewisses Nachtleben auf der einen standen einer garantierten Megaparty und einer super langen und geilen Zugfahrt in die ungarische Hauptstadt auf der anderen Seite entgegen.

Zunächst setzten wir uns mit unserem Lunchpaket auf eine Bank in der Nähe des Supermarktes und diskutierten den weiteren Tagesverlauf. Eigentlich sprach alles dafür, in Serbien zu bleiben und erst Sonntag wieder nach Budapest zu fahren. Novi Sad schied allerdings einer derbst bekackten Zugverbindung wegen aus, Belgrad ebenfalls. Albanien und Bar an der Adria wären auch noch im zeitlich Möglichen gewesen. Der Geiz sprach hier jedoch ein deutliches Machtwort. Dagegen, klar. Als serbische Variante blieb also nur Subotica.

Buzz in Subotica, August 2007

Nach der Enttäuschung in Palic waren wir bezogen auf das zu erwartende Nachtleben ausgesprochen skeptisch. Weitere Sorge: die in Serbien anscheinend allgegenwärtige, miese verhasste Sperrstunde. Wir hatten schon diverse Clubs im Rahmen des Spaziergangs beäugt und überall Öffnungszeiten registriert, die ein Schließen um zwei Uhr morgens verkündeten. Wir hatten bereits in Bela Crkva, im Sommer 2004 am eigenen Leib erfahren müssen, was es heißt, mitten in bester Partylaune abbrechen zu müssen. In Bela Crkva hatte auch alles um Punkt zwei Uhr dicht gemacht. Da hatten wir keinen Bock drauf. Zumal wir wiegesagt nicht einmal wussten, ob überhaupt bis zur Sperrstunde etwas abgehen würde.
Letzen Endes entschieden wir uns dazu, die Nacht in Budapest zu verbringen.

Einkaufsstraße in Subotica

Wir setzten uns mit ein paar Pils bewaffnet in den Leninpark vorm Bahnhof und relaxten. Buzz pennte sogar eine Runde im Sitzen, kam ziemlich pennermäßig rüber. Da zeigte sich mal wieder, was ein Abasselexperte alles kann. Im schattigen Park, unweit des Trinkwasserspenders, hingen wir eine ganze Weile ab. So richtig sicher waren wir uns noch immer nicht in der Beurteilung dessen, was für die bevorstehende Samstagnacht die beste Wahl sein würde. Bei einem letzten Rundgang durch Subotica landeten wir im Park.

Buzz hat Durst Asselexperte! Subotica Train Station
Subotica, Stadtzentrum Dort wurden wir Zeuge einer serbischen Hochzeit. Wie schon 2004 in Kobisnica. Die Damen auch hier: bildhübsch! Genau wie das Land. Im Maxisupermarkt erstanden wir die Verpflegung für die Zugfahrt nach Budapest und ergänzten uns beim Bestellen perfekt. Einige Angestellte konnten nur ungarisch, andere nur serbisch. Buzz sprach ungarisch, Tomasz sabbelte auf gebrochenem polnisch auf die Bediensteten ein. Insgesamt kamen wir so bestens zurecht und konnten uns alle Wünsche erfüllen lassen. Park in Subotica Hochzeitsgesellschaft in Subotica

Am Ende war die Aufenthaltszeit in Subotica tatsächlich zu knapp bemessen. Wir wollten gar nicht fort. Um 18:40 fuhr der Zug zur Grenzkontrolle hinaus. Diese lief mehr als korrekt ab. Vor allem der serbische Grenzer war die Korrektheit in Person. Ostig, das heißt professionell korrekt halt.

Zug von Subotica nach Kiskunhalas

Und dazu auch noch total freundlich, nachdem ich das kurze Interview auf polnisch gemanaged hatte. Er fragte, ob ich serbisch spräche. Ich verneinte, teilte aber mit, dass ich über rudimentäre Polnischkenntnisse verfüge, deren Nutzen gerade in Serbien immer wieder verbluffend seien. Da huschte dem ostig-korrekten Kontrolleur doch tatsächlich ein niemals für möglich gehaltenes Lächeln über das Gesicht. Für einen Moment hoben sich die Mundwinkel. Ein seltener Anblick, da sind wir uns sicher. Nach dem unbedingt vorzuzeigenden Registrationsnachweis krähte übrigens, wie schon im Sommer 2004 bei der Ausreise nach Bulgarien, kein einziger Hahn in Uniform.

