Kurztrip nach Riga, März 2008
Tag1, Donnerstag
Endlich finden Nitusz und ich mal wieder die Zeit für ein verlängertes Wochenende fern der Heimat. In Lettland waren wir beide noch nie, von der Hauptstadt des baltischen Staates haben wir schon viel gehört. Gutes wie schlechtes. Nun wollen wir uns selbst ein Bild von der einstigen Hansestadt, der größten Metropole des Baltikums machen.
In Bremen parken wir, wie schon im Januar diesen Jahres, in einem Wohngebiet.
| Ganz in der Nähe
des Bremer Flughafens. Zehn Minuten zu Fuß entfernt. Der Check In
zieht sich hin, es bilden sich lange Schlangen. Der Ryanair-Flug nach Riga
ist ausgebucht und wir sind froh, den Priority Check In genießen zu
dürfen. Haben nämlich kein Gepäck dabei, außer dem
Handgepäck. Besser gesagt: dem, was gerade eben noch als Handgepäck
durchgeht. Die gute, altgediente Hüpferlitasche, eine Sporttasche und
den Laptop. Für fünf Nächte im winterlichen Riga ist das
nicht viel, aber es wird ausreichen. (Fotos links und rechts: Balkantrip 2008) |
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Mit halbstündiger Verspätung heben wir ab und fliegen über die Ostsee nach Lettland. Riga empfängt uns mit hanseatischem Schmuddelwetter. Schneeregen, feuchte Kälte. Grauer Himmel. Egal. Davon lassen wir uns die Stimmung nicht vermiesen. Mit dem städtischen Bus fahren wir binnen einer knappen halben Stunde vom Flughafen (Lidosta) ins Zentrum. Der Busfahrer tut uns beiden leid. Die meisten Touris haben keinen Plan und raffen nicht, dass der Chauffeur ihre deutschen, englischen, italienischen, spanischen, portugiesischen und französischen Fragen nicht versteht. Scheinen bei den Fahrern nicht allzu beliebte, extrem stressige Linien zu sein, die den Flughafen mit der Innenstadt verbinden. Die Linie 22A (Lidosta-Esplanade) bringt uns für 0,40 Lats bis zur Haltestelle Makslas Muzejs. Von dort aus sind es nur noch knapp 500m zu unserer Bleibe, dem Hotel Centrum Monika Riga. Die vorherige, ausgiebige Internetrecherche zahlt sich aus. Schon von weitem erkennen wir die hübsche Fassade des Hotels. Die Euphorie steigert das Gehtempo, wir hasten in die vornehme Empfangshalle und checken ein. (Foto links: Januartrip 2008) |
| Nach wenigen Minuten gemütlichen Spaziergangs erreichen wir die Brivibas Iela, eine Prachtstraße, kilometerlang. Am Rajna Bulvaris entlang schlendern wir bis zum Hauptbahnhof ( Centrala Stacija). |
Dort befinden sich mehrere Kaufhäuser
und Einkaufspassagen (z.B.: Origo).
Es ist kein Unterschied zu einer westeuropäischen Großstadt erkennbar.
Auch preislich nicht. Zwischen dem Preisniveau in Riga und dem in Deutschland
lassen sich keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Zigaretten und hochprozentiger
Alkohol sind vergleichsweise billig, das war es aber auch schon. Bier kostet
mehr als daheim, Wein und Sekt auch. Lebensmittel sind gleich teuer bzw. billig.
Der öffentliche
Nahverkehr ist preiswert, zumindest für meinen Geschmack. Für
den Geschmack derjenigen, die finanziell nicht so klasse dastehen, sind die
Preise vermutlich zum Kopfausschütten. Zum Kotzen hoch. Innerhalb der letzten
Jahre hat es etliche Preiserhöhungen gegeben. Und Schwarzfahren läuft
nicht. Man muss entweder vorn beim Fahrer einsteigen und seine Karte vorzeigen
bzw. eine kaufen, oder aber eine Schaffnerin fährt mit. Bei der dann das
gleiche Prozedere. Zu Bussen, Trolleybussen und Straßenbahnen in Riga
sei gesagt, dass die Taktung der Verkehrsmittel angenehm ist und dass Pünktlichkeit,
Sauberkeit und Zuverlässigkeit großgeschrieben werden. Abschließend
läßt sich sagen, dass wir nur gute Erfahrungen gemacht haben.
