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Tag2, Donnerstag

Die Nacht war erholsam, aber dennoch zu kalt und zu kurz. Entsprechend mühsam sortieren wir unsere Knochen, räumen den Ford Focus auf und packen unsere Frühstückssachen zusammen.

Morgenstund hat Gold im Mund! Pennplatz am Spelga Reservoir, Mourne Mountains, Northern Ireland Quellort? Natrium? Ganz klare Handschrift des großen Pa aus  B´hofen... Spelga Reservoir, Mourne Mountains, Northern Ireland In den Wolken, Mourne Mountains

Fasziniert lassen wir die Umgebung, die Hochebene rund um das Spelga Reservoir herum, die wir nun im Tageslicht bewundern können, auf uns wirken. Die Landschaft ist beeindruckend; abweisend, karg, vom rauen Klima geprägt und trotz aller Tristesse reizvoll und schön.

Buzz am Spelga Reservoir Socken in Sandalen. Wahnsinnig bequem. Sehen aber leider TOTAL scheiße aus! Zufluss des Spelga Reservoirs Spelga Reservoir in den Mourne Mountains Staudamm des Spelga Reservoirs

Nach Inspektion der unmittelbaren Umgebung machen wir uns auf den Weg Richtung Giant´s Causeway, dem erklärten Ziel und Höhepunkt des gesamten Trips. Unterwegs, bei einem stinknormalen Pinkelstopp irgendwo an der Landstrasse staunen wir erneut, wie berechtigt der Ausdruck "Grüne Insel" bezogen auf Irland doch ist. Sattes grün, wohin man auch schaut. Leider sind die Ursachen dafür für den Touristen nicht gerade angenehm. Nahezu ständig regnet es. Und kaum lässt sich die Sonne blicken, fängt es schon wieder an.

"Grüne Insel"

Kaum geparkt gibt es auch schon etwas zu lachen.

Buzz und ich müssen wieder mal schiffen und zögern nicht lange, uns in das öffentliche Pissoir zu begeben. Gents. Hmm. Ladies sind wir nicht, also fühlen wir uns von dem Begriff einfach mal angesprochen. Was haben denn die Stehtoiletten mitten im von außen einsehbaren Foyer zu suchen? Egal. Druck. Raus damit. Gerade so gelingt es mir noch, Buzz davon abzuhalten, volle Kanne ins Waschbecken zu urinieren. Mal ehrlich, das Design und die Anordnung kann jawohl durchaus zu Missverständnissen führen, oder was?

Sind wir Gents? Achtung, Verwechslungsgefahr! Was  hängen die Waschbecken auch auf Pissbeckenhöhe! Und dann das irreführende Design!

Viel gibt es in dem kleinen Nest nicht zu sehen. Außer netten Wortspielen und einer Strasse, in der sicherlich der ein oder andere Skin liebend gern wohnen würde, hat Armagh eine überschaubare Innenstadt mit ein paar Fachgeschäften, sonst nichts. Zumindest nichts, was unser Interesse weckt.

Armagh Nettes Wortspiel Armagh Armagh City Centre Hier würde sicherlich der eine oder andere Skin liebend gern gemeldet sein...

Also weiter, nach Coleraine. Das Wetter wird immer miserabler, Regen, Wind und keine Besserung in Sicht. Na gut, damit muss man rechnen, wenn man sich für eine Reise nach Irland entscheidet. In Coleraine erledigen wir den Einkauf, decken uns mit dem Nötigsten ein und stellen fest, dass die Preise tatsächlich nicht so hoch sind wie befürchtet.

In Portrush wollen wir, trotz des heftigen Dauerregens, zumindest einen Blick auf den Atlantik werfen. Gesagt getan, stehen wir schon mit den Beinen in den Fluten des klaren, sauberen Ozeans.

Strand bei Portrush Buzz am Atlantik Tomasz in Portrush, Nordirland Portrush, Northern Ireland

Der feine Sandstrand von Portrush sowie der breite Dünengürtel erinnern stark an die dänsiche Nordseeküste in der Jammerbucht, bei Blokhus. Nur, das die Wasserqualität hier natürlich noch um einiges besser ist. Aber abgesehen davon könnte man glatt meinen, seinen Fuß in die Nordsee zu halten, von der Umgebung her. Nach einer halben Stunde klart der Himmel plötzlich auf. Wir schöpfen umgehend neue Motivation, neue Energie und die Hoffnung, dass es für eine Weile so angenehm bleiben könnte. Klare Fehleinschätzung, denn kaum sitzen wir im Auto, regnet es erneut. So schnell wie der Himmel aufklarte, bezieht er sich wieder. Wie schade.