Big Buzz on rail! Not in Jail.  

Kaum auf ungarischem Territorium angekommen, kam der Schaffner. Er wurde sofort unhöflich, meckerte wie schon sein Vorgänger auf der Hinfahrt über unsere Fahrscheine und forderte uns auf, in Kelebia den Zug zu verlassen. Buzz blieb höflich und wies den Schaffner darauf hin, dass wir doch eh bereits 60% mehr als normal bezahlt hatten, dass wir doch auch nur dumme Deutsche seinen und, dass er ja Recht habe und wir nicht... blablabla. Es wirkte, er wurde lammfromm und seine Durchlaucht ließ uns weiter fahren. Der gut gefüllte Schienenbus beförderte uns bis nach Kiskunhalas, wo bereits der Regionalzug nach Budapest bereitstand.

Wir überlegten schon, einfach dort zu bleiben, sogar einen Tesco gab es in Kiskunhalas, aber die Hauptstadt rief zunächst lauter nach den Kolobrzeg-Twins.

Im Nachhinein total ärgerlich, denn in Kiskunhalas gibt es eine absolute Top-Location! Dazu günstige Übernachtungsmöglichkeiten.
Das wäre eine derbst geile Partynacht in der ungarischen Tiefebene geworden. Ein echtes Erlebnis, wesentlich bedeutsamer als eine weitere Nacht in der Magyarenkapitale namens Budapest. Und dann fing sie an, die Bahnfahrt. Der Zug war leer. Wir hatten ein Abteil für uns. Es war ein alter, noch echter Waggon. Er knartschte, quietschte, machte Krach, verhielt sich also so, wie es sich für einen guten Waggon gehört.

Buzz während der supergeilen Zugfahrt von Kiskunhalas nach Budapest-Ferencvaros Tomasz während der supergeilen Zugfahrt von Kiskunhalas nach Budapest-Ferencvaros


Bilder von der dreistündigen Zugfahrt, die ruhig noch etwas länger hätte dauern dürfen...


Wir hielten an jeder Milchkanne und durchfuhren so das gesamte ungarische Flachland von Süden nach Norden. Leckeres serbisches Bier war genug am Start.
Die Stimmung war einfach phantastisch. Schön am offenen Fenster lehnend ließen wir die flache ungarische Ebene an unseren Blicken vorüberziehen.



Die Sonne ging unter, der Mond auf. Das hamonische Farbenspiel der sich ankündigenden Nacht begeisterte uns.








Nach 3 Stunden Fahrt mit ununterbrochenem Style und Blick aus dem offenen Fenster waren wir wirklich sehr enttäuscht, dass diese geile Fahrt schon wieder vorbei war. Um halb 11 waren wir in Budapest-Ferencvaros. Mit uns stieg eine Gruppe tschechischer Backpacker aus. Der Zug hatte als Ziel Buzz' Wohnzimmer und nicht wie die meisten anderen einen der großen, Pester Bahnhöfe. Sie frugen uns nach Hilfe und Buzz, der Budapestspezi wusste Rat. Tomasz übersetzte aus dem Tschechischen ins Deutsche, Buzz antwortete auf englisch.

Wir wechselten ihnen noch Geld zu einem für uns echt schlechten Kurs, aber was tut man nicht alles für die Völkerverständigung.

Vor allem für die Verständigung mit Leuten aus dem von uns so heiß und innig geliebten Tschechien.

Buzz' bessere Hälfte war so herzallerliebst und stand bereits mit dem Auto auf dem Bahnhofsvorplatz bereit.

Wir blieben noch ein Weilchen, erzählten ihr was sich zugetragen hatte und genossen den Style dieses wirklich unscheinbarsten aller Budapester Hauptbahnhöfe.