Vom Bahnhof aus werfen wir einen kurzen Blick auf den Zentralmarkt, den Centraltirgus, der sich in riesigen Hallen befindet und täglich abgehalten wird. Soll ein absolutes Muss auf der touristischen To-Do-Liste sein, schauen wir uns später an.
Auf kopfsteingepflasterten Gassen wandeln wir durch die Stadt. Alles ist frisch renoviert, die Fassaden sind herausgeputzt, freundlich und sauber. Überhaupt ist hier im Zentrum alles sehr aufgeräumt. Nirgends liegt Abfall herum, keine Hauswand wird von Schmierereien verschandelt, von den Gehsteigen könnte man essen. Riga hat sich fein gemacht für die immer zahlreicher einfallenden Besucherscharen.
| Am frühen
Abend sind wir zurück in der Elizabetes Iela und entern die Junior
Suite. Vollkommen fasziniert trete ich auf den Balkon und genieße
den Ausblick auf den Kalpaka Bulvaris. Direkt gegenüber vom Hotel Centrum
Monika befindet sich übrigens neben einem Café (Double
Coffee) einen Mini-Markt (Narvesen),
in dem es die notwendigsten Dinge zu leicht erhöhten Preisen bis 23
Uhr zu kaufen gibt. Alkohol wird allerdings ab 22 Uhr weggeschlossen und
nicht mehr verkauft. Auch nicht an Tankstellen oder in 24h geöffneten Super- und Hypermärkten, von denen es einige an den Ausfallstraßen Rigas gibt. |
Nitusz und ich sind bereits gut versorgt, legen für eine Weile Beine und Füße hoch und gucken Müll im TV. Die lettischen und russischen Sender kann man total vergessen, da läuft nur Schrott. Bleiben also nur Kabel1 und Super RTL. Auch nicht gerade Garanten für tolle Unterhaltung. Nach einem entspannenden Bad stellen wir das Möbiliar etwas um und starten durch in die erste Partynacht in der lettischen Hauptstadt. WLan, kostenfrei steht bereit. Wir lachen kräftig ab, einigen Videos (z.B.: 1 - 2 - 3 und vielen anderen) sei Dank.
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Mal sehen, was uns an einem
Donnerstag geboten werden wird. Übers Internet habe ich bereits einige
Lokalitäten in die engere Auswahl ziehen können. Donnerstags,
freitags und sonnabends ist das ganze Jahr über, zu jeder Jahreszeit
anständig was los in der Stadt, was Nightlife
und Party betrifft. |
Aber soweit sind wir ja auch noch gar nicht. Zunächst wollen wir in stilvollem Ambiente, von der typischen Urlaubseuphorie beseelt, vorglühen. In Gedanken bin ich dabei, wie so oft, bei der oft zitierten blinkenden LED auf der Landkarte.
