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Tag3

Ein verschlafener Blick durch die Windschutzscheibe sagt uns: heute ist Premiere!

Die Sonne lacht uns vom strahlend blauen, wolkenlosen Himmel entgegen und erleichtert uns das Herausschälen aus den ziemlich unbequemen Focus-Sitzen.

Wir sind mächtig verspannt, vermutlich das Resultat des gestrigen Tages mit all dem Regen, dem Wind und den Aktivitäten.

Übernachtungsplatz an der Antrim Coast, Dunseverick Harbour Buzz ist unfit!

Über Nacht ist es mir gelungen, die drohende Erkrankung abzuschütteln, ich bin recht fit, was mich selbst wundert. Buzz dagegen ist sichtlich durch. Erstmal stärken lautet die Devise.

Wir steuern die Murlough Bay an, die wenige Km hinter Ballycastle liegt und zu den schönsten Buchten Nordirlands gezählt wird. Bei der Fahrt durch Ballycastle sehen wir die Fähre nach Rathlin Island. Auf eine Überfahrt müssen wir aus Zeitgründen leider verzichten. Die Hafenstadt selbst sieht uninteressant und öde aus. Alles andere als öde hingegen die Abfahrt an die felsige Atlantikküste der Murlough Bay.

Ein anderer Wagen darf uns nicht entgegenkommen. Die schmale, aber größtenteils gut asphaltierte Straße, die etliche Höhenmeter serpentinenhaft überwindet, ist eine spannende Erfahrung durch und durch.

Murlough Bay Murlough Bay

Unten angekommen blicken wir einmal über den Teich direkt auf die schottische Küste, genauer gesagt auf die vorgelagerte Insel Kintyre. Zwischen Nordirland und Schottland liegen nur zwanzig Kilometer. Wie gern würden wir den Länderpunkt machen! Keine Chance, keine Zeit, keine Fährverbindung in der Nähe. Okay, vom von Cushendall wiederum zwanzig Kilometer entfernten Larne böte sich die Gelegenheit, nach Stranraer überzusetzen, aber das würde unseren zeitlichen als auch finanziellen Rahmen sprengen.


Epilog:

Natürlich war es eine ausgemachte Eselei, nicht den Umweg via Larne, eine Fährüberfahrt (zu welchem Preis auch immer) und damit einen weiteren Länderpunkt zu machen. Tschulle!
Wir sollten es positiv betrachten. Auf diese Weise wird der Länderpunkt Schottalnd wohl erst durch ein verlängertes Wochenende in Glasgow verbucht werden können.

Und da werden wir wesentlich mehr von haben, als von einem kurzen Aufenthalt auf einer schottischen Insel am Arsch der Welt. Zumindest hoffen wir das.


Während des Frühstücks, wie immer Sandwichtoast mit Kochschinken und Frischkäse, fallen die ersten Tropfen. Wie krass! Vor einer Stunde keine Wolke in Sicht, nun mittelstarke Regengüsse.

Nach dem Frühstück cruisen wir über die wunderschöne Panoramastrasse Richtung Belfast. Kurz vor Antrim bemerke ich, dass Buzz immer bescheuerter Auto fährt. Wir schrabben nur knapp an den Kantsteinen vorbei und er legt Verhaltensmuster an den Tag, die ich so nicht von ihm kenne. Unter anderem beschimpft er lautstark andere Verkehrsteilnehmer und brüllt herum: „Nein! Fahren Sie weiter! Nein! Nein! Hau ab Du! Fahr weiter!“. Geheuer ist mir das nicht und Buzz gibt auch zu, völlig neben der Spur zu sein. In Antrim halten wir also an und fragen an der Touristen-Information nach einem Schwimmbad. Ja, es gibt eins, im Antrim Forum. Hin da.

