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Tag4

Strahlender Sonnenschein läßt uns mit nicht für möglich gehaltener Leichtigkeit aus dem Focus hüpfen. Kaum stehe ich im Schlüpper am Kofferraum, um mir ´ne kurze Hose zu angeln, geht natürlich hinter mir eine Gartentür auf und eine Mutti starrt mich an. Das nenne ich mal ein perfektes Timing.
Die Reaktion der Anwohnerin ist diskret. Ein kurzer, musternder Blick, das war es dann auch. Kein Tra-Ra, keine dummen Fragen. So lieben wir es.
Wir sind ihr also vollkommen egal. Liberale, entspannte Anwohner sind sehr wichtig bei derartigen Autopennaktionen in besiedelten Gegenden.

Samstagmorgen in Newry.

Das geschäftige Treiben in der immerhin drittgrößten Stadt Nordirlands zieht uns in die Einkaufsstraßen und hey, wir schaffen es sogar, Briefmarken zu besorgen und ein paar Postkarten zu verschicken.

Kirche im Stadtzentrum von Newry Newry, Zentrum Newry Newry

Newry, Rush Hour

Newry gefällt uns sehr. Nette Menschen, angenehme Atmosphäre, britisches Flair. Auffällig ist die erlesene Höflichkeit der Leute, an dem positiven Vorurteil gegenüber den Bewohnern der britischen Inseln ist also definitiv etwas dran. Sowieso können wir von der Bevölkerung Irlands nur gutes berichten. Sehr sympathische Kultur, die hier gepflegt wird.

Von den Schattenseiten der Geschichte sehen wir in Newry nur sehr vereinzelt etwas. Wenn, dann lediglich in Form besprühter Häuserfassaden. Info über die Partei "Sinn Féin".

Gegen Mittag fahren wir Richtung Dublin. Kurz vor der Grenze ein kleiner Wegweiser: Clontygora Court Grave. Klingt interessant, aber ich will weiter, so früh wie möglich in Dublin sein. Buzz bäumt sich glücklicherweise auf und rebelliert. Mit Erfolg.

Kurz vor der irisch- nordirischen "Grenze" steht das kleine, braune Hinweisschild am linken Fahrbahnrand. Einfach der Beschilderung folgen und ihr stolpert förmlich sowohl über den Aussichtspunkt, den Flagstaff Viewing Point, als auch über das Clontygora Court Grave.

Der Abstecher lohnt ungemein!

Clontygora Court Grave Clontygora Court Grave Buzz am Clontygora Court Grave Clontygora Court Grave
Flagstaff Viewpoint Buzz am Flagstaff Viewpoint Tomasz am Flagstaff Viewpoint; im Hintergrund der Carlingford Lough und die Irische See

Vom Flagstaff Viewing Point hat man einen beeindruckenden Ausblick, sowohl auf die Mourne Mountains als auch auf den Carlingford Lough, auf Warrenpoint und die Irische See.

Auf dem Foto rechts zeigt Tomasz auf die Stadt Newry und den River Clanrye.

Tomasz zeigt auf den River Clanrye und Newry

Flagstaff Viewpoint Informationstafel

Woher stammt der Name Flagstaff Viewing Point? Früher, so die aufgestellte Informationstafel, hingen hier ein paar Leute herum, die die Meeresbucht Carlingford Lough beobachteten. Sobald sich ein Schiff näherte, schwangen sie ihre Flaggen und informierten so die Leute im Tal, das da etwas herumschwimmt. Warum? Wird nicht erwähnt. Könnte mir durchaus vorstellen, dass der Flagstaff Viewing Point eine Institution krummer Hunde war, um es moderat zu formulieren.

Du weißt mehr? Schick mir ´ne mail!

Blick auf den Carlingford Lough und Warrenpoint

Die Landschaft ist hier besonders lieblich. Das Wetter wie immer rau und herzlos. Man weiß nie, was in den nächsten Minuten passiert. Und so wechseln sich während des einstündigen Aufenthalts mehrfach Sonne und Regen ab.

Während der Fahrt nach Dublin wird das Wetter immer mieser. Uns fällt auf, dass die Dichte des Tankstellennetzes nicht ansatzweise mit der in Deutschland mithalten kann und dass der Sprit in der Republik Irland deutlich billiger ist als bei uns. Und als in Nordirland. Und so ist die Tanke direkt hinter der "Grenze" voller Karossen mit GB-Kennzeichen.