Partytime in Budapest - Ferencvaros Partytime in Budapest - Ferencvaros Partytime in Budapest - Ferencvaros Partytime in Budapest - Ferencvaros


Ferencvaros. Könnte auch Bahnhof Hinterarsching genannt werden, wenn man sich die infrastrukturelle Gesamtsituation genauer anschaut. Kein ÖPNV nach 23 Uhr, das sagt doch alles. Da kommt man aus Belgrad, beispielsweise, und landet an einem verkackten Bahnhof wie diesem. So dürfen Endbahnhöfe internationaler Fernzüge einfach nicht aussehen, schulle.

Edit kutschierte uns geduldig durch die halbe Stadt, noch an einem ABC vorbei bis hin an die Donau. Ziel der Nacht war der sogenannte Buddha Beach Club. Die Sommernacht war angenehmem lau, unser Gepäck befand sich zusammen mit Edit auf dem sicheren Heimweg und die Party konnte beginnen. An dieser Stelle tausend Dank für die Logistik, Edit. Der Buddha Beach ist wie auch das Rio eine Freilichtdisco direkt an der Donau, jedoch auf dem Pester Ufer zwischen Petöfi Híd und Markthalle. Anstehen mussten wir nicht, der Eintritt war frei, perfekt. Die Tanzflächen waren gut gefüllt und ein Platz an der Bar schwer zu ergattern. Und der Halbe Dreher vom Fass für 400 Forint, da kann man nicht meckern. Die Stimmung war bestens, doch uns persönlich war es ein wenig zu voll. Draußen an der Donau noch einen nachgetankt und anschließend bis in den Morgen hinein gefeiert. Mit der ersten Metro fuhren ab Kalvín Tér nach Hause, jedoch nicht ohne vorher noch den ABC zu entern, der Backofen wollte zum Frühstück doch gefüllt sein mit Kartoffelwaren aller Art. Morgens um sieben schliefen wir endlich ein.

Draußen brach bereits ein weiterer, heißer Budapester Sommertag an.

Tag5, Sonntag, 19.08.2007

Viel lief nicht zusammen bei uns. Am frühen Nachmittag standen wir auf und stellten fest, dass das ungarische Fernsehen die deutsche Bundesliga übertragen werden würde. Cool. Wir statteten der lokalen Plus Filialle einen Besuch ab und kauften Pizza, Eistee und ein paar Snacks deutscher Herkunft. Deutsche Lebensmittel erfreuen sich übrigens in Ungarn größter Beliebtheit. Zu Recht.

Bei Spar in Alacska schleppten wir eine Kiste Köbanyai Sör zur Kasse und dann nach Hause. Ausnahmsweise war die Kassiererin mal so ausgeschlafen, dass sie die Kiste bei der Berechnung des zu entrichtenden Pfandes mit berechnete. Normalerweise bekommen wir stets einen Nachlass in Höhe von 1,50 Euro auf den Gesamtpreis. Weil die Kiste halt in der Regel nicht berücksichtigt wird.

Mitten in der ersten Halbzeit des Heimspiels vom Heiligen SV gegen Bayer Leverkusen schalteten wir die Glotze an und verfolgten den knappen, aber verdienten Sieg.

Und glühten nebenbei ein bisschen vor. Wie schon im Winter 2006.

Vorglühen in Alacska

Fotos vom Vorglühen in Alacska, Dezember 2006


Mit dem Bus fuhren wir dann hinein ins Zentrum und sahen überall klitschnasse Gestalten herumlaufen. Da war mächtig was heruntergekommen, vom Himmel. So ein Mist. Und wir hassen Mist, wie jeder weiß. Das große Problem war nämlich, dass in den Freiluftdiscotheken der Stadt, sofern überhaupt geöffnet, natürlich nichts los war. Nirgends war was los.

Also brachen wir die Aktion sozusagen unverrichteter Dinge ab und fuhren wieder zurück nach Alacska. Echt tolle Aktion. Wenigstens kamen wir auf diese Weise endlich mal früh ins Bett.

Tag6, Montag, 20.08.2007

Das Motto des Tages lautete: offizieller Staatsfeiertag. Das Fest zu Ehren des Staatsgründers und ersten ungarischen Königs, Stephan des Heiligen.

