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Tag1, Mittwoch

Mittags machen wir uns auf den Weg nach Hamburg, genauer gesagt zum Flughafen Fuhlsbüttel. Der gestrige HT hat glücklicherweise nur geringe Spuren hinterlassen und so sind wir zwar knapp, aber dennoch passabel in der Zeit, als Buzz kurz vor Neumünster den elektrischen Fensterheber für die hintere linke Beifahrertür betätigt und dadurch (schuldlos) für echte Turbulenzen sorgt. Ein seltsames Geräusch, wir lokalisieren es und bemerken, dass es aus der Verkleidung der genannten Autotür kommt, macht uns Angst. Zu Recht, denn der Fensterheber funktioniert anschließend nicht mehr. Schöne Bescherung. Wir haben nicht vor, den Wagen irgendwo in der Nähe des Hamburger Flughafens mit offener Fensterscheibe fünf Tage lang abzustellen. Was nun? Der Flieger geht in zwei Stunden, so eine Kacke.

Spontan verlassen wir die A7 über die Abfahrt Neumünster Nord und landen mehr oder weniger zufällig bei einer kleinen KFZ Werkstatt, nur einen Steinwurf vom altehrwürdigen Sky, der Disco mit der drehenden Tanzfläche, entfernt. Panisch überrede ich den Mechaniker, sich sofort um unseren Benz zu kümmern. Macht er auch. Er kann uns nur nicht sagen, wie lange der Eingriff dauern wird. Mit einem mehr als mulmigen Gefühl in den Bäuchen latschen wir zu Edeka im A&B Center und kaufen ein Partyfass. Warsteiner, nicht gerade unser Lieblingsbier aber der Angebotspreis lässt uns keine andere Wahl.

Zwanzig Minuten später stehen wir wieder in der Werkstatt und siehe an, die Scheibe ist wieder geschlossen. Im Freudentaumel zahlen wir und rasen Bruchteile von Sekunden später wieder auf der Autobahn Richtung Airport. Noch anderthalb Stunden bis zum Abflug, das wird knapp. Leider haben wir ganz vergessen zu fragen, ob der Fensterheber wieder in Ordnung ist oder die Scheibe lediglich irgendwie hochgeschoben wurde. Der besagte Fensterheber jedenfalls ist deshalb konsequenterweise zukünftig tabu!

Am Flughafen parken wir in der Pole Position, stürmen zum Check In und geben das Gepäck auf. Fünf Minuten vor Schließung des Schalters. Auf Anfrage teilt uns die Dame von Aer Lingus mit, dass uns noch zehn Minuten bleiben, um das Gate zu passieren. Wir heizen wie die Bekloppten zum Langzeitparkplatz, stellen den Wagen ab und uns an die Straße. Von der Idee, den Wagen kostenfrei irgendwo in ein nahegelegenes Wohngebiet zu stellen, haben wir uns schon während der Reparatur verabschieden müssen, angesichts des Zeitrahmens. Verdammt, wieso kommt kein Taxi? Nach fünf endlos erscheinenden Minuten des Wartens kommt doch noch eines. Rein da, gib Rille, Kutscher!

Exakt zur Deadline erreichen wir unser Gate und hüpfen gerade noch durch. Schweißgebadet, stinkend, erschöpft und nervlich am Ende. Aber wir haben es geschafft. Unglaublich, aber wahr. Wir denken an den Unglücksraben, der im Airbus neben uns sitzen wird. Wir riechen. Sehr intensiv. Wir sind feucht und klebrig. Und überdreht. Solche Sitznachbarn wie uns wünscht sich niemand. Das Mitleid stellt sich rasch als unbegründet heraus, denn der dritte Mann in unserer Reihe stellt geruchsmäßig alles, was wir bisher erlebt haben, in den Schatten. Der Typ, der neben Buzz sitzt, stinkt wie Sau! Gott sei Dank sitze ich auf dem Hinflug am Fenster. Buzz leidet, muss fast kotzen vor Übelkeit, ausgelöst durch die Körperdüfte seines Kumpels neben ihm. Kopfschmerzen und Brechreiz lösen sich ab und Buzz steht kurz davor, den Typen am Schopf zu packen, ihn zum Vakuumklo zu ziehen und dort verschwinden zu lassen.

In Dublin angekommen nehmen wir als erstes Reißaus vor dem Skunk, mischen uns in das Gedränge an der Gepäckausgabe und lesen unsere Taschen auf. Nichts ist ausgelaufen, puh. Grobschlächtiges Personal bzw. übermotivierte Kofferwerfer hätten mit unseren beiden Gepäckstücken für eine mittlere Überschwemmung sorgen können.