Landschaft in der Nähe des Flagstaff Viewpoints

Um in das Zentrum Dublins hervordringen zu können, müssen wir uns zunächst durch einen ätzenden Stau kämpfen. Nervig! Unterdessen spähe ich schon in alle Richtungen, einen Übernachtungsplatz suchend. Kein Erfolg. Wir kurven durch diverse Wohngebiete in Innenstadtnähe, finden aber nichts. Erfolgversprechender sieht da ein sehr gut gelegener Büroparkplatz an einem Stadtpark aus. Leider wissen wir nicht mehr, wie der besagte Park heißt. Egal, der vermeintlich astreine Platz entpuppt sich nach einem Informationsgespräch mit einem Taxifahrer eh als gefährliche Mogelpackung, als Wolf im Schafspelz.

Buzz und ich haben den Wagen von innen so hergerichtet, dass er für streunende Junkies und Gesocks möglichst uninteressant aussieht, uns frisch gemacht und die Tasche für die ausgiebige Stadtvisite gepackt, als ich am Parkscheinautomat verzweifle. Es ist 15:45 Uhr, bis 18 Uhr ist der Platz gebührenpflichtig. 3 Euro pro Stunde. Ich stecke 6 Euro in den Kasten und sehe auf dem Display, das ich somit bis 17:58 bezahlt habe. "Hmm. Wenn der Kontroletti nun ein Arsch ist, könnten genau die zwei Minuten entscheidend sein. Also warte ich noch zwei Minuten, schmeiß die Euronen dann rein und bin auf der sicheren Seite. Also den Vorgang erstmal abbrechen!", denke ich.

Gesagt, getan.

Nur leider kommt meine Kohle nicht wieder zu Vorschein. Verdammt. Irgendwelche Penner haben mit einem Kuhfuß den Automaten kaputt gemacht. Und das trotz allgegenwärtiger Videokameras. Dreist. Kein gutes Zeichen. Der Taxifahrer sieht und hört, wie ich am Parkscheinautomaten rüttle und diesem eine umfangreiche Sammlung miesester deutscher Flüche und Beleidigungen ans Display werfe. "Tja, ist halt ´ne miese Gegend. Dublin wird immer abgefuckter. Dein Geld kannst du Dir abschminken, da waren Automatenknacker am Werk.", sagt der Taxifahrer zu mir. "Na toll. Wie sieht es denn insgesamt aus hier? Kriminalitätstechnisch, meine ich. Kann man seinen PKW hier über Nacht abstellen?", frage ich bei der Gelegenheit. Der Fahrer erklärt mich daraufhin für vollkommen weltfremd und durchgeknallt, für wahnsinnig gar. Alleine die Frage… von wo ich denn bitte käme, will er wissen. Es sei viel zu gefährlich. Überall in der Stadt werden laufend Autos aufgebrochen und leer geräumt. Von Überfall und Raub ganz zu schweigen. Na und da wird mir klar, dass sich das mit der Übernachtung im Auto wohl erledigt hat.

Das "Haus" im "Haus" -oder anders formuliert: der Focus im Parkhaus im Herzen Dublins...

In einem Hotel um die Ecke frage ich also nach dem Preis für ein Doppelzimmer. Die Antwort kommt wie eine schallende Ohrfeige. 210 Euro. Nein danke, das übersteigt wirklich unser Budget. Zumal die Herberge ziemlich abgeranzt ausschaut.
In einem weiteren Hotel nennt man mir einen ähnlichen Preis.
Buzz und ich entscheiden uns nach kurzem Hickhack, den Wagen im wie Fort Knox gesicherten Parkhaus abzustellen und dort zu nächtigen.

Blick aus dem Parkhaus, Dublin Weiterer Blick aus dem Parkhaus, Dublin

Der Übernachtungspreis kommt unserem Budget entgegen. Spezialtarif: 9,- Euro bis Sonntagmittag. Bingo.