Zunächst hatten Buzz und ich ein gehöriges Schlafdefizit auszugleichen. Mittags starteten wir dann die Stadtrallye durch Budapest. Am Steuer des Punto: Edit. Beruf: demnächst vermutlich Stuntfahrerin oder Serienchampion auf dem Ungaro-Ring. Neben ihr erblassen Taxifahrer, Trucker, Helden des Autoscooters und F1-Piloten gleichermaßen. Ziel der Rennfahrt: Edits Eltern, die zum Essen geladen hatten.

Am Nachmittag seilten Buzz und ich uns mit für den Abend vorgepackten Hüpferlitaschen ab und schlenderten Richtung Szecheny Fürdo. Konnten uns aber nicht zu einem Besuch im herrlichen Thermalbad durchringen, weil erstens die monetäre Situation schlecht aussah und zweitens die Uhrzeit schon zu weit vorangeschritten war. Lohnte sich nicht mehr so richtig, denn wir wollten das riesige Feuerwerk, dass von Donauschiffen und dem Gellert abgeschossen wird, nicht verpassen.

In Budapest versammelten sich eine Menge nationalstolzer Ungarn, die offensichtlich vergangenen Zeiten nachtrauerten.
Und verloren gegangenen Ländereien.

Über Politik und Ideologien kann man bekanntlich streiten, ich halte mich da besser raus.

Auf jeden Fall liefen viele Leute mit Fahnen und zumindest fragwürdigen Symbolen herum.

Wir statteten unserer Lieblingskneipe einen Besuch ab, der Borsodi Sörözo, die wir im Winter 2006 entdeckt und für sensationell gut befunden hatten. Anfangs ließ es das Wetter sogar zu, darußen zu sitzen. Allerdings nicht lange. Wie schon am gestrigen Abend tobten heftige Gewitter über der Stadt, so eine Kacke. Wenigstens konnten wir uns in der Kneipe unterstellen.
Und das Gros der Niederschläge aussitzen. Als wir zur Donau aufbrachen, war das Wetter wieder einigermaßen okay.

Pünktlich fanden wir uns dann an der Donau ein, um das Spektakel am Himmel zu betrachten. Es blieb glücklicherweise trocken. Bis kurz nach dem halbstündigen, echt fetten Feuerwerk. Im letzten Jahr war Buzz übrigens Zeuge der Massenpanik, die mehrere Todesopfer forderte. Zuschauer wurden niedergetrampelt oder von den Brücken und Promenaden in die Donau gefegt, wo sie dann meist ertranken. Gott sei Dank war diesmal nichts von derartigem Chaos zu spüren. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Sicherheitsvorkehrungen extrem waren. Gut so.

Bahnhof Nyugati, Budapest, aufgenommen im Sommer 2006

Buzz und ich waren gerade auf dem Weg zum Nyugati, da begann es auch schon zu tröpfeln. Kein Problem, dachten wir jedenfalls.

Als Location der Nacht hatten wir uns den Club Cool, direkt am Nyugati Bahnhof ausgesucht. Und der hatte dicht. Klasse. Im Club Cool hat Buzz übrigens damals, im Sommer 2006 seine bessere Hälfte kennengelernt. Ein Revival wäre also absolut angebracht gewesen. Schade, dass der Laden dicht hatte.

Scheint am Feiertag, am 20. August, generell ein Problem in Ungarn zu sein. Irgendwie hatte gar nichts auf.

Club Cool, Budapest

So waren wir erneut, unfreiwilligerweise, zeitig zurück in Alacska. Nachdem wir uns traditionsgemäß Gülle auf den deutschen Privatsendern reingepfiffen hatten, reisten wir schnell ins Dreamland.

Tag7, Dienstag, 21.08.2007

Buzz hatte sich verschätzt. Das Redigieren seiner schriftlichen Arbeit kostete mehr Zeit und Nerven, als er befürchtet hatte. Resultat: während er tippte, schwitzte und grübelte, lag ich auf dem Sofa herum und pfiff mir Gerichtsshows auf RTL und Sat1 rein. Dafür war ich nicht nach Budapest gereist, verdammte Kacke. Am frühen Nachmittag durchbrach ich die lethargische, sinnbefreite Asselei und schulterte meine altgediente Hüpferlitasche. Okay, Buzz hatte keine Zeit, aber deshalb durfte ich noch lange keinen warmen, sonnigen Sommertag in der ungarischen Hauptstadt dem Programm deutscher Privatsender opfern.