Gegen Mitternacht schließlich latschen wir frohen Mutes los, in das Herz der Stadt. Hier und da fragen wir uns durch, landen in einem verlodderten Lokal, in dem wir es nur wenige Minuten aushalten. Gehen dann kreuz und quer durch die Altstadtgassen, finden aber keine Disco, keinen Pub nach unserem Geschmack. Letzten Endes landen wir im Roxy Club. Über den Roxy Club habe ich im Zuge meiner vorangegangenen Recherche nichts gutes vernehmen können. Von den Räumlichkeiten jedoch, dass muss ich gestehen, gefällt uns das Roxy. Es hat verschiedene Floors, diverse Sitzgelegenheiten und eine angenehme Beschallung. Was sowohl die Lautstärke, als auch die Auswahl der Titel angeht. Charts, Mainstream, ab und zu mal Schlager und Skihüttenmucke. Techno, House und Konsorten spielen eine untergeordnete Rolle. Zu den Negativaspekten. Im Roxy geht es zu wie in einem Puff. Die Kerle baggern wie verrückt alles an, was weiblich ist, ohne irgendwelche Hemmungen zu zeigen. Sich selbst total überschätzend, penetrant und geschmacklos. Dazu gesellen sich dann Nutten, Vollprofis und Halbgewerbliche gleichermaßen. Hey man, nichts gegen Urlaubflirts und One-Night-Stands. Ich habe halt nur keinen Bock auf so eine Puffatmosphäre, wenn ich in einer an und für sich normal ausgerichteten Diskothek bin und einfach nur feiern will. Als Mann ist es weniger dramatisch, für eine Frau extrem ätzend und unangenehm, vor allem wenn sie nur Feiern, Tanzen und Spaß haben will. Na ja, jedem das seine. Für uns jedenfalls war das nichts. Nichts, was man wiederholen sollte. Nach viertelstündigem Fußmarsch fallen wir müde ins Bett und reisen ins Dreamland.
Tag2, Freitag
Das Frühstücksbuffet lassen wir uns nicht entgehen. Das Aufstehen hat sich gelohnt! Es gibt von allem reichlich. Qualität und Quantität stimmen, der Service überraschenderweise auch. Gut gestärkt starten wir in den ersten kompletten Urlaubstag in Riga. Haben uns für heute vorgenommen, einen Ausflug an die Ostsee zu machen. Die Frage ist nur, wie wir da hinkommen.
| Im Bahnhof wenden wir
uns an die Touristeninformation und geraten an eine herrlich unfreundliche,
desinteressierte Angestellte. Eine große Hilfe ist die Arbeitsverweigererin
nicht, aber egal, zumindest entlocken wir ihr das Wort Marshrutka. Hätte
ich mir ja denken können, dass ein Minibus das optimale Transportmittel
darstellt. Gegenüber des Einkaufszentrums Origo erspähen wir dann
eine Ansammlung Wartender und ein Dutzend Minibusse. Muss der Busbahnhof
sein, hin da. An den stählernen, rostigen Absperrungen stehen die Leute ruhig und gesittet in Schlangen und warten auf die Abfahrt. Es gibt sogar Fahrpläne, an die sich jedoch kein Busfahrer zu halten scheint. Losgefahren wird, wenn der Minibus voll ist. Einen Lat pro Fahrt pro Person zahlen wir für die Strecke an die Ostsee, Richtung Jurmala. Im Preis inbegriffen sind, außer zwei Sitzplätzen, betrunkene, übelriechende Mitfahrer und unfreiwillige Körperkontakte. |
Schräg vor mir pfeift sich ein Opa einen Vodka-O nach dem anderen rein. In einer guten halben Stunde drei Stück. Ob er der Zielgruppe des Herstellers entspricht? Auf dem Etikett des Mischgetränks sind saftige Früchte, knackige Mädels und ein Palmenstrand abgebildet. Beim Blick aus dem beschlagenen Busfenster sehe ich das Gegenteil. Schneematsch, kahle Birkenwälder und hier und da vermummte, am Straßenrand herumstehende Menschen. Der Anblick der beiden Gegensätze brennt sich in mein Gedächnis.
Der Minibus stoppt auf Handzeichen bzw. Benachrichtigung. Da wir keinen Plan haben, steigen wir einfach irgendwo aus und gehen Richtung Ostsee. In die Richtung, in der das Meer liegen muss. Volltreffer! Durch den Dünengürtel schlängelt sich ein Pfad und wir erreichen den kilometerlangen (32!), feinen Sandstrand am Rigaer Meerbusen.
Im Sommer
ist hier die Hölle los, heute gibt es außer uns nur wenige Spaziergänger.