Antrim, near Belfast, Northern Ireland Buzz leidet und wünscht sich "Health"! Antrim

Langweiliges Bad, aber immerhin dürfen wir mit den Shorts rein und erzeugen nicht ein solches Aufsehen wie 2001 in Liège. In Liège enterten wir nichts ahnend die Schwimmhalle. In Shorts und mit einem kleinen Gummiball in der Hand. Kennt ihr das Kinderspiel „Stipp-Stopp“? Als wir hereinkamen, war plötzlich „Stopp“ angesagt. Alle anderen Badegäste erstarrten und gafften uns sprachlos mit offenen Mündern und weit aufgerissenen Augen an. Der Bademeister beendete die Stille und stieß einen gellenden Pfiff aus seiner Pfeife und motze uns lautstark an. Wir hatten gegen so ziemlich alle Hausregeln auf einmal verstoßen.

1. Badekappenpflicht!
2. Ballspielverbot!
3. Zutritt nur in korrekter Badekleidung!
4. Kein Lärm!

Im Antrim Forum ist alles so, wie wir es von zuhause gewohnt sind.

Abgesehen von der Überwachung des Kinderbeckens vielleicht. Die Bademeisterin darf sich anscheinend nicht hinsetzen, sondern muss permanent um das Becken marschieren. Nach zwanzig Runden wird sie dann von ihrer Kollegin abgelöst. Und die Kollegin dann von einem Kollegen. Und dann ist wieder die erstgenannte Dame an der Reihe. Haben uns nicht getraut zu fragen, was der Quatsch soll, zumal wir außer einem stolzen Dad samt kleiner Tochter die einzigen im Becken sind. Wenigstens können wir unser Dauergrinsen einigermaßen verbergen.

Antrim Forum- Fitness and Fun - for everyone!!!

Nach dem Bad bin ich endgültig über den Berg, was die am Vortag aufgekeimte Krankheit betrifft. Buzz jedoch leidet. Fortan bin ich der Fahrer! In Belfast suchen wir nach einem geeigneten Pennplatz und finden keinen.

Zufällig kommen wir an dem mehr oder weniger berühmten Pub namens "The Crown" vorbei.

Sieht nett, aber kostspielig aus. Typisch Zentrum.

Vorglühen wollen wir ja ohnehin in den Suburbs der nordirischen Kapitale und nicht im Zentrum.

Belfast Zentrum Publife in Belfast Bronx von Belfast Grenze in Belfast

Daraus wird leider nichts. Abseits des Zentrums sehen die Viertel nicht sehr einladend aus. Und die überwachten Parkplätze schließen alle über Nacht, sind für uns als Discogänger also leider ungeeignet. Fazit: wir können aus finanziellen Gründen leider nicht in der nordirischen Hauptstadt bleiben sondern müssen uns eine andere Stadt als Revier für die gerade in Britannien berühmt-berüchtigte "Fridaynight" suchen.

Bronx von Belfast

Nach zweistündigem Herumfahren durch die nordirische Hauptstadt und der Erkenntnis, dass Belfast noch immer ein heißes Pflaster ist, schmeißen wir entnervt das Handtuch. Bei einem Pinkelstopp landen wir zufälligerweise, quasi zur Unterstreichung des unguten Gefühls, in der totalen Bronx. Direkt an der Grenzmauer, die Protestanten und Katholiken voneinander fernhält. Die Mauer ist von Stacheldraht überzogen und mit Graffiti bekritzelt. Überall finden sich Scherben. Im Autopennen kann man hier ganz klar vergessen!
Die stadtauswärts führende Schnellstraße wird von Fußgängerbrücken überspannt, die wie Metallkäfige gestaltet sind. Endzeitstimmung!
Sonny Mc Winds Heimatstadt ist ein wahrlich heißes Pflaster.