Also machte ich mich auf den mir bekannten Weg ins Zentrum. Mit dem Bus erreichte ich die Metrostation Köbanya-Kispest, bestens bekannt auch unter dem Namen "Wohnzimmer". Im Zentrum angekommen fühlte ich mich irgendwie leer. Alleine bringen Stadtbesichtigungen nicht so viel. Außerdem kannte ich die Innenstadt bereits so gut wie die sprichwörtliche Westentasche. Ich entschied mich für einen 08/15 Rundgang, begann mit der Fußgängerzone und latschte später an der Donau entlang. Später fuhr ich dann zur Station MoskvaTer, um mich vom Bus (Linie 10) auf den Burgberg chauffieren zu lassen.


Fotos aus Budapest, Sommer 2006

Gellert Hegy Gellertstatue Donau Gellert Hegy Zentrum
Freibad auf der Margaretheninsel Freibad auf der Margaretheninsel Donau Parlament Donau

Auf dem Burgberg angekommen drehte ich eine gemütliche Runde und sah mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an. Die Fischerbastei zum Beispiel. Ein herrlicher, warmer Tag im August. In Budapest. Und ich wusste nicht so recht, was ich mit meiner Freiheit anfangen sollte. Schön blöd.

Mittlerweile war es kurz vor sechs, um acht Uhr wollten Buzz und ich uns am altbekannten Pichelplatz auf dem Burgberg treffen. Oben, wo die Station der Zahnradbahn ist. Es blieben also zwei zu überbrückende Stunden. Zumindest ging ich davon aus.

Fischerbastei Fischerbastei
Nach einiger Zeit fand ich ein meinen Wünschen entsprechendes, angenehmes Plätzchen. Niedriger Passantenstörfaktor, toller Ausblick (auf Buda), bequeme Sitzposition, gute Lichtverhältnisse und Toiletten in Form vorteihaft angelegter Grünanlagen in unmittelbarer Nähe. Sehr gut. Fast so gut wie der perfekte Abasselplatz, der sich am Gellert Hegy befindet. Ich fürchtete bereits, dass die Zeit bis zum Treffen mit Buzz knapp werden könnte, galt es doch einige Seiten mit Leben zu füllen.

Es stellte sich bald heraus, dass ich wesentlich mehr Zeit zur Verfügung hatte, als mir lieb war. Buzz verspätete sich. "Eine Stunde!", kündigte er mir via Sms an.

Ich startete einen erneuten Rundgang über die Anlagen auf dem Burgberg und reihte mich in die langen Schlangen der Touristengruppen ein. Eine deutschgeführte Horde konnte ich leider nicht finden. Zeit genug für eine geführte Besichtigung hätte ich gehabt, die Muße ebenfalls.


Fotos aus Budapest (Burgberg), Sommer 2006

Zahnradbahn, "Tal"station Blick von der "Bergstation" auf die Kettenbrücke Such den Tomasz...

Buzz wäre nicht Buzz, hätte er mir nicht einen weiteren Strich durch die Zeitrechnung gemacht. Ich wollte mich gerade von meinem wunderschönen Asselplatz auf den Weg zum Treffpunkt machen, da meldete sich mein Handy. Eine Sms. Aus der einstündigen wurde eine zweistündige Verspätung. Wie man an den drei Fotos in dieser Reihe sieht, hatte ich nun wirklich ausreichend Zeit. Zum Füllen bis dato leerer Seiten im blauen Buch und zum Genießen der Atmosphäre.

Um 22:30h war es dann endlich soweit: Buzz trudelte ein und hatte zunächst mit meiner Laune zu kämpfen. Man, war ich mies drauf. Verständlich, nachdem er sich um gut zweieinhalb Stunden verspätet hatte, wie ich meine.

Nach wenigen Minuten waren die Aggressionen abgelassen und wir starteten in eine weitere Budapester Partynacht durch. Der Start gelang uns bestens, die Laune stimmte und wir feuten uns bereits auf das Bouncen im Rio, als plötzlich Blitze den Himmel erhellten. In zunehmender Frequenz, ebenso wie die mittlerweile aufgekommenen Windböen, die zudem an Stärke zunahmen. Da zog ein mächtiges Gewitter heran.