Die Luft ist ein Traum, das Ostseewasser herrlich klar. Ein idealer Familienstrand,
perfekt für kleine Kinder, denn es geht sehr flach hinein.
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Auf der Fahrt zurück nach Riga steigen wir in einem Einkaufszentrum (Tirdznieci-Bas Centrs Spice, Lielirbes Iela 29) aus, erledigen die Einkäufe und sind erschlagen vom vielfältigen Sortiment, besonders von dem des Hypermarkets (Rimi Hipermarkets). Und von der Vielzahl an verschiedenen Fachgeschäften, Restaurants, Boutiquen und Apotheken. Wir versacken prompt wesentlich länger, als vorgesehen. Zurück im Hotel heißt es als erstes wieder Füße und Beine hoch, das Vollbad (mit Fußbodenheizung) nutzen und entspannen, bevor wir zur zweiten Partynacht in Riga durchstarten. |
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Heute wollen wir uns dem Disco Klub Akvarijs zuwenden, der weit außerhalb des Zentrums liegt. Wir hoffen, dass der Laden relativ unverdorben und (sex-)touristenfrei ist; die Lage jedenfalls läßt es uns erwarten. Zuvor jedoch machen wir die obligatorische Pre-Party in der Junior Suite. Der Balkon hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt, das Wlan läuft auf Hochtouren. Wir hören Mucke, sabbeln und bereiten uns vor. Gut gelaunt ordern wir gegen Mitternacht ein Taxi und lassen uns zur Diskothek Akvarijs chauffieren. Kostet sechs Lats, für ungefähr sieben Kilometer. Leider weiß der Fahrer nicht so recht, wo die Disco gelegen ist und verfranst sich anfangs. Über Funk läßt er sich dann lotsen und bringt uns in ein Plattenbaugebiet. |
Im Keller eines schäbigen Hochhauses befindet sich der Klub Akvarijs, von außen nur durch eine beleuchtete Treppe und ein paar herumhängende rauchende Partygänger erkennbar. In Lettland herrscht generelles Rauchverbot in Lokalen. Nitusz und ich betreten die Location und stellen fest, dass es hier tatsächlich keine Touris gibt. Letten wohl auch kaum, es ist ganz klar eine russisch geprägte Disco. Erkennt man sofort, an den Gästen und der Musik. Der DJ sabbelt auch ausnahmslos auf russisch dazwischen. Die Getränkepreise an der Bar sind unverschämt. Der Türsteher gibt uns zu verstehen, dass wir mit dem Stempel auf der Handfläche wieder eingelassen werden, also machen wir uns auf den Weg zu einer Tankstelle. Bier wird nicht mehr verkauft. Rein in den Hypermarkt, Tesco: auch hier wird kein Bier mehr verkauft. Aber die Gaststätte im EKZ hat noch auf, da gibt es noch bis zwei Uhr lettisches Bier vom Faß, für unschlagbar günstige 1,20 Lats. Für den halben Liter, versteht sich. Wir setzen uns, das Lokal gefällt uns. Mit der russischen Kellnerin, schätzungsweise 25 Jahre alt, kommen wir ins Gespräch. Holen uns Insider-Info bezüglich des Rigaer Nachtlebens und befragen sie nach dem Alltag in Riga. Interessant, interessant.
Zurück im Akvarijs hängen wir eine Weile herum, so klasse wie erwartet ist es hier nicht. Um vier Uhr treten wir die Heimfahrt an. Festpreis: fünf Lats. Verhandeln verlernt man nicht.