Wir entscheiden uns dafür, die Nacht in Newry zu verbringen. In der Stadt, die uns schon auf der Hinfahrt so gut gefallen hat. Auf der Fahrt dahin pennt Buzz sich gesund. Nach dem Lidl-Einkauf, ein paar Stullen, ´ner Vitaminschelle und mehreren Litern Wasser ist er wieder auf Betriebstemperatur. Nun brauchen wir nur noch einen Pennplatz. Auch hier gestaltet sich die Suche ausgesprochen schwierig. Es gibt kaum Parkbuchten, die Straßen sind eng, steil und meist außerordentlich stark frequentiert.

Nach einstündiger Gurkerei erspähen wir schließlich doch noch einen.

Schlafplatz in Newry

Die Hüpferlitasche ist rasch gepackt, die Stimmung gut, der Abend noch jung.

Jetzt brauchen nur noch einen gepflegten Abasselplatz. Schwierige Aufgabe, denn der Konsum alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit wird mit einem Bußgeld von bis zu 100,- Pfund geahndet.

Das Verbot findet meines Wissens übrigens in allen nordirischen Städten Anwendung, wobei die Höhe der Strafgelder variieren. In Newcastle, dem beliebten nordirischen Ferienort an der Irischen See z.B. käme einem die Idee, am herrlichen Sandstrand eine Dose Bier zu zischen, schlimmstenfalls wesentlich teurer zu stehen: das Bußgeld beträgt dort satte 500,- Pfund.

Alkoholverbot!

Herausreden ist zudem nicht möglich, da überall entsprechende Hinweisschilder aufgestellt sind.

Die Suche nach einem geeigneten Platz für die Vorglühsession wird zudem dadurch erschwert, dass Big Brother permanent zuguckt. Überall sind Kameras installiert, der Überwachungsstaat hat in Nordirland erschreckende Dimensionen angenommen.

Newry, Wohnviertel Newry, Wohnviertel Newry, Kirche

Nun wären Buzz und Tomasz nicht Buzz und Tomasz, fänden wir keinen Asselplatz.

Nach langer Latscherei und einer im Laufe der Jahre angeeigneten Portion Dreistigkeit, gepaart mit entsprechendem Instinkt, entdecken wir einen Platz am River Clanrye.

Newry, Pichelplatz am Clanrye Clanrye River, Newry Buzz und das andere Partyfass The Quay´s

In einer gesperrten Sackgasse, mit ´nem brachliegenden Industrieterrain und einem Drahtzaun im Nacken und dem Einkaufszentrum namens "The Quay´s" am gegenüberliegenden Ufer.

Keine Kameras, keine Passanten, kein unmittelbarer Verkehr, Sitzgelegenheit in Form zweier Betonbegrenzungen, weiter Blick auf den Fluß und Abstellmöglichkeit für das handimportierte Partyfass -was wollen wir mehr. Während das Fass sich leert und die Sonne untergeht, klettert unsere Stimmung auf den Höhepunkt. Auf dem Weg zum Auto, wo wir all die überflüssigen Sachen bunkern wollen, kommen wir mit zwei Discogängern ins Gespräch, die uns zur Wahl der Location des Abends gratulieren. Wir verabreden uns mit den beiden für später.

Tomasz vor dem Nightclub The Bank, Newry

Zurück im Nightclub The Bank sind wir schwerbegeistert. Toller Laden eigentlich. Eigentlich, weil er viel zu früh dicht macht. So ein Mist. Zu spät! Kacke! Hätten wir das bloß vorher gewusst. In Irland ist das normal, in Nordirland auch. Sperrstunde! Was für ein fieses Wort. Deshalb finden wir auch keine andere Zappelhalle mehr, überall setzt die Sperrstunde ein. Wir unterhalten uns noch mit mehreren Leuten, alle sagen das gleiche. Nichts geht mehr.

So findet die Nacht ein aus unserer Sicht viel zu frühes Ende.

Zurück am Auto drehen wir die Sitze nach hinten, regen uns noch ein Weilchen über die dämliche Sperrstunde auf und reisen ins Dreamland.

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