Balkantour, Februar 2008
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Tag1, Samstag: Bremen - Bratislava (SK) - Nove Zamky (SK) - Budapest (H)

Nove Zamky

Verdammte Axt. Dass es so kalt werden würde, hatten wir in unsere Planungen nicht einbezogen. Arschkalt, das trifft die Temperaturen noch am besten. Auf dem Bahnsteig in Nove Zamky mit einigen Corgons und Topvars auf den verspäteten Eurocity Hamburg - Budapest Keleti Pu zu warten, hat sicher seinen gewissen Charme und übt unter einigermaßen normalen Wetterverhältnissen großen Reiz auf Buzz und mich aus, aber was zu kalt ist, ist nun mal zu kalt. Minus acht Grad Celsius. Und der Zug hat, was der Laune auch nicht gerade zuträglich ist, mehr als 90 Minuten Verspätung.

Wir fragen uns bereits, ob er überhaupt noch kommen und uns in die Hauptstadt der Magyaren bringen wird. Du fragst dich vielleicht, weshalb wir überhaupt spät abends in der klirrenden Kälte am Bahnsteig der slowakischen Provinzstadt Nove Zamky abasseln?

Okay, hier der Bericht in chronologischer Abfolge.

Bremen Hauptbahnhof Mittags treffe ich Buzz am Bremer Hauptbahnhof. In gut zwei Stunden wird uns der Billigflieger Ryanair nach Bratislava, älteren Semester eventuell unter dem Namen Preßburg bekannt, befördern. Für einen kurzen Stadtspaziergang bleibt genug Zeit, denn wir haben aus dem Fehler vor der
Reise nach Irland/ Nordirland im Mai 2007
gelernt.
Damals sind wir gerade so eben noch und mit viel Glück durch die Abfertigung geflutscht. Anscheinend haben wir endlich mal kapiert, dass man sich ein Zeitpolster für unerwartete Zwischenfälle zugestehen sollte.
Bremen Bremer Stadtmusikanten Bremen Innenstadt Bremen Innenstadt

Bremen. Die Stadt gefällt uns, nicht zuletzt des hervorragenden Nachtlebens wegen.

In der Hansestadt Bremen haben wir irgendwie immer verdammt viel Spaß gehabt und unvergessliche Dinge erlebt.
Die Distanz von der Wilhelm Kaysen Brücke bis zum Terminal überwinden wir mit der Straßenbahn, Linie sechs.
Kurz vorher hüpfen wir raus und latschen durch das Wohngebiet, welches ideale Parkgelegenheiten für den Reisenden bereit hält.

Bremen Innenstadt Bremen Innenstadt Bremen Innenstadt, Weser und Schlachte, aufgenommen von der Wilhelm Kaysen Brücke aus
Nitusz und ich haben hier wenige Wochen zuvor unseren Wagen während des Kurztrips nach Venedig, im Januar 2008 abgestellt.
Ein Megatipp angesichts der hohen Gebühren der Flughafenparkhäuser. Die letzten Minuten vor dem Check In vertreiben wir uns mit der Inspektion einer naheliegenden Baustelle und dem Verzehr überschüssigen Proviants bzw. Leeren der Flüssigkeitsvorräte.
Wohngebiet beim Bremer Flughafen, ideale Gegend, um für lau zu parken Tomasz auf dem Weg zum Bremer Flughafen Terminal von Ryanair, Flughafen Bremen

Mehr Gepäck haben wir für die folgenden zwei Wochen Balkan nicht dabei!

Gepäck haben wir beide keines aufzugeben, es musste halt alles in die guten alten, weitgereisten Hüpferlitaschen passen (siehe Foto links; mehr Gepäck haben wir für die folgenden zwei Wochen Balkan nicht dabei!).
Klar, wir hätten wir gern einen großen Koffer oder sowas mitgenommen und dann später noch überflüssige Dinge aussortiert und in Budapest deponiert. Angesichts der von Ryanair verlangten unverschämten Preise für Gepäck und Check In am Schalter jedoch verzichten wir auf derartigen, unsinnigen Luxus. Und kommen in den Genuss des kostenfreien Priority Check Ins. Zuhause hatten wir die Boardingpässe ausgedruckt, nun können wir zusammen mit den anderen Privilegierten vor den Reisenden mit aufgegebenem Gepäck das Gate passieren.

Wegen des "Priority Check In" greifen wir coole Plätze ab und lesen uns während der anderthalb Flugstunden sinnlosen PR- Müll von Ryanair durch.
In Bratislava angekommen krame ich eine Hand voll slowakischer Kronen aus der Tasche. Ziemlich praktisch, dass Buzz und ich über ein erstaunliches Sortiment an Fremdwährungen verfügen, zwar leider Gottes lediglich von geringfügigem monetären, dafür aber von hohem praktischen Gegenwert. Auf diese Weise können wir den Fahrkartenautomaten am Flughafen Bratislava passend füttern und
30-Minuten-Tickets erwerben.

Bratislava: Tomasz füttert den Automaten Bratislava Airport
Busfahrt vom Flughafen Bratislava zum Hauptbahnhof Busfahrt vom Flughafen Bratislava zum Hauptbahnhof

Die halbstündige Busfahrt zum Hauptbahnhof genießen wir somit ohne die typischen Stress-Symptome des Schwarzfahrens in fremden Städten.
An der Hlavni Stanica angekommen verhilft uns mein Standardvokabular Tschechisch binnen weniger Augenblicke zu den Fahrkarten nach Nove Zamky, wo wir einen Zwischenstopp einzulegen gedenken. Achtung: bei Kreditkartenzahlungswunsch muss dieser unbedingt vor dem Bestellvorgang geäußert werden!

Hlavni Nadrazi / Hlavna Stanica, Bratislava Hlavni Nadrazi / Hlavna Stanica, Bratislava

Nur wenige Minuten nach dem Erwerb der Fahrkarten fährt der Zug schon ab. Die Suche nach einem Proviantbier verläuft in der kurzen Zeit erfolglos. Der Kiosk direkt am Bahnsteig verfügt zwar über eine Zapfanlage und reichlich Topvar-Reklame, die ehemals sprudelnde Bierquelle indes ist, so scheint uns, leider inzwischen versiegt. Das war vor knapp zwei Jahren, im Sommer 2006 anders.

Hier geht es zum Reisebericht des Sommers 2006 (D-A-SK-UA-H-CZ).

Bratislava hatte uns damals überhaupt recht gut gefallen.

Hier geht es zu einer Bilderseite von der slowakischen Hauptstadt.

Die Bilder rechts sind übrigens der angesprochenen Bilderseite entnommen, stammen also von der Sommertour 2006.