Tag3, Samstag
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Im Tirdznieci-Bas Centrs Spice kennen wir uns bereits einigermaßen aus. Können also durchdacht und planvoll das ganze EKZ nach einer neuen Handtasche absuchen. Nicht für mich, auch wenn einige Wanderer auf dem Weg zur Schneekoppe das durchaus vermuten könnten. Nitusz wird fündig. Ich auch, aber erst im Rimi Hipermarket. Die Getränkeauswahl ist schon astrein, da kann man nichts sagen. Einige ukrainische und russische Köstlichkeiten landen im überdimensionierten Einkaufswagen. Im Supermarkt-Restaurant essen wir zu Abend und machen uns gegen 17h wieder auf den Weg ins Hotel. |
| Im Centrum Monika Riga angekommen hauen wir uns eine Weile aufs Ohr, lassen es gemütlich angehen. Langsam, aber sicher nehmen wir jedoch Fahrt auf. Und entwickeln eine optimale Samstag-Nacht-In-Riga-Stimmung. Zur Geisterstunde latschen wir los, in die Brivibas Iela. Dort befindet sich eine russisch geprägte Stadtdisco namens Hot Rio. Sie ist unser heutiges Partyziel. Ein Ziel, das sich lohnt. Gute Musik, nettes Publikum, moderate Preise. Anekdote am Rande: ich gebe dem Typen an der Bar aus Versehen einen 10,- Zloty-Schein anstelle des 10,- Lat-Scheins. Er weist mich auf den Irrtum hin, auf russisch. Ich entschuldige mich auf polnisch. Der Typ hält mich für einen Polen, schüttelt mir die Hände und freut sich. Er meint, er fände Polen supergeil. Bingo! Gut für mich. Im weiteren Verlauf der Nacht bilden sich lange Schlangen am unterbesetzten Tresen, alle müssen warten, außer Tomasz. Ich werde, sobald mein neuer Freund mich erspäht, sofort lächelnd und smalltalkend bedient. Im Hot Rio gefällt es uns beiden ausgezeichnet! Wirklich eine Super-Location. Tipp! |
Tag4, Sonntag
Das Frühstücksbuffet im Hotel Centrum Monika zu Riga ist definitiv ´ne tolle Sache. Anders ist es nicht zu erklären, dass es uns schon wieder gelingt, es mitzunehmen. Nach dem Gaumenschmaus braucht man dann bis zum Abend nichts mehr. Hält die Reisekosten niedrig, deshalb emfinde ich das Frühstück stets als wichtigen Bestandteil der Übernachtung.
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Allerdings legen wir uns danach gleich wieder hin. Halten ausgiebig Siesta. Die drei vorangegangenen Partynächte haben Spuren hinterlassen. Läßt sich leider nicht leugnen. Man wird halt nicht jünger. Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang an die Daugava.Von dort aus in die Altstadt. Dort gehen wir essen.
Im Steiku Haoss
(deutsch: Steak Chaos) in der Meisteru Iela. |
Das Steak Haus ist gemütlich
eingerichtet, das Personal extrem serviceorientiert. Kaum betreten wir das Restaurant,
kümmert sich eine permanent lächelnde Empfangsdame um uns und geleitet
uns an einen freien Tisch nach Wahl. Dort übergibt sie uns an eine ebenfalls
freundlich lächelnde, hübsche Bedienung. Die hält erstmal einen
Smalltalk mit uns und ist während des gesamten Besuchs die Aufmerksamkeit
ins Person.
Hier gibt es klare Regeln. "Der Gast ist König!" ist eine davon.
Leider ist das Essen
nicht nur sehr teuer, sondern auch von mieser Qualität. Mein Steak ist
sehnig und zäh wie Leder, Nitusz Pasta verkocht und ungewürzt. Der
Name Steak Chaos scheint Programm zu sein. Vielleicht hatten wir einfach nur
Pech, wiederkommen werden wir auf gar keinen Fall.
Wesentlich empfehlenswerter sind da die Schnellrestaurants namens Pelmeni XL. Dort gibt es, wie es der Name vermuten läßt, viele verschiedene Sorten Pelmeni. Dazu passende Saucen und Beilagen. Zu raisonablen Preisen. Frisch und lecker, einfach und gut!
Zurück im Hotel ärgern wir uns über das Fernsehprogramm. RTL zeigt King Kong. Wie schlecht ist der Film, bitte? Da hilft nur abschalten.