Dunluce Castle Klippen bei Dunluce Castle Glitsch to the max Dunluce Castle Am Dunluce Castle verhindert der Dauerregen eine eingehende Besichtigung.
Mehr als ein kurzes um die Mauern glitschen und Beweisfotos schießen ist nicht drin.

Auf der Küstenstraße fahren wir völlig durchnässt nach Bushmills und folgen den Wegweisern zum Giant´s Causeway Visitors Centre. Vor dem Parkplatz steht ein Typ in Öljacke und verlangt fünf Pfund Parkgebühr. Keine Frage, die sparen wir. Schnell gedreht und weg. Knapp einen Kilometer entfernt einen Gratisparkplatz entdeckt und zufrieden zurück zum Infozentrum gelatscht. Der Regen nimmt ab. Nun heißt es Daumen drücken und auf besseres Wetter hoffen.

Der Zugang zum weltweit einzigartigen Giant´s Causeway (Weltkulturerbe der UNESCO) selbst ist übrigens gratis. Fußfaule bzw. gehandicapte Menschen können sich vom Parkplatz direkt zu den Basaltsäulen chauffieren lassen, und zwar mit dem Causeway Coaster. Pro Nase pro Strecke ist man mit einem Pfund dabei.

Bucht am Causeway Bucht am Causeway Giant´s Causeway bei Bushmills, Antrim Coast, Nordirland Portal Giant´s Causeway bei Bushmills, Antrim Coast, Nordirland
Buzz genießt den Style Head Buzz und Tomasz am Causeway Buzz am Giant´s Causeway Tomasz ist begeistert vom Causeway
Basaltsäulen Giant´s Causeway bei Bushmills, Antrim Coast, Nordirland Giant´s Causeway bei Bushmills, Antrim Coast, Nordirland Buzz spielt ´ne Szene aus Rambo, Teil2, nach Orgel oberhalb des Causeways

Seit der Quinta verfolgen der Giant´s Causeway und seine circa 40.000, meist sechseckigen Säulen mich schon in Gedanken. Grund dafür ist die Präsenz einer doppelseitigen Lektion mit vielen Fotos im ehemaligen Schulbuch des Englischunterrichts. Beim ersten Anblick war mir, damals gerade mal 12 Jahre alt, klar, dass ich den Ort irgendwann besuchen werden würde. Heute, gute 17 Jahre später, ist es soweit. Ich stehe auf den Basaltsäulen und bemerke, dass sich auch vier-, fünf, sieben- und achteckige Exemplare im gemäß Sage von Finn Mc Cool geschaffenen Damm tummeln. Die Sage behauptet folgendes:

Der Riese Finn Mc Cool wollte sich in Schottland amüsieren und ist dort einmarschiert. Zuvor hatte er den heute als Giant´s Causeway bezeichneten Damm errichtet, der ihn bequem und trockenen Fußes auf das andere Ufer bringen sollte.

In Schottland angekommen bemerkte er, dass sein dort ansässiger Gegner, Benandonner, wesentlich größer und stärker war als er selbst. Daraufhin floh er zurück nach Irland.
Benandonner verfolgte ihn wenig später. Nun bewiesen Finn Mc Cool und seine Frau, Oonagh, echte Cleverness. Finn, verkleidet als Baby, legte sich ins Bett.

Als Benandonner am Heim der Mc Cools eintraf, erzählte Oonagh ihm, Finn sei gerade nicht daheim und bat ihn, auf Finn zu warten. In der Wartezeit zeigte sie Benandonner ihr "Baby".

Benandonner machte sich fast in die Hose. Panik total! Er dachte:"Wenn das Baby schon so groß ist, wie groß muss dann erst dessen Vater sein! Nichts wie ab zurück nach Schottland!"

Auf dem Rückweg, zerstörte er den den Damm, damit Finn ihn nicht verfolgen könnte.

Den Nachnamen "Mc Cool" finden wir übrigens extrem lässig!

Nach eindringlichem Studium und ausgiebiger Bewunderung der tosenden, an die felsigen Klippen krachenden Wellen reißt die Wolkendecke auf.

Blauer Himmel kommt zum Vorschein. Es hört endlich auf zu regnen.