Glücklicherweise touchierte es uns bloß. Vom Kern des Unwetters blieben wir verschont.


Und so brachen wir dann auf gen Buddha Beach, wo allerdings überhaupt nichts los war. Also wechselten wir die Location und entschieden uns für das Rio. Zur Überbrückung der kurzen Distanz zwischen Buddha Beach und Club Rio leisteten wir uns ein Taxi. Nachdem die Durchquerung der Magyarenkapitale 25,- Euro gekostet hatte, konnte der Luxus erwartungsgemäß nicht allzu teuer werden. Dachten wir. Falsch gedacht. Noch nie hatten wir derart rasant kletternde Forintpreise beobachten müssen wie auf dem Taxameter des Wucherers. Wurden wir abgezogen? Gefühlsmäßig auf jeden Fall, nur beweisen konnten wir nichts, denn der zu entrichtende Fahrtpreis stand ja auf dem Tachometer und nachts um eins wollten wir dann auch keinen übermäßigen Alarm schlagen.

Im Rio war es leerer als sonst, klar. Auswirkungen des kurzzeitig miesen Wetters. Der Nachtbus kutschierte uns sicher zurück nach Hause, wo wir zeitig ins Dreamland reisten.

Tag8, Mittwoch, 22.08.2007

Der letzte Tag des Besuches in Budapest stand wieder im Zeichen der schriftlichen Ausarbeitung. Buzz musste sein Werk unbedingt noch heute eintüten und abschicken. Enstprechend stressig war der Tagesablauf. Sein Drucker war nicht funktionsfähig, also mussten wir zu den Eltern von Edit fahren und dort drucken.

Natürlich verbanden wir das ganze mit einem leckeren Mittagessen. Mit dem Stapel Papier suchten wir dann nach einem kompetenten Copyshop, in dem die Blätter gebunden werden sollten.

In der Nähe der Uni fanden wir einen und übergaben die Zettelsammlung in die Hände eines Angestellten. Eines angestellten Esels, der das Kunststück beherrschte, den Haufen Papier zu Boden gleiten zu lassen. Die Ordnung von mehr als hundert Seiten war diesem Genie sei Dank dahin. Trottel.

Gegen 21 Uhr war die Arbeit gebunden und konnte zur Post am Keleti Bahnhof gebracht werden. Mittlerweile war die Rennfahrerin Edit eingetroffen. Folglich waren wir wenige Augenblicke später am Postschalter.

Alles erledigt.

Ab auf den Burgberg. Unser letzter Abend. Wir verbrachten diesen stilecht, mit perfektem Blick auf die Kettenbrücke und ärgerten uns über einsetztenden Regen. Das Wetter nahm keine Rücksicht darauf, dass es unsere letzte Partynacht in Budapest werden sollte.


Bilder von der Kettenbrücke, Budapest, Sommer 2006


Angesichts des miesen Wetters konnten wir die Freiluftdiscotheken aller Wahrscheinlichkeit von der Liste der Möglichkeiten streichen. Deshalb begaben wir uns auf den Weg zum Nyugati Bahnhof, wo sich bekanntlich der Club Cool sowie die Disco Bank befinden. Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp auf der Margaretheninsel ein, genau auf der Mitte der Brücke befindet sich eine Straßenbahnstation. Auf der Margaretheninsel selbst war irgendwo etwas los, zumindest sah es danach aus. Wir hatten aber keine Ahnung, wo. Und auf lange Herumlatscherei bei ungewissem Ausgang hatten wir keinen Bock. Wir gaben uns damit zufrieden, das schöne Panorama zu bewundern und fuhren dann zwei Straßenbahnen später weiter.

Am Nyugati angekommen die erschreckende Erkenntnis: Beide Locations hatten dicht. Die Nacht endete also zwangsläufig noch bevor sie richtig begonnen hatte. Kein schönes Ende eines Urlaubs.

Tag9, Donnerstag, 23.08.2007

Mittags bin ich mit dem Air Berlin Flieger zurück nach Hannover geflogen, am frühen Nachmittag war ich zurück in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

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