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Tag2, Donnerstag
Die Nacht war erholsam, aber dennoch zu kalt und zu kurz. Entsprechend mühsam sortieren wir unsere Knochen, räumen den Ford Focus auf und packen unsere Frühstückssachen zusammen.
Fasziniert lassen wir die Umgebung, die Hochebene rund um das Spelga Reservoir herum, die wir nun im Tageslicht bewundern können, auf uns wirken. Die Landschaft ist beeindruckend; abweisend, karg, vom rauen Klima geprägt und trotz aller Tristesse reizvoll und schön.
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Nach Inspektion der unmittelbaren Umgebung machen wir uns auf den Weg Richtung Giant´s Causeway, dem erklärten Ziel und Höhepunkt des gesamten Trips. Unterwegs, bei einem stinknormalen Pinkelstopp irgendwo an der Landstrasse staunen wir erneut, wie berechtigt der Ausdruck "Grüne Insel" bezogen auf Irland doch ist. Sattes grün, wohin man auch schaut. Leider sind die Ursachen dafür für den Touristen nicht gerade angenehm. Nahezu ständig regnet es. Und kaum lässt sich die Sonne blicken, fängt es schon wieder an. |
Kaum geparkt gibt es auch schon etwas zu lachen.
Viel gibt es in dem kleinen Nest nicht zu sehen. Außer netten Wortspielen und einer Strasse, in der sicherlich der ein oder andere Skin liebend gern wohnen würde, hat Armagh eine überschaubare Innenstadt mit ein paar Fachgeschäften, sonst nichts. Zumindest nichts, was unser Interesse weckt.
Also weiter, nach Coleraine. Das Wetter wird immer miserabler, Regen, Wind und keine Besserung in Sicht. Na gut, damit muss man rechnen, wenn man sich für eine Reise nach Irland entscheidet. In Coleraine erledigen wir den Einkauf, decken uns mit dem Nötigsten ein und stellen fest, dass die Preise tatsächlich nicht so hoch sind wie befürchtet.
In Portrush wollen wir, trotz des heftigen Dauerregens, zumindest einen Blick auf den Atlantik werfen. Gesagt getan, stehen wir schon mit den Beinen in den Fluten des klaren, sauberen Ozeans.
Der feine Sandstrand von Portrush sowie der breite Dünengürtel erinnern stark an die dänsiche Nordseeküste in der Jammerbucht, bei Blokhus. Nur, das die Wasserqualität hier natürlich noch um einiges besser ist. Aber abgesehen davon könnte man glatt meinen, seinen Fuß in die Nordsee zu halten, von der Umgebung her. Nach einer halben Stunde klart der Himmel plötzlich auf. Wir schöpfen umgehend neue Motivation, neue Energie und die Hoffnung, dass es für eine Weile so angenehm bleiben könnte. Klare Fehleinschätzung, denn kaum sitzen wir im Auto, regnet es erneut. So schnell wie der Himmel aufklarte, bezieht er sich wieder. Wie schade.
| Am Dunluce
Castle verhindert der Dauerregen eine eingehende Besichtigung. Mehr als ein kurzes um die Mauern glitschen und Beweisfotos schießen ist nicht drin. |
Auf der Küstenstraße fahren wir völlig durchnässt nach Bushmills und folgen den Wegweisern zum Giant´s Causeway Visitors Centre. Vor dem Parkplatz steht ein Typ in Öljacke und verlangt fünf Pfund Parkgebühr. Keine Frage, die sparen wir. Schnell gedreht und weg. Knapp einen Kilometer entfernt einen Gratisparkplatz entdeckt und zufrieden zurück zum Infozentrum gelatscht. Der Regen nimmt ab. Nun heißt es Daumen drücken und auf besseres Wetter hoffen.
Der Zugang zum weltweit einzigartigen Giant´s Causeway (Weltkulturerbe der UNESCO) selbst ist übrigens gratis. Fußfaule bzw. gehandicapte Menschen können sich vom Parkplatz direkt zu den Basaltsäulen chauffieren lassen, und zwar mit dem Causeway Coaster. Pro Nase pro Strecke ist man mit einem Pfund dabei.
Seit der Quinta verfolgen der Giant´s Causeway und seine circa 40.000, meist sechseckigen Säulen mich schon in Gedanken. Grund dafür ist die Präsenz einer doppelseitigen Lektion mit vielen Fotos im ehemaligen Schulbuch des Englischunterrichts. Beim ersten Anblick war mir, damals gerade mal 12 Jahre alt, klar, dass ich den Ort irgendwann besuchen werden würde. Heute, gute 17 Jahre später, ist es soweit. Ich stehe auf den Basaltsäulen und bemerke, dass sich auch vier-, fünf, sieben- und achteckige Exemplare im gemäß Sage von Finn Mc Cool geschaffenen Damm tummeln. Die Sage behauptet folgendes:
Der Riese Finn
Mc Cool wollte sich in Schottland amüsieren und ist dort einmarschiert.
Zuvor hatte er den heute als Giant´s Causeway bezeichneten Damm errichtet,
der ihn bequem und trockenen Fußes auf das andere Ufer bringen sollte.
In Schottland angekommen bemerkte er, dass sein dort ansässiger Gegner,
Benandonner, wesentlich größer und stärker war als er selbst.
Daraufhin floh er zurück nach Irland.
Benandonner verfolgte ihn wenig später. Nun bewiesen Finn Mc Cool und seine
Frau, Oonagh, echte Cleverness. Finn, verkleidet als Baby, legte sich ins Bett.
Als Benandonner am Heim der Mc Cools eintraf, erzählte Oonagh ihm, Finn sei gerade nicht daheim und bat ihn, auf Finn zu warten. In der Wartezeit zeigte sie Benandonner ihr "Baby".
Benandonner machte sich fast in die Hose. Panik total! Er dachte:"Wenn das Baby schon so groß ist, wie groß muss dann erst dessen Vater sein! Nichts wie ab zurück nach Schottland!"
Auf dem Rückweg, zerstörte er den den Damm, damit Finn ihn nicht verfolgen könnte.
Den Nachnamen "Mc Cool" finden wir übrigens extrem lässig!
Und so kommt es, dass wir, obwohl es durchaus möglich gewesen wäre, nicht am Giant´s Causeway übernachten. In unserem rollenden Zuhause, dem Ford Focus von Dan Dooley.
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Am
Auto angekommen zieht Buzz sich den Inhalt einer echt seltsam aussehenden
Flasche Billig-Energy-Drinks rein. Buzz
nimmt einen Killerschluck! Und er empfindet einen Killerbrechreiz! |
Wir statten der in zahlreichen Informationsquellen als absolute Sehenswürdigkeit angepriesenen Hängebrücke, der Carrick-a-Rede Rope Bridge einen Besuch ab.
Am Ende der schmalen, kurvigen Sackgasse starrten uns ein paar in einem Wohnwagen abhängende Fischer an. Sie sagten kein Wort; dennoch war uns klar, den idealen Übernachtungsplatz mit gleichgültigen Anwohnern gefunden zu haben. Bei der Durchquerung von Ballintoy wundern wir uns über die vielen jungen Leute auf der und die zahlreichen Pubs an der Straße. Des Rätsels Lösung: ein Backpackerhostel.
Auf dem großen Rasenparkplatz von Dunseverick Harbour stellen wir den Wagen ab, ziehen uns so viele wärmende Klamottenschichten über wie möglich und klettern in den Klippen, über der tosenden Brandung, herum.
Da gibt es nur eins: Sitze nach hinten, Vitamine schlucken und pennen! Gesagt, getan .