Tag5, Montag
Die Angestellte versteckt sich, mörderisch gelangweilt, hinter ihrem Tresen und glotzt teilnahmslos durch mich hindurch, als ich sie auf englisch anspreche. Mürrisch teilt sie mir mit, an welchen PC wir uns setzen dürfen und schreibt SMS-Romane mit ihrem LG-Prada-Handy. Sie wäre vermutlich lieber auf dem Laufsteg als in diesem lichtarmen Loch voller brummender Computer, aber das ist nicht mein Problem. Zumindest sollte das nicht mein Problem sein. Ist es aber, denn sie hat keinen Bock, mir zu zeigen, wie man hier vernünftig ausdrucken kann. Arrogante, pissig-langweilige Zicke. Widerwillig bequemt sie sich dann doch demonstrativ aufstöhnend zu uns, beugt sich zu Nitusz und textet sie auf russisch voll. Wundert sich, dass Nitusz das nicht versteht und dreht sich dann wieder zu mir. Englisch kann sie zwar nicht so gut wie Make Up auflegen und Parfum auftragen, aber es reicht. Das Problem ist gelöst, nachdem sie ein paar Tasten gedrückt und ihr Handy dafür zum ersten mal seit Betreten des Cyber Cafés aus der Hand gelegt hat. Der Drucker hinter ihrem Tresen zeigt, dass er funktioniert und sie verschwindet wieder an ihren Stammplatz. Und vergißt ihr Handy bei uns. Der Web Check In ist erledigt, die Boardingpässe sind ausgedruckt, wir können gehen. Vorher müssen natürlich vorher noch zahlen und ihr das Handy zurückgeben. Damit erobern wir sofort ihr Herz. Als wir ihr das schwarze, glänzende Designerstück über die Theke schieben, wird sie bleich. Man sieht den Stein von ihrem Herzen fallen. Sie strahlt uns an und bedankt sich überschwenglich für unsere Ehrlichkeit. Plötzlich sieht sie ganz anders aus. Sympathisch, attraktiv, nett, lieb, freundlich. Was ein ehrliches, herzhaftes Lächeln nicht alles ausmacht.
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In der Nähe des Bahnhofs befindet sich der Zentralmarkt Rigas, der Centraltirgus. Angeblich eine echte Attraktion, ein touristisches Pflichtziel. Also nehmen wir ihn genauer unter die Lupe. In und um den großen Hallen herum kann man fast alles kaufen, was man sich vorstellen kann. Leider herrscht in den Hallen striktes Fotografierverbot. Die Preise sind wesentlich niedriger als in den Kiosken und Supermärkten. Nach einer Runde durch die Hallen gehen wir zum Ticketschalter der lettischen Bahn. |
Ich bestelle zwei Aller-Retour-Tickets in die Stadt Jelgava, älteren Semestern vermutlich bekannter unter dem deutschen Namen Mitau. Insgesamt 3,60 Lats fließen in die Kasse des Staatsunternehmens. Umgerechnet also circa 5,- Euro. Das nenne ich günstig.
Hemmungslose Saufgelage in der Stadt, sexuelle Belästigung der einheimischen Mädels und Überheblichkeit bestimmen das in den lettischen Medien verbreitete Bild über die Ladungen der Billigflieger, die den Rigaer Flughafen ansteuern. Vermutlich zu Recht. Zumindest haben wir das von verschiedenen Quellen bestätigt bekommen. A propos Saufgelage in der Stadt: in Riga ist der Konsum alkolischer Getränke auf öffentlichen Plätzen verboten. Delikte werden hart verfolgt und mit hohen Strafen geahndet.