Das Wetter jedoch kommt uns partout nicht entgegen. Kaum haben wir das Parkhaus verlassen, kaum stürzen wir uns in den urbanen Großstadtdschungel, fängt es wieder an zu, na was schon? Richtig! Zu pissen! Im überdachten Einkaufszentrum entgehen wir dem Guss und stellen fest, dass Dublin nicht unbedingt die Shoppingmetropole Nummer eins darstellt. Junge, die Preise haben es in sich, da schlackern einem die Ohren. Der Gang durch die Fußgängerzone ist wie überall in Europa. Eine Einkaufsstraße ist wie die andere. Globalisierung, yeah!

Mehr oder minder zufällig entdecken wir die Statue zu Ehren von Molly Malone. Die gute Frau ist übrigens, dies sei am Rande bemerkt, die Namensgeberin der
Musikkneipe mit der drehenden Bar/ Tanzfläche in Groningen
, in der Poelestraat. Vorbei an den wichtigsten Bauwerken der Stadt nähern wir uns dem Vergnügungsviertel Temple Bar und dem River Liffey.

Molly Malone, Tomasz und Buzz
Dubliner Bronx Shaw trinkt Cider
Traurig aber wahr...

Einer Baustelle am River Liffey verdanken wir einen netten Asselplatz mit guter Aussicht. Kaum stellen wir uns in Position, fängt es an, Hunde und Katzen zu regnen. Man, ist das ätzend. Die Besichtigung der irischen Hauptstadt ist getrübt von den lausigen Wetterverhältnissen. Trocken ist es zu keinem Zeitpunkt, mindestens Nieselregen ist permanenter Begleiter und so weichen wir kräftig durch, ehe wir uns dazu durchringen können, an einer Apotheke Regenschirme zu kaufen.

Pubs in Dublin Pubs in Dublin
River Liffey, Dublin River Liffey, Dublin Guter Kauf! Es gibt kein schlechtes Wetter, nur... ja ja! Trotz der Regenschirme müssen wir uns, da bereits vollkommen durchnäßt, für einen Augenblick dem Schietwetter entziehen und betreten einen halbwegs authentisch aussehenden Pub.

Na, da wollen wir uns mal jeder ein Guiness vom Fass bestellen. Jenes Getränk, worauf die eingeschworene Gemeinde der Irlandfans, nachfolgend "Guiness-Esel" genannt, so abfährt. Preislich bewegen wir uns in dieser Kneipe in einem moderaten Rahmen, für zwei Pints zahlen wir 8,40 Euro. Aber was an dem Gesöff nun so geil sein soll, will Buzz und mir nicht einleuchten. Klar, das man Gefallen an der Pubkultur finden kann, ist verständlich. Die Atmosphäre in einem irischen Pub ist schon nicht schlecht, aber wer mal in Tschechien einen Pivnicebummel machen durfte, wird nicht gerade Begeisterungsstürme von sich geben. In Tschechien schmeckt das Bier besser. Für den Preis eines Pints bekommt man in Tschechien, in den richtigen Gegenden zumindest, sieben-acht Halbe. Tschechien ist näher dran. Was fehlt, ist wohl der Craic, den wir hier allerdings nicht ausfindig machen können. Nach einer halben Stunde machen wir uns wieder auf die Socken. Zum Auto, stylen und so.

Dann wieder per Pedes zum Temple Bar District und rein in den bekanntesten Nightclub der Stadt, den M-Club. Was soll ich sagen, der M-Club ist in erster Linie arschteuer, 15,- Euro pro Nase Eintritt. In zweiter Linie stimmungstechnisch einfach nur dick!

Hier geht´s zu einer genaueren Bewertung des M-Clubs zu Dublin.

Viel zu früh, um Punkt drei Uhr, ist schon wieder Schicht. Sperrstunde. Kennen wir schon von Newry, okay. Aber das die Sperrstunde auch in der Hauptstadt Dublin bereits um drei Uhr in der Früh sämtliches Nachtleben erstickt, hätten wir nicht unbedingt erwartet, schon gar nicht in einer solchen Konsequenz. Nun gut, daran läßt sich ja nichts ändern, also fügen wir uns dem Schicksal, wie alle anderen Nachteulen auch.

Wenigstens kommen wir auf die Weise recht zeitig im Dreamland an. Das Personal des Parkhauses nimmt keinerlei Notiz von uns, fein! Einer entspannten Nacht steht somit nichts im Wege... .

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