Am Mietwagenschalter von Dan Dooley geht es fix, die nette Dame redet seltsames Englisch, überreicht uns aber schon nach wenigen Minuten den Autoschlüssel. Der Fuhrpark steht etwa 2,5 Kilometer vom Terminal, ein Kleinbus fährt uns hin. Ich sehe mehrere Ford Focus, in grau, in dunkel blau, in schwarz, und einen in rot. Der rote steht ziemlich exponiert, wie bestellt und nicht abgeholt. Bitte nicht den roten Focus, denken wir, als uns der Mitarbeiter zum Wagen führt.

Gegen 18:30h sitzen wir im roten Ford Focus und fahren auf der Autobahn nach Norden, als Ziel des Tages haben wir Newcastle, an der Irischen See gelegen, ausgewählt.

Auf dem Weg dorthin passieren wir drittgrößte Stadt Nordirlands, Newry, die uns auf Anhieb gefällt.

Buzz hat seinen Meister gefunden Grosseinkauf bei Lidl in Newry, Nordirland

Dort entdecken wir einen Lidl. Beim zweiten Versuch, der Linksverkehr ist sehr gewöhnungsbedürftig, gelingt es uns auch, den Parkplatz des Discounters zu erreichen. Preislich fallen wir nicht so aus allen Wolken, wie wir es aufgrund zuvor gesammelter Informationen eigentlich befürchtet hatten. Klar, alles etwas teurer, aber dennoch erträglich. Ein Preisniveau irgendwo zwischen dem dänischen und dem schwedischen, würde ich mal so grob sagen.

Kathedrale in Newry, Nordirland

Aufgrund der Nähe zur Republik Irland nimmt der Typ an der Kasse glücklicherweise auch Euro. Kreditkarten werden nicht akzeptiert.

Nordirische Landschaft

Auf dem Weg an die Küste fahren wir über abenteuerliche, enge Straßen durch die Mourne Mountains und erfreuen uns an der pittoresken nordirischen Landschaft.

An den geschwungenen Hügeln, den Hecken, den kunstvoll geschichteten Steinmauern, den hübschen Dörfern mit seinen kleinen Häusern und dem stimmungsvollen, wechselhaften Himmel.


In Newcastle angekommen finden wir binnen weniger Minuten einen auf den ersten Blick einladenden Pennplatz, nicht weit vom Zentrum und Strand des Städtchens entfernt. Mit geschulterter Hüpferlitasche spazieren wir am Strand entlang und wissen nicht recht, wo wir uns niederlassen sollen. Die Promenade ist komplett videoüberwacht. Noch dazu warnen überall eindeutige Hinweisschilder vor dem Genuss alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit. Big Brother is watching you! Die Höchststrafe beträgt hier, in Newcastle, übrigens 500,- Britische Pfund, gut 750,- Euro also. Abschreckend genug.

Promenade an der Irischen See, Newcastle Mourne Mountains Tomasz in Newcastle Buzz an der Irischen See Touropean in Nordirland

Auf Wellenbrechern essen wir zu Abend, Stullen mit Kochschinken und Frischkäse. Seltsames Gefühl, hier zu sein. In Gedanken befassen wir uns mal wieder mit dem oft zitierten blinkenden Lämpchen auf der Europakarte.

Nicht, dass uns Newcastle nicht gefällt, der Strand, die Promenade, das Panorama der direkt an der Stadtgrenze auslaufenden Mourne Mountains begeistern uns sehr, aber so richtig warm werden wir nicht.

Newcastle, Northern Ireland

Schon gar nicht mit dem anvisierten Übernachtungsplatz. Auf dem Parkplatz stehen etliche aufgeprollte Karren herum. In den Kisten sitzen nicht weniger assig ausschauende Hangarounds und rauchen bzw. lassen ab und zu mal die Motoren aufheulen. Nach einer erholsamen, ruhigen Nacht sieht es hier nicht aus. Nach kurzem Überlegen fahren wir in die Berge hinein. Auf einem Hochplateau, am Spelga Reservoir, finden wir den idealen Übernachtungsplatz. Hier dominiert absolute Stille, die nur vom Wind, dem merkwürdigen Laut eines seltsamen, mehrfach über unsere Köpfe kreisenden Federviehs und dem Plätschern eines kleinen, den Stausee füllenden Baches, durchbrochen wird.

Inzwischen ist es nach Mitternacht. Buzz und ich stehen auf den Resten einer ehemaligen Landstraße, die in den Fluten des aufgestauten Sees verschwindet, und lassen die Umgebung, die Atmosphäre, die Stille, auf uns wirken.

Ein paar Dosen Bier leeren wir noch, während wir angeregt über die Einzigartigkeit des Augenblicks philosophieren und gegen drei Uhr schlafen gehen.

Buzz trinkt Bass

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