Lasst euch nicht von ´ner Welle catchen! tomasz on top Orgel, Giant´s Causeway
Auf dem Parkplatz beim Besucherzentrum stehen mehrere Wohnmobile. Die Insassen bereiten sich auf die Übernachtung im rollenden Zuhause vor, wie es scheint. Buzz und mir ist es dafür noch zu früh, treffender formuliert, zu hell. Landschaft bei Bushmills, oberhalb des Causeways Jau! Hier geht´s lang! Parkplatz vom Visitor´s Centre

Und so kommt es, dass wir, obwohl es durchaus möglich gewesen wäre, nicht am Giant´s Causeway übernachten. In unserem rollenden Zuhause, dem Ford Focus von Dan Dooley.

Am Auto angekommen zieht Buzz sich den Inhalt einer echt seltsam aussehenden Flasche Billig-Energy-Drinks rein. Buzz nimmt einen Killerschluck! Und er empfindet einen Killerbrechreiz!
Auf dem Etikett steht etwas von "amazing, unique taste!" Der Geschmack ist wirklich einzigartig. Einzigartig abartig!

Später erfuhren wir, dass es sich bei dem Gesöff um IRN- BRU , einen in Schottland gebrauten und nicht nur in Großbritannien beliebten Trank handelte. Das Teufelszeug war alles andere, als ein Billig- Gesöff. Schmeckte aber so. Gott sei Dank sind Geschmäcker verschieden(st).

Killerschluck! KIllerbrechreiz!

Wir statten der in zahlreichen Informationsquellen als absolute Sehenswürdigkeit angepriesenen Hängebrücke, der Carrick-a-Rede Rope Bridge einen Besuch ab.

Leider schon geschlossen aber egal, die 1,4 Kilometer vom Parkplatz zur Brücke legen wir natürlich dennoch zurück. Keine Chance, die Hängebrücke zu betreten, alles abgegrenzt. Auch egal. So toll ist sie wirklich nicht. Lohnt unserer Meinung nach nicht mal einen kleinen Umweg und schon gar nicht den verlangten Eintrittspreis. Die Kettenbrücke Carrick-A-Rede Geschlossen! Bucht bei der Kettenbrücke
Nach der Enttäuschung fahren wir wieder in die Richtung, aus der wir kamen. Vom Dunseverick Castle ist nicht viel übrig geblieben. Dennoch imposant, wie lange die Gemäuer schon existieren und Wind und Wetter trotzen. Den kleinen Hafen, der über einen großen Parkplatz mit öffentlichen Toiletten und wunderschöne Felsklippen verfügt, hatten wir zuvor auf der Fahrt vom Causeway zur Carrick-a-Rede Rope Bridge entdeckt, in dem wir einem kleinen, unscheinbaren Hinweisschild mit der Bezeichnung "Port" gefolgt waren. Dunseverick Castle

Am Ende der schmalen, kurvigen Sackgasse starrten uns ein paar in einem Wohnwagen abhängende Fischer an. Sie sagten kein Wort; dennoch war uns klar, den idealen Übernachtungsplatz mit gleichgültigen Anwohnern gefunden zu haben. Bei der Durchquerung von Ballintoy wundern wir uns über die vielen jungen Leute auf der und die zahlreichen Pubs an der Straße. Des Rätsels Lösung: ein Backpackerhostel.

Dunseverick Harbour Antrim Coast Dunseverick Harbour Antrim Coast Wunderschön!

Auf dem großen Rasenparkplatz von Dunseverick Harbour stellen wir den Wagen ab, ziehen uns so viele wärmende Klamottenschichten über wie möglich und klettern in den Klippen, über der tosenden Brandung, herum.

Dämmerung an der Antrim Coast, Nordirland Nach dem prächtigen Sonnenuntergang zieht es uns sehr schnell in den windgeschützten Innenraum des Autos. Unfreiwilligerweise, denn eigentlich wollten wir den Tag in aller Ruhe am Meer ausklingen lassen und ein paar Bier dazu trinken. Nun alarmieren uns jedoch unsere Körper, dass eine Erkältung in Anmarsch ist, der dringends Einhalt geboten werden müsse. Logische Konsequenz des lausigen Wetters und der mehrfach durch Körperwärme und Wind getrockneten Kleidung. Sonnenuntergang bei Dunseverick Harbour

Da gibt es nur eins: Sitze nach hinten, Vitamine schlucken und pennen! Gesagt, getan… .

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