Die Zugfahrt nach Jelgava findet in einem modernen Triebwagen statt und dauert ungefähr eine Stunde. Im Inneren des Wagens kommt uns beiden irgendwas verdammt seltsam vor, wir wissen zunächst bloß nicht, was. Hier stimmt was nicht. Dann fällt es uns auf. Der Wagen ist viel breiter als die in Westeuropa. Klar, logisch, die haben schließlich eine andere Spurbreite als wir. In einem Comic würden jetzt Glühbirnen über unseren Köpfen aufleuchten.
| In Jelgava angekommen verlassen
wir den Bahnhof und stehen vor einem großen, ausgestorbenen Park mit
Heldenstatue. Außer einem Narvesen-Kiosk gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten.
Gar keine. Jeden Moment könnte eine Wüstenrose gemächlich
über den Bahnhofsvorplatz wehen. Tote Hose hoch zehn. Und vom Zentrum
fehlt jede Spur. Einen Stadtplan gibt es hier auch nicht, also latschen
wir einfach mal der Nase nach los in die vermutete Richtung. Dass Jelgava
hinter Riga, Daugava und Liepaja die viertgrößte Stadt des Landes
mit immerhin über 65.000 Einwohnern sein soll, kann ich mir beim besten
Willen nicht vorstellen. Hier geht überhaupt nichts. |
In welche Richtung soll ich gehen? Ich lasse das Glücksrad entscheiden und steige in den erstbesten stadtauswärts fahrenden Bus. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten und ich bin an der Endstation. Wenige Meter entfernt ist ein Einkaufszentrum. Hin da, Proviant kaufen. Heineken, original Brauereiabfüllung (Zouterwoude) ist im Angebot, kostet nur 0,6 Lats. Da greife ich gern zu.
Nun fehlt nur noch ein gescheiter Asselplatz. Sieh an, ein metallener Zaun mit einer kleinen Lücke. Dahinter eine brachliegende, offenbar ehemals industriell oder zumindest gewerblich genutzte Fläche. Volltreffer, ich äuge vorsichtig durch die Lücke nach links, geradeaus und nach rechts und erspähe einen stillgelegten Güterbahnhof. Durch die Lücke passe ich durch, also betrete ich das unbekannte, auf den ersten Blick zugegebenermaßen etwas unbehagliche Terrain.
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Hier läßt´s sich aushalten! Ungestört und in bester Laune fülle ich in Rekordzeit etliche Seiten mit Leben. Einzig die eisigen Temperaturen machen mir und dem Schreibfluss zu schaffen. |
Zurück im Hotel Centrum Monika nehme ich erstmal ein heißes Bad, taue langsam wieder auf. Nitusz und ich spazieren durch die Straßen, nach einer Pivnice à la Tschechien Ausschau haltend. Erfolglos. Landen letzten Endes in einem Bierrestaurant namens "Alus Seta". Rustikal eingerichtet, vier verschiedene Sorten Lettisches Bier plus Cider vom Fass, Preis pro halbem Liter: 1,80 Lats. Essen kann man da auch. Man bedient sich an einem Buffet, gezahlt wird nach Gewicht. Billig ist es nicht. Was soll´s, wir setzen uns und spielen Karten. Die Geräuschkulisse ist abtörnend. Um uns herum grölen jugendliche Trunkenbolde, vermutlich auf Partytour in Riga, um die Wette bzw. um die Gunst der zugehörigen Weibsbilder. Es gibt keinen einzigen einheimischen Gast, das stimmt uns nachdenklich. Sind wir also wieder mal in einer Touristenfalle gelandet, wie zuvor im Steak Haoss.
Mit einer Kneipe tschechischen Stils hat das ganze nichts zu tun. Die um Authentität bemühte rustikale Kneipe fällt im Test gnadenlos durch, zumal das Bier schlecht gezapft und miesepetrig überreicht wird. Abflug! Alt werden wir nicht.
Dienstag, Tag6
Der Flieger nach Bremen hat zwei Stunden Verspätung. In Bremen steht der Wagen noch genau so da, wie wie wir abgestellt hatten. Abends sind wir daheim, mit einem tollen Kurzurlaub und etlichen neuen Erfahrungen und Eindrücken im Gepäck. Die Aktion hat sich gelohnt!