Hlavni Nadrazi, Bratislava, Sommer 2006 Hlavni Nadrazi, Bratislava, Sommer 2006

In Nove Zamky angekommen finden wir uns gut zurecht. Buzz hatte sich die Stadt vor einiger Zeit schon mal im Rahmen eines Tagestrips von Budapest aus angesschaut und für sehenswert befunden. Voilà, hier stehen wir nun, zu zweit. Nove Zamky empfängt seine Besucher mit einem überdimensionierten Bahnhof, in welchem sich eine stylishe Bahnhofsgaststätte befindet. Leider ist diese selbst für unseren Geschmack von zu assigen Eulen okkupiert, so dass wir uns nicht zu einem Willkommensfassbier in der Slowakei hinreissen lassen. Ohne die mit den Köpfen auf den Tischen ratzende Pennerszene und der daraus resultierenden, miesen und bedrückenden Gesamtstimmung wäre die Restauration eine echte Empfehlung. Vermutlich liegt es an den Minustemperaturen, dass das Lokal heute eine Art Obdachlosen- bzw. Assiasyl darstellt. Schade. Kaum haben wir den Bahnhof verlassen, schlendern wir durch stilechte, ansehnliche Platten Richtung Zentrum. Irgendwie gibt es in Nove Zamky nur Plattenbauten, abgesehen von dem winzig kleinen Altstadtkern. Im lokalen Lidl erstehen wir unser Abendessen und verzehren dieses frierend auf dem Namesti.

Im Bahnhof von Nove Zamky

Zurück am Bahnhof stellen wir entgeistert fest, dass wir länger als geplant in Nove Zamky abhängen dürfen werden. Die Verspätung des Eurocity aus Hamburg wird mit satten 60 Minuten angegeben. Prinzipiell könnten wir die Wartezeit bei leckerem Fassbier in einer slowakischen Pivnice verbringen, das wäre ziemlich geil. Leider vertrauen wir der Anzeigetafel nicht. Was, wenn der EC wider Erwarten früher einrollt (die letzte Verbindung nach Budapest) und wir dann völlig gekniffen sind?

Vergnarzt entscheiden wir uns dafür, einer zuvor erspähten Tankstelle zwecks Schaffung eines beruhigenden Biervorrates einen Besuch abzustatten. Gesagt getan.

Aufstockung des Biervorrats an einer Tanke in Nove Zamky, SK
Abfahrt um 20:38? Schön wär´s!

Wenige Minuten später stehen wir wieder vor der Anzeigetafel am Bahnhof und staunen.
Die Anzeigetafel kündigt inzwischen eine 70-minütige, später dann sogar eine 110-minütige Verspätung an.
Anstatt um 20:38 Uhr wird der EC also erst um 22:18 den Dreh in Nove Zamky abfahren. Wir machen das Beste aus der eisigen Situation und lungern abwechselnd am Gleis, vor dem Bahnhofsgebäude und in der relativ warmen Wartehalle herum. Wider Erwarten hängen dort keinerlei Eulen herum, außer uns beiden.
Das Wachpersonal zeigt starke Präsenz und scheint nicht zimperlich zu sein, wenn es darum geht, vom Hausrecht Gebrauch zu machen.

Asseln am Gleis Nummer2 in  Nove Zamky
So sieht es direkt vor dem Bahnhof von Nove Zamky aus. Stilechte Platten en masse. Bahnhof von Nove Zamky

Um zwanzig nach zehn rollt der Eurocity tatsächlich ein.Wir haben ein Großraumabteil für uns alleine, werfen uns in Schale und feiern während der Bahnfahrt eine Party.

EC Hamburg - Budapest Keleti Pu. Ein Großraumabteil nur für uns alleine, Vorhang auf für eine ausgiebige Vorglühsession! EC Hamburg - Budapest Keleti Pu. Ein Großraumabteil nur für uns alleine, Vorhang auf für eine ausgiebige Vorglühsession! EC Hamburg - Budapest Keleti Pu. Ein Großraumabteil nur für uns alleine, Vorhang auf für eine ausgiebige Vorglühsession!

Nachts um halb eins erreichen wir Budapest, genauer gesagt den internationalen Bahnhof namens Keleti Pu. Edit ist so gut und erwartet uns dort bereits. Vornehmlich, um Buzz zu begrüßen und unsere Hüpferlitaschen in Empfang zu nehmen. Nach kurzer Unterhaltung chauffiert sie uns zum Nyugati Pu, wo wir die Disco Club Cool entern.

Die Disco ist genau unser Ding, wir bleiben bis spät in die Nacht. Lange werden wir nicht schlafen können. Schließlich wollen wir Budapest schon morgen wieder verlassen. Und Belgrad ansteuern. Um von dort aus mit dem Nachtzug weiter nach Montenegro, an die Adria zu fahren. In eine Hafen- bzw. Touristenstadt mit dem lässigen Namen Bar. Um von dort aus dann... .
Ach egal, wir werden ja sehen, wo uns diese Reise noch überall hinführen wird.


Tag2, Sonntag: Budapest (H) - Belgrad (SRB) - Nachtfahrt im Schlafabteil nach Montenegro

Das zeitige Aufstehen, so gegen elf Uhr, fällt wie erwartet schwer. Letzte Nacht haben wir es wohl leicht übertrieben. Nach einem trotz allem umfangreichen Frühstück, ausgestattet mit einem üppigen Lunchpaket, macht Edit ihrem Ruf als Rallyefahrerin alle Ehre und heizt mit uns zum Keleti Pu. Dort soll um 13 Uhr irgendwas der EC nach Belgrad abfahren. Tut er auch. Im Zug finden wir angenehme Plätze und oxidieren vergnarzt vor uns hin. Lassen die eintönige Landschaft an uns vorüberziehen und freuen uns, als sich der Zug in Kiskunhalas leert. Budapest, Bahnhof Keleti Pu, Sommer 2006 Öde Landschaft bei Kiskunhalas Grenzbahnhof Kelebia
Sofort schnappen uns ein Abteil, passieren die Grenze bei Kelebia und stellen enttäuscht fest, dass am Gleis in Subotica hordenweise wartende Bahnfahrer herumstehen. Die Abfertigung erfolgt seitens der ungarischen Beamten pissig, aber korrekt. Die serbischen Staatsdiener sind ausnahmsweise mal richtig freundlich. Korrekt natürlich auch, wie immer. Die Grenzüberschreitungsprozedur dauert diesmal insgesamt eine Dreiviertelstunde. Etwas länger als letztes Mal. Irgendwie bedauern wir es, einfach so an Subotica vorbeizufahren. Schließlich ist die Stadt keine Unbekannte für uns. Buzz hatte bereits mehrfach Stippvisiten hierher unternommen und letzten Sommer, 2007, waren wir sogar zu zweit vor Ort, um das Nachtleben im nahegelegenen Palic zu checken und serbischen Style zu genießen. Subotica ist echt schön! Palic? Geht so. Einfach nur Abhängen! Bahnhof von Subotica, Vojvodina, Sommer 2007

Hier geht es zum Reisebericht des Trips nach Subotica/ Palic, den Buzz und ich im August 2007 unternommen haben.
Hier
zum Bericht über einen Tagestrip nach Subotica im Winter 2007, durchgeführt von Buzz.


Via Novi Sad erreichen wir letzten Endes die serbische Hauptstadt, mit zweistündiger Verspätung. Uns bleibt eine gute Stunde, um Bargeld und Fahrkarten für den Nachtzug nach Bar zu organisieren. Der Bahnhof von Belgrad ist übrigens verhältnismäßig klein und sehr leicht überschaubar. Hilfreich sind zudem die zweisprachigen (serbischen und englischen) Schilder an den Gleisen, den Informationstafeln und Bezeichnungen über den Ticketschaltern. Sehr löblich! Als erstes jedoch brauchen wir Kohle, serbische Dinar.

Ein Bankomat ist schnell gefunden und so stehen wir wenig später vor einer genervten Bahnangestellten vor einem der Schalter für internationale Fahrkarten. Nachdem sie kapiert hat, dass ich sie erst mit einem Ticket in der Hand in Ruhe ihre Modezeitschrift weiterlesen lassen werde, versteht sie sogar englisch. Umgerechnet 43,- Euro wechseln den Besitzer. Es ist nicht zu fassen, beim Überreichen der Billets lächelt die Verkäuferin sogar.

Den Zug nach Bar erkennen wir unter anderem am Autoanhänger. Scheint relativ leer zu sein, der Nachtzug. Während der Badesaison geht auf dieser Verbindung verläßlichen Quellen nach gar nichts ohne rechtzeitige Fahrkartenreservierung. Heute, bei Minusgraden und im Februar, sieht die Sache anders aus.
Am Gleis nimmt uns ein Zugbegleiter in Empfang und fragt uns, wie wir die Fahrt zu verbringen wünschen. Fremdsprachenkenntnisse sollte man beim zugbegleitenden Personal definitiv nicht erwarten. Mein gebrochenes polnisch reicht aus, um dem galanten Herren klarzumachen, dass wir gern ein Schlafwagenabteil für uns alleine hätten. Der Preis dafür: weitere 40,- Euro. Meine Frage, ob der Zug wie im Fahrplan angegeben so gegen halb sieben in Bar eintreffen wird, findet er ziemlich komisch. Lächelnd teilt er uns mit, dass wir uns besser auf neun Uhr einstellen sollten.

Beim Abkassieren zeigt der Typ uns einen computergedruckten Fahrschein, die serbische Bahn benutzt übrigens DB-Vordrucke. Auf diesem steht der geforderte Betrag in Landeswährung und auch in Euro. Der Geruch von Beschiss nimmt ab, als wir das offizielle Dokument sehen. Und nimmt wieder stark zu, als er uns ohne irgendeinen Zahlungsbeleg zu hinterlassen eine angenehme Reise wünscht. Ist ja auch Latte. Abgezogen worden sind wir nicht, und ob der Kerl unsere Kohle nun an seinen Arbeitgeber weiter- oder in seine eigene Tasche umleitet, kann uns ja ehrlich gesagt schietegal sein. Neugierig beschnuppern wir unser Abteil. Zwei saubere, frisch bezogene Pritschen, die obere hochklappbar. Ein Waschbecken, ein sich öffnendes Fenster, defekte Heizung und flackernde Beleuchtung. Im Abteil neben uns sitzen zwei Kerle in meinem Alter, die sich in Zimmerlaustärke unterhalten und uns dennoch an jedem ihrer gewechselten Worte teilhaben lassen. Extrem hellhörig, das ganze. Das riecht nach einer ziemlich ätzenden Nacht. Abteil im Schlafwagenzug Belgrad - Bar Abteil im Schlafwagenzug Belgrad - Bar

Tag3, Montag: (BiH) - Podgorica (MNE) - Skutari See (MNE/AL) - Bar (MNE) - Muriqan (AL) - Shkoder/ Skutari (AL)

Die nötige Bettschwere kommt ganz von allein, kurz nach Mitternacht pennen wir endlich ein und frieren uns beinahe den Arsch ab auf unseren Pritschen in dem eisigen Tiefkühlabteil. Stylo aus dem Fenster gucken? Die Frage beantwortet sich von selbst. Mist, darauf hatten wir uns gefreut. Zwischenzeitlich durchfahren wir bosnisches Territorium, allerdings bekommen wir davon nichts mit. Lediglich ein Blick auf die Landkarte verrät uns, dass wir im Grunde den Länderpunkt Bosnien Herzegowina machen. Und die mobilen Telefone empfangen Willkommensgrüße bosnisch-herzegowinischer Netzbetreiber.

Zählt alles nicht, schade.

Bosnien Herzegowina bleibt also ein weißer Fleck auf unseren persönlichen Länderkarten.
Um halb vier klopft es an die Tür und ich schnelle wie ein geölter Blitz aus meiner Pritsche empor. Innerhalb weniger Sekunden öffne ich die Tür. Der Zugbegleiter teilt mir mit, dass wir bitte die Pässe bereithalten sollen, wir befinden uns an der Grenze zwischen Serbien und Montenegro. Die Ausreise aus Serbien verläuft ebenso unkompliziert wie die Einreise nach Montenegro. Leider vergessen sowohl der serbische, als auch der montenegrinische Beamte, Buzzs Reisepass abzustempeln. Wenn das man nicht noch zu Komplikationen führt.

Nach der oberflächlichen, ich möchte sagen: luschigen Abfertigung rollen wir durch die Bergwelt Montenegros und ratzen erneut weg. Eine halbe Stunde vor der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica wachen wir auf und bestaunen die grandiose Landschaft. Podgorica sieht vom Zug aus betrachtet schäbig und uninteressant aus.
Der Stadt, da sind wir uns einig, brauchen wir keinen eingehenden Besuch abzustatten.

Unser Abteil im Nachtzug Belgrad - Bar Nachtzug von Belgrad nach Bar Nachtzug von Belgrad nach Bar Nachtzug von Belgrad nach Bar, Blick auf die Outskirts von Podgorica
Mittlerweile hat der Zug übrigens schon satte zwei Stunden Verspätung. Hinter Podgorica führen die Gleise abschnittsweise am Skhodersee bzw. Skutari entlang. Es bieten sich herrliche Aussichten auf den See. Am Horizont locken die Berge Albaniens. Wir sind schon richtig gespannt und hibbelig, denn wir freuen uns wie verrückt auf den Besuch im Land der Shkiptaren. Hoffentlich bekommen wir den Transfer von Bar zur Grenze preiswert geregelt. Montenegro Skhodersee Skutari See Skhodersee
Bar, Bahnhof, Montenegro Bar, Bahnhof, Montenegro Am Endbahnhof von Bar angekommen werfen wir einen Blick auf die Uhr. Nicht schlecht, mehr als drei Stunden Verspätung, es ist viertel vor elf. Am Gleis herrscht reges Treiben, wir werden von den Taxifahrern seltsamerweise kaum belagert. Tja, liegt wohl an den Hüpferlitaschen, die uns tarnen. Wir sehen nicht gerade aus wie Reisende, schon gar nicht wie Interrailer oder Backpacker. Vor dem Bahnhof wundern wir uns. Keine Busse, keine Sammeltaxis. Hmm, was nun? Wir latschen erstmal Richtung Zentrum und sieh an, nach wenigen Fußschritten entdecken wir den Busbahnhof. Der Taxifahrer hat uns clever aufgerissen!
Ein Bus fährt gerade ab, ich halte ihn an und frage nach seinem Fahrtziel. Auf jeden Fall nicht Ulcinj. Ein ausgeschlafener Taxifahrer bekommt die Aktion mit und bietet uns an, uns für 10 Euro nach Ulcinj zu bringen.
Der Bus hätte pro Person 4 Euro gekostet, ist also ein fairer Deal, den er uns vorschlägt. Los geht´s, mit ner coolen alten E-Klasse. Der Fahrer fragt, wo wir denn genau hinwollen und ich nenne ihm das eigentlche Ziel: Skhipeira! Albania! Nach kurzem Überlegen schlägt er vor, uns bis zur Grenze bei Muriqan zu bringen, für 25,- Tacken.
Wir einigen uns auf 20,-. Bingo, unschlagbar fix und zudem preiswert stehen wir bereits eine halbe Stunde nach der Ankunft in Bar kurz vor dem montenegrinischen Grenzabfertigungshäuschen.
Grenzabfertigung zwischen Montenegro und Albanien, bei Muriqan, montenegrinische Seite Kurze Rast vor dem montenegrinischen Grenzposten
Die Ausreise aus Montenegro gestaltet sich, wie erwartet, ostig korrekt und absolut unkompliziert, dauert läppische zwei Minuten. Die Pässe werden nicht mal durch das Lesegerät gezogen. An der Grenze ist sehr wenig los, kaum Reisende. Nennenswerte Wartezeiten gibt es hier keine, auch nicht für PKW. Wüstenrosen könnten hier jedenfalls locker über die Straße wehen. Zwischen montenegrinischen und albanischem Posten liegen gut 100 Meter. Ziemlich in der Mitte des Niemandslands erblicken wir zum ersten Mal die Wahrzeichen Albaniens. Die kleinen, kuppelartig gebauten Betonbunker. Sie übersähen das gesamte Land, überall stehen sie herum. Alleine, paar- und gruppenweise.
Die Dinger müssen wir sofort beäugen und inspizieren. Wir machen Rast, logisch. Zumal die Atmosphäre im Niemandsland einfach unglaublich strange ist.
Diesen Moment müssen wir unbedingt voll und ganz auskosten, wir spüren, dass wir uns mitten in einer der schönsten Situationen des Balkantrips 2008 befinden.
Wir wissen den Augenblick würdig zu genießen. Proviant, Wasser, Bier, Chips und Rippchen aus Budapest haben wir am Start, die Sonne lacht und wärmt, was wollen wir mehr? Momente wie dieser, in dem wir uns jetzt gerade live befinden, sind es, die uns dazu bewegen, derartige Reisen schnöden Pauschalreisen in 08/15 Länder vorzuziehen und durchzuführen. Es gibt soviel zu entdecken! Bunker im Niemandsland zwischen Montenegro und Albanien Tomasz im Niemandsland zwischen Montenegro und Albanien Buzz im Niemandsland zwischen Montenegro und Albanien Bunker im Niemandsland zwischen Montenegro und Albanien

Die Stimmung ist phantastisch! Zwei Stunden hängen wir geflashed an den Bunkern herum, ehe es uns weiterzieht. Zum albanischen Grenzkabuff. Der Typ darin guckt uns neugierig an, verlangt die Pässe und pro Nase zehn Euro Einreisegebühr. Kommt für uns nicht unerwartet, allerdings hatten wir gehofft, den Staat abziehen zu können, indem wir statt der Euronen 20,-$ rüberwandern lassen. Keine Chance. Also wechselten 20,- Euro den Besitzer. Wenigstens bekamen wir dafür eine Quittung ausgestellt. Nach fünf Minuten waren wir drin. In Albanien. Cool! Finde ich übrigens ziemlich entspannt, dass Albanien kein Visum vorraussetzt und einfach zehn Euro pro Einreise haben will. Für den Reisenden ist das herrlich unkompliziert und für den Staat lohnenswert, da die Kohle komplett im Säckel landet, ohne dass der Großteil von der Bürokratie verzehrt wird.

Sofort hinter der Grenze werden wir von dem schwarzen, stolzen Doppeladler auf rotem Grund, der Landesfahne begrüßt. Dass die Albaner enorm patriotisch sind, fällt auf. Busse warten keine hinter dem Schlagbaum. Okay, ein Taxifahrer spricht uns an, ob er uns nach Shkodra fahren darf. Circa 16 Kilometer sind es dorthin. Wir lehnen ab. Erstmal wollen wir uns akklimatisieren und eingewöhnen, die Lage checken. Irgendwie werden wir schon hinkommen, auch ohne Geld für ein Taxi zu verpulvern.

Also latschen wir los, nach Muriqan. Es fahren höchstens alle paar Minuten mal Autos an uns vorbei. In einer Baracke befindet sich ein Mini Markt, wor wir uns mit albanischem Bier bekannt machen. Tirana Pils. Wir setzen uns auf eine Mauer und lassen den Dingen freien Lauf. Mal sehen, was passiert. Notfalls gehen wir zu Fuß nach Skhodra. Soweit kommt es nicht, ein Bus kommt herangebraust. Buzz springt auf, rudert mit den Armen und: der Bus hält an! Willkommen in Albanien! Tomasz latscht nach Muriqan, Albanien Du Esel! Du Eselkind!

Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass wir in einen Schulbus eingestiegen sind. Kommen mit einem Lehrer ins Gespräch, drücken dem Fahrer einen Euro für die Beförderung in die Hand und werden von den neugierigen Kindern angestarrt wie Außerirdische. Die Kinder machen keinen Hehl aus ihrem Interesse an den seltsamen Freaks, die da am Arsch der Welt in ihren Schulbus gehüpft sind. Die Mädels kichern albern herum und zwinkern uns zu, um sich anschließend verlegen wieder wegzudrehen und noch lauter zu kichern. Die Jungs geben ihre fremdpsrachlichen Kenntnisse zum besten und werfen uns Phrasen wie: "Where are you from?", "What´s your name?", "Wie heißt Du?", "Auf Wiedersehen!", "Hello Mister, how are you?" an den Kopf. Natürlich allesamt wild durcheinander.
Aus den dröhnenden Lausprechern im Inneren des Busses werden wir zudem mit landestypischer Popmusik beschallt. Die Fahrt hat Style, gar keine Frage!

In Skhodra angekommen steigen wir beim Hotel Rozafa, dem ehemaligen Albtourist Hotel, aus. Sieht ziemlich heruntergekommen aus, die Herberge. Hat sicher schon bessere Zeiten gesehen, ist aber geöffnet. Also gehen wir hinein in die dunkle, kalte Halle.
Die Rezeption ist verwaist, der Fahrstuhl außer Betrieb.
Endzeitstimmung. Das Hotel liefert einen idealen Drehort, sollte es eine Neuauflage von "Die Klapperschlange" geben.

Hotel Rozafa, Skhodra, Albanien Wurde der Hotelbetrieb mittlerweile ebenfalls eingestellt? Gibt es irgendwo Angestellte? Wir schleichen durch die Gänge und werden plötzlich von einem wie ein Angestellter aussehendem Typen angesprochen, was wir hier krummes treiben würden. Ich sage, dass wir auf der Suche nach einer Bleibe sind und frage, ob das Hotel überhaupt noch Gäste aufnimmt. "Ja, tut es. Doppelzimmer mit eigenem Bad 28,- Euro, Doppelzimmer ohne eigenes Bad 8,- Euro.", antwortet er mir auf ziemlich gutem Englisch. Wir sehen uns die lausige Bude ohne Bad an und nehmen sie. Acht Euro, da darf man nicht wählerisch sein. Er gibt uns den Zimmerschlüssel, wir drücken ihm acht Euro in die Hand und sind handelseinig. Die Bude ist echt mies. Na ja, Latte, der Preis zählt. Hotel Rozafa, Skhodra, Albanien Hotel Rozafa, Skhodra, Albanien
Zentrum von Skhoder

Skhodra. Seiner vielen katholischen Kirchen und Klöster wegen einstmals das "Rom des Balkans" genannt. Skhodra soll eine der ältesten Städte Europas sein, am Anfang stand die Burg, Rozafati. Skhoder ist die drittgrößte Stadt Albaniens, hinter der Hauptstadt Tirana und der Hafenstadt Durres. Metropole des albanischen Nordens. In der Region um Skhodra war die Blutrache, Gjakmarrje, besonders stark in der Kultur der Menschen verwurzelt.

Auf unserem Spaziergang durch die gut 90.000 Einwohner zählende Stadt lasten die Hüpferlitaschen auf unseren Schultern. Das Hab und Gut auf dem Hotelzimmer zu lassen, trauen wir uns nicht. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Für Gewinnertypen! Skhoder Allgegenwärtig: Müll! Brauner Benz: ein Traumauto! Skhodra Eine Schönheit ist Skhodra nicht gerade. Und der überall herumliegende Müll ist zum Kotzen.

Außer dem Müll fällt uns besonders die höfliche, freundliche Art der Einheimischen auf. Stets werden wir nett, zuvorkommend und dennoch unaufdringlich behandelt. Die Albaner, so unser erster Eindruck, sind sehr angenehme Zeitgenossen. Ziemlich unpassend ist mein Verhalten in einem Mini Markt in der Nähe des Stadions. Der albanischen Sprache unkundig, order ich mit zuvor aus dem mitgeführten serbischen Vokabelverzeichnis zusammengesuchten Vokabeln und dem Grundverständnis slawischer Wortstellung zwei Bier und werde erstmal derbst pissig und mürrisch bedient. Der Faux Pas wird mir erst Minuten später bewusst, siedend heiß gewinne ich die Erkenntnis, die unter diesen Umständen vermutlich unpassendste Sprache überhaupt angewandt zu haben.

Skhoder Skhoder

Mit untergehender Sonne sinken die Temperaturen schlagartig. Es ist plötzlich richtig kalt. Zurück im Hotel stellen wir fest, dass die Heizung nicht funktioniert und sich die Fenster nicht richtig schließen lassen. Es ist schweinekalt in der miesen Bruchbude. So ein Mist. Wir entscheiden uns dafür, den Abend in einer Kneipe zu verbingen und Karten zu spielen, um dann zu später Stunde hundemüde einschlafen zu können in unserer häßlichen kleinen Kühlkammer.
Die Idee ist gut, läßt sich aber nicht umsetzen.

Dämmerung in Skhodra, Albanien

Zwar gibt es an jeder Straßenecke Cafés und Restaurants, Bierstuben entdecken wir jedoch keine. Scheinen nicht so die Bierfans zu sein, die Leute in Skhodra. Und die Stromleitungen scheinen nicht so die Freunde der niedrigen Temperaturen zu sein. Da die meisten Wohnungen keine Heizungen haben und von elektrischen Wärmestrahlern bzw. Klimaanlagen beheizt werden, brechen die Leitungen ganz gern mal zusammen. Kaum ist es dunkel, hagelt es Stromausfälle in der Stadt. Da macht das Streunern durch Skhodra keinen Spaß, wenn man die Hand vor Augen nicht sieht und ständig Gefahr läuft, sich abzuledern, zu stolpern oder in einem tiefen Schlagloch zu verschwinden.

Zurück im Hotelzimmer, welches diese Bezeichnung nicht verdient, stapeln wir alle auffindbaren Wolldecken über uns. In voller Montur und mit jeweils vier übereinander geschichteten Decken reisen wir schließlich ins Dreamland.

Tag4, Dienstag: Tirana (AL)

Skodra - Eisiges Erwachen im Hotel Rozafa Irgendwie witzig, wie wir aufwachen und uns über die wärmenden Sonnenstrahlen freuen. Der Bus steht bereits, unmittelbar vor dem Hotel Rozafa Skhoder zur Abfahrt bereit, also nichts wie hin. Die Taschen werden in das Gepäckfach geworfen und dann nehmen wir Platz. Und warten. Der Bus fährt erst ab, als er fast komplett gefüllt ist. Der Fahrer und sein Kompagnon sprechen jeden Passanten an, die beiden verhalten sich wie aufdringliche Taxifahrer. Und ist es recht. Umso schneller kann es losgehen. Während der Fahrt schlendert der Busbegleiter den Gang entlang und sammelt die Kohle ein. 250,- Leki pro Nase, knapp 2,50 Euro. Wieder fällt auf, dass Touristenbeschiss unehrenhaft ist. Die Albaner sind sehr korrekt. Versehentlich geben wir zuviel Geld und bekommen den Überschuß prompt zurück. Wir hätten den Irrtum niemals bemerkt, das weiß der Geldeintreiber garantiert auch. Blick aus dem Fenster, Hotel Rozafa, Skhoder

Die Metalität der Albaner will nicht so recht mit dem Bild über das Volk der Skipetaren, dass in unserer heimischen Gesellschaft vermittelt wird und vorherrschend ist, zusammen passen. Die Fahrt nach Tirana dauert mit dem Bus ungefähr anderthalb Stunden und ist kurzweilig. Von Skhoder nach Tirana fahren täglich zwei bis drei Züge, die Fahrt dauert jedoch locker vier bis fünf Stunden. Eine Anreise nach Albanien mit dem Zug ist aus dem Ausland nicht möglich. Es gibt keine Schienenverbindung, die außer Landes führt. Eine einzige Güterverbindung besteht ins montenegrinische Podgorica. Busfahren ist wesenlich praktischer. Man kommt überall hin, für wenig Geld. Zugfahren dauert ewig und das Schienennetz ist auf das Notwendigste beschränkt. Die Hauptachsen sind Skhodra-Tirana, Tirana-Durres und Durres-Pogradec (am Ohridsee gelegen).

Die an uns vorüberziehende Landschaft ist hübsch und interessant. Leider total vollgemüllt. Überall türmen sich Abfallhaufen. Dürfte im Sommer ganz schön stinken, der ganze Dreck und Unrat.

Auf den Straßen ist auf dem Land wenig los, es gibt kaum Individualverkehr. Dieser war bis Anfang der 90er generell verboten. Privatpersonen durften keine Autos besitzen. Selbst als Tourist, pro Jahr wurden nur circa 10.000 Einreisegenehmigungen erteilt, mussten Reisende ihren Wagen an der Grenze abstellen. Besatzungen ankommender Reisebusse wurden in Busse der staatlichen Reiseorganisation Albtourist umgesetzt und die Busse ebenfalls an der Grenze behalten. Einige solcher Sammelplätze gab es außerdem in Tirana und Durres. Umso überraschender ist die Tatsache, dass auf albanischen Straßen nahezu ausnahmslos Nobelkarossen unterwegs sind. Zur Hälfte Mercedes Benz Limousinen, von der C-Klasse bis zur S-Klasse, von alt bis neu. Die meisten sind jedoch neu. Und in optisch und vermutlich auch technisch optimalen Zustand. Vor allem der optisch perfekte Zustand ist angesichts der staubigen Straßen und Pisten nur schwer aufrechtzuerhalten. Allerdings gibt es alle paar Kilometer Waschanlagen. Na ja, was heißt hier Waschanlage. Ein Gartenschlauch, ein Eimer Seifenwasser, fleißiges Personal und ein Café, in dem sich der Fahrzeugbesitzer während der Säuberung die Zeit vertreiben kann. Über mangelnden Umsatz brauchen sich diese Wäschereien trotz enormer Konkurrenz nicht beklagen, denn die Albaner legen allergrößten Wert auf ihre PKW. Außer den angesprochenen Mercedes Benz tummeln sich überwiegend BMW, Audi und Geländefahreuge auf den Straßen. Albaner wissen, was gut ist.

In Tirana angekommen inspizieren wir zunächst die Umgebung des Busbahnhofs, welcher sich übrigens genau neben dem Hauptbahnhof befindet. In der Bahnhofsgegend sieht es derbst bronxig aus. Bei Sonnenschein, tagsüber, ein Platz, der uns sehr gut gefällt und zum Mittagessen einlädt. Ansonsten eher ein Ort, um den man intuitiv einen großen Bogen macht.
Auch hier ist der Müll wieder allgegenwärtig. Würg!

Mittagspause Tirana, Gegend um den Hauptbahnhof herum Bahnhofsgegend, Tirana Bahnhofsgegend, Tirana
Gut gestärkt stellen wir uns einem Problem. Dem der mangelnden Unterkunft. Aus dem Internet war wenig bis überhaupt nichts in Erfahrung zu bringen. Lediglich von einem Backpacker-Hostel hatten wir gehört. Ansonsten nur viel zu teure Nobelabsteigen gefunden. Da wir aber low-budget-mäßig unterwegs sind, kommt keine der im www betrachteten Bleiben in Frage. Spontan latschen wir einfach mal los und finden nach wenigen Gehminuten Richtung Zentrum ein kleines, gar nicht mal so hässliches Hotel. Wir werfen einen Blick hinein und werden sofort von einem italienisch aussehenden und sprechenden Typen gefragt, was wir hier so krumm um die Herberge herumschleichen. Wenig später beziehen wir unser spartanisches, ungeheiztes aber sauberes Zimmer. Mit Glotze und Klimaanlage, die umgehend auf den Heating Modus gestellt wird. Für 20,- Euro pro Nacht. Eine Nacht im Schlafsaal des Hostels hätte genauso viel gekostet. Glück gehabt! Tirana, rotte Straße Ein waschechter Supermarkt, Bingo!

Wir legen nur kurz unser Gepäck ab und laufen los. In der Nähe entdecken wir, zum ersten Mal in Albanien, einen waschechten Supermarkt. Mit großem Sortiment, Einkaufswagen und so. Geöffnet bis 22 Uhr. Bingo.

Am Hauptplatz der albansichen Hauptstadt, dem Sheshi Skënderbej (Skanderbergplatz), sind wir förmlich geplättet. Hier ist die Hölle los. Auf den Straßen das totale Chaos, überall Menschenmassen und Lärm aus allen Richtungen.

Tirana Tirana Tirana
Tirana Hotel Tirana, Tirana Tirana Tirana

Buzz und ich haben ein weiteres selbstgestecktes Ziel erreicht, nämlich endlich auf dem Skanderbergplatz in Tirana zu sitzen. Wir sind überwältigt und schwer begeistert.
Und müssen uns setzen.
Um den Moment gebührend zu würdigen und aufzusaugen.

Tirana
Buzz und Tomasz in Tirana, Sheshi Skënderbej, Skanderbergplatz Sheshi Skënderbej Sheshi Skënderbej Sheshi Skënderbej Wissen gar nicht recht, wo wir hinsehen sollen. Zu den albanischen Mädels sei an dieser Stelle gesagt, dass die größtenteils ausgesprochen ansehnlich sind. Im Sommer weiß man, denke ich mal, überhaupt nicht, wo man hinschauen soll. Habe schon viel von den optischen Reizen der Albanerinnen gehört und gelesen. An den Gerüchten ist definitiv etwas wahres dran! Sheshi Skënderbej, Tirana, Denkmal zu Ehren Skanderbergs
Tirana Lanë (Lana)-Fluss, Tirana Am Enver-Hoxha-Mausoleum wird uns der Einlass verwehrt. Angeblich schon geschlossen. Latte.
Wir setzen uns davor und sehen den spielenden Kindern zu, die immer wieder raufklettern und dann fulminant herunterrutschen.
Enver-Hoxha-Mausoleum, Tirana, Albanien Enver-Hoxha-Mausoleum, Tirana, Albanien Tomasz vorm Enver-Hoxha-Mausoleum, Tirana, Albanien
Rechts einige Fotos von unserem Rundgang durch die albanische Hauptstadt. Bulevardi Dëshmorët e Kombit Bulevardi Dëshmorët e Kombit Universität Tirana, Albanien Nationalstadion von Albanien, Tirana, Stadiumi Kombetar "Qemal Stafa" Klare Ansage!!! Tony Hawk rules!
Andi is gay!
Die Sonne geht zu früh unter, die Temperaturen purzeln. Buzz und ich machen uns auf zu einem Supermarkt. Extrem gute Auswahl an Oliven. Unschlüssig stehen wir vor den verschiedenen Sorten und können uns nicht entscheiden. Da werden wir von einem Angestellten, geschätzte zwanzig Jahre alt, auf englisch angesprochen, ob er uns behilflich sein könne. Und läßt uns von jeder Sorte kosten.Typisch Albanien. Kaum sind wir aus dem Supermarkt raus, gehen wir durch ein Wohngebiet und werden schon wieder freundlich befragt. Woher wir kommen, was wir in Albanien treiben und so weiter. Alex hat selbst einige Jahre in Deutschland gelebt und lädt uns in ein Café ein. Widerstand zwecklos. Von Alex Tirana erfahren wir eine Menge über das Leben in Albanien und seiner Hauptstadt.
Interessant, interessant, wie hier der Hase läuft. Almählich wird uns die Gastfreundschaft der Albaner unheimlich.
Buzz, Alex Tirana, Tomasz Buzz, Alex Tirana, Tomasz
Wir verabschieden uns herzlich von unserer Bekanntschaft, die sich strikt weigert, Geld für die getrunkenen Bier anzunehmen. Er hat uns eingeladen, basta. Der Abendspaziergang durch Tirana führt uns zu einem Kiosk, dessen Besitzer uns hereinbittet. Auf seinem TV läuft das CL Hinspiel zwischen dem FC Porto und Schalke 04. Gucken wir uns in seinem Laden an. Tirana, Skanderbergplatz Tirana, Skanderbergplatz Tirana, Straße vor unserem Hotel

Fussballverrückt sind die Albaner auf jeden Fall. An jeder Straßenecke gibt es (Wett-) Lokale, in denen auf mehreren Mattscheiben die verschiedenen Champions League Partien gezeigt werden. Zurück in unserer Bude schmeißen wir die Klimaanlage an und reisen ins Dreamland.

Tag5, Mittwoch: Durrës (AL)

Tirana Tirana Tirana

Mit dem Bus fahren wir an die Adria, nach Durrës. Fahrtpreis: 1,- Euro pro Person.

Die Fahrt dauert eine knappe Stunde und führt über eine hervorragende, anscheined recht neue Autobahn. Eselkarren, Fahrräder und Fußgänger erfreuen sich ebenfalls am tollen Asphalt.
Leider fährt der Bus direkt ins Zentrum der wichtigsten Hafenstadt Albaniens und nicht zum beliebten Stadtstrand, Plazhi i Durrësit.

Im Zentrum spuckt uns der Bus aus und wir stehen planlos da. Am Hafen. Hier kommen die Fähren aus Italien an, was man rasch an den Geschäften der Umgebung bemerkt. Überall Tourismusagenturen und Fahrkartenverkaufsstellen. Keine Supermärkte, keine Birekbuden, so ein Scheiß. Wir latschen immer am Hafengelände entlang bis wir auf eine Uferpromenade treffen. Strand? Fehlanzeige. Durrës Durrës Durrës Durrës
Dafür erblicken wir imposante Müllanhäufungen. Alles total verdreckt und zugemüllt, würg.
Nach einer Stunde strammen Marsches finden wir ein uns zusagendes Plätzchen am Meer und relaxen. Für Mitte Februar unerwartet warme Tempreaturen lassen uns den Tag an der Adria stilecht genießen, auch wenn es für ein Bad in den Fluten leider noch nicht reicht.
Durrës Durrës Durrës Durrës
Durrës Durrës Durrës

Prinzipiell sieht die Adriaküste bei Durres ja durchaus reizvoll aus, aber der Müll nervt total.

Besonders einladend sieht die Ufergegend nicht aus.

Aus der Entfernung hübsch, bei näherm Hinsehen einfach nur eklig.

Durrës
Während wir gemütlich in der Sonne chillen und uns die Zeit mit Wassertreten vertreiben, taucht plötzlich ein Froschmann direkt vor uns aus den Fluten auf. Wir erschrecken uns direkt, so unvermittelt erscheint der Typ. Durrës - Swamp Thing
Durrës, Hafen Durrës, Pier Durrës Durrës

Bis Sonnenuntergang lümmeln wir anschließend auf einem gammeligen Betonpier herum. Tolle Aussicht, verhältnismäßig wenig Müll.
Hier läßt es sich bestens aushalten. Beim Blick auf die Hafenanlagen muss ich an die Nachrichtenbilder denken, die mich zum ersten Mal Albanien an sich wahrnehmen lassen haben.

Anfang der 90er war das, und auf der Mattscheibe wurden bewegende Bilder von verzweifelten Menschen gezeigt, die alles zurückließen und auf verotteten Rostkähnen verzweifelt die Adria zu überqueren versuchten. Um auf dem Stiefel das Glück zu suchen. Die Situation in Albanien muss damals echt mies gewesen sein. Hier von Durres aus stachen nahezu täglich Seelenverkäufer in See.
Die Zeiten sind inzwischen gottlob vorbei und ich habe das Gefühl, dass es sich in Albanien mittlerweile gar nicht so schlecht leben läßt.

Durrës, Sonnenuntergang Durrës Durrës

Zurück nach Tirana nutzen wir einen der seltenen Züge. Alte deutsche Waggons in desolatem Zustand. Die Scheiben sind gänzlich demoliert, mit etlichen Sprüngen versehen. Wenigstens lassen sie sich herunterziehen, so dass wir bei der Abfahrt ungehindert hinaus sehen können. Wir fahren vorbei an Slums, man muss das Kind beim Namen nennen, und eine andere Bezeichnung verdienen die improvisorisch zusammengebastelten Behausungen nicht. Das Leben ist nicht überall im Land lebenswert. Plötzlich werden wir von einem alten Mann, der einzige, der sich den Waggon mit uns teilt, eindringlich gebeten, die Scheibe wieder hochzuziehen und uns vom Fenster fernzuhalten, wenn wir keinen Stein an die Rübe geschmettert bekommen wollen. Hinter der Fassade geht es in gewissen Gegenden anscheinend noch immer rauh zur Sache.

Alt werden wir nicht mehr. Ab ins Dreamland.

Tag6, Donnerstag: Skopje (MK)

Heute nehmen wir Abschied von Tirana, einer Stadt, die uns sehr gut gefällt. Hier ein tolles Panoramafoto von Tirana

Tirana Tirana Unser Aufenthalt endet dort, wo er begann, am Bahnhof bzw. in der umliegenden Gegend. Dort verspeisen wir die ersten Bireks. Haben uns zuvor insgesamt 20 Stück als Reiseproviant besorgt.
Am ZOB (besser gesagt: auf dem Schotterplatz beim Hauptbahnhof) steht bereits um halb neun der Reisebus nach Makedonien mit laufendem Motor bereit. Eine Fahrkarte Tirana - Skopje kostet 15,- Euro.
Snidane Tirana Mainstation

Um kurz vor neun sitzen wir bereits im Bus nach Skopje. Von außen sieht das Gefährt ganz okay aus, von innen ist es verwarzt. Für die circa 400 Kilometer prophezeien wir etwa sechs Stunden Fahrtzeit. Nach unseren Berechnungen werden wir also am mittleren Nachmittag in der makedonischen Hauptstadt ankommen und vor Ort entscheiden, ob wir für eine Nacht in Skopje bleiben oder nicht. Zeit für eine Stadtbesichtigung, so hoffen wir zumindest, wird auf jeden Fall drin sein.

Anstatt der Ausschilderung nach Elbasani zu folgen, fährt der Bus zunächst einen Schlenker (Umweg von locker 50Km!) Richtung Durres, um in Plazhi i Durrësit nach nur 40 Minuten Fahrtzeit die erste Pause einzulegen und drei weitere Fahrgäste einzusammeln. Einen Opa und eine Mutti mit einem seltsam vergnarzt ausschauenden kleinen Jungen. Wenigstens können wir der ungewollten zwanzigminütigen Pause wegen den Strand von Durres genau unter die Lupe nehmen und für angenehm feinsandig befinden. Allerdings läßt die Wasserqualität stark zu wünschen übrig, und das bereits im Februar. Plazhi i Durrësit Plazhi i Durrësit Plazhi i Durrësit

Nach zwei Stunden halten wir schon wieder an. Während der Fahrt vertreibe ich mir die Zeit damit, abwechselnd wie ein Esel aus dem Fenster zu gucken und den kleinen, unglaublich vergnarzten Buben ungläubig anzustarren. Muss mir nicht unangenehm sein, schließlich gafft der Lütte mich nicht minder auffällig und verwundert an. Wir glotzen uns also meist gegenseitig an, zwischen uns nicht mehr als eine Rückenlehne eines morschen Bussitzes.

Während des Stopps wird der Bus gereinigt und Buzz und ich schauen uns die vielgepriesene Bergwelt Albaniens an. Schöne Landschaft, aber wie immer: alles derbst zugemüllt.

Zwischenstopp Tirana - Skopje

Die Albaner haben wir echt in unser Herz geschlossen, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und Korrektheit, wohin wir auch kamen. Kleinkriminalität ist faktisch nicht vorhanden. Super Reiseland also! Woran es dem Volk jedoch ganz klar mangelt: an einem Mindestmaß Umweltbewusstsein!
Den Betreiber der Gaststätte am Rastplatz sehen wir sein Lokal durch eine Hintertür verlassen. Mit einer Schubkarre. Voll Müll. Den karrt er über sein Grundstück zum Fluss. Kippt ihn herein und verschwindet wieder. Abfallentsorgung auf albanisch.

Abfallentsorgung auf albanisch Abfallentsorgung auf albanisch

Via Elbasani erreichen wir, nachdem der altersschwache Bus sich im Schneckentempo über diverse Pässe und Serpentinen gequält hat, die albanisch - makedonische Grenze oberhalb des Ohridsees bei Pogradec. Hier ist wenig bis überhaupt nichts los, dennoch dauert die Abfertigung eine knappe Stunde. Die Einschätzung, Skopje gegen 15 Uhr zu erreichen, erweist sich als totaler Blödsinn. Mittlerweile ist es 16 Uhr, wir sind seit sieben Stunden unterwegs und haben 350 Km hinter uns gebracht. Und dann hält der Bus wieder an. In der Wallachei an einem Honigverkaufsstand, an einem Rasthof und letzten Endes in Tetovo.

Dort müssen wir, die bis Skopje wollen, in einen anderen Bus steigen.

Willkommen in Makedonien...

Um 18 Uhr erreichen wir Skopje. Nach neun Stunden sind die 400Km endlich zurückgelegt, unglaublich. Was nun? Das Wochenende wollen wir in Sofia verbringen, da das dortige Nachtleben sensationell gut sein soll und ich bereist im Vorfeld der Reise eine Unterkunft gebucht habe. Im ZOB finden wir den Hinweis, den wir brauchen. Um 23 Uhr fährt der Eurolines Bus aus Frankfurt am Main nach Sofia ab, Preis pro Person: 20 ,-$. Gebongt.

Außerdem dürfen wir unser Gepäck am Schalter lassen und weitere 20$ in Makedonische Dinar wechseln. Zu einem für uns absolut genialen Kurs, wie wir später bemerken. Da kannte sich der Typ wohl nicht so gut mit den aktuellen Wechselkursen aus, he he. Nun haben wir fünf Stunden Zeit, Eindrücke zu sammeln und latschen als erstes in ein Wohngebiet. Sehr schöne, gepflegte Platten gibt es hier, in der unmittelbaren Umgebung des Bahnhofs. Und mehrere, bis 22h geöffnete Minimarkets. Bingo. Ich order ein paar Bier und was zu futtern. Auf polnisch. Und ich werde recht gut verstanden. Was ich nicht verstehe, ist dass die Verkäuferin sich, wie auch in Serbien und Rumänien üblich, so sehr wegen der Pfandflaschen anpisst. Ich bekomme die Buddeln nur unter dem Versprechen, diese gleich wieder an Ort und Stelle abzugeben, ausgehändigt. Später finden wir leere Flaschen und können in den Mehrwegkreislauf eintauchen. So sind wir örtlich ungebunden und machen einen großen Rundgang, bis zur Vardar, nachdem der recht bekannte lokale Fussballklub Nummer eins benannt ist: Vardar Skopje. Skopje, Bahnhof
Platten in der Nähe des Bahnhofs Der Abendspaziergang gefällt uns. Die fünf Stunden des Asselns sind beinahe zu schnell vorüber. Um 23 Uhr steigen wir in den Bus. Es war nett in Skopje! An der Vardar, Skopje VARDAR ! ! ! An der Vardar, Skopje Bahnhofsvorplatz, Skopje

Tag7, Freitag: Sofia (BG)

Glücklicherweise haben wir jeder zwei Plätze, auf denen wir es uns so bequem wie möglich machen können. Nach leichtem Stress mit dem Busbegleiter dämmern wir vor uns hin. Ich lasse meinen Kopf, an die Scheibe gelehnt, vibrieren und denke abwechselnd an alles mögliche und an nichts. Buzz vegetiert vor sich hin und hört Musik aus seinem MP3-Player. Hätte ich auch gern dabei, Mist, vergessen mitzunehmen.

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die makedonisch-bulgarische Grenze, wo die Abfertigung sich insgesamt über eine Stunde hinzieht und wir Wasser ablassen können. Überflüssig zu erwähnen, wie mies die Pissoirs aussehen. Also ab in die Botanik. An dem Abfertigungshäusschen kleben übrigens überall Plakate mit mehrsprachigen Informationen und Rufnummern, die einem bei Problemen mit den Grenzbeamten weiterhelfen sollen. Und sicherlich auch etwas bringen.

Morgens um halb sechs erreichen wir die bulgarische Hauptstadt, genauer gesagt den ZOB, direkt am Hauptbahnhof situiert. Die Zeitumstellung, plus eine Stunde, kommt uns dabei sehr gelegen. Eine Stunde weniger, die wir asselnd und auf die Bezugszeit unseres Hotelzimmers wartend verbringen müssen.

Zwischenstopp in Santa Nirgendwo, Bulgarien Aus dem Bus herausgefallen stehen wir schlaftrunken und planlos herum. Sehen uns gegenseitig vergnarzt an. In der Hoffnung, der andere würde schon eine Idee haben, was jetzt am besten zu tun sei. Keiner von uns beiden hat eine Eingebung, also inspizieren wir als erstes mal den Hauptbahnhof, erfolglos nach einem Stadtplan Ausschau haltend. Kaum stehen wir verpeilt in der großen, ostigen Halle herum, werden wir von einem freundlichen Bahnangestellten gefragt, wie er uns helfen könnte. Wir erkunden uns nach einer Wegbeschreibung zur Pop Bogomil Straße, wo sich unsere Bleibe befindet. Er meint, die Straße sei irgendwo im Zentrum und eine Taxifahrt koste so an die sechs Euro. Hmm, scheint also ganz schön weit weg zu sein vom Bahnhof, das Hotel Enny.
Zeit haben wir genug, also latschen wir einfach mal spontan los, Richtung Innenstadt.
Sofia erwacht... Sofia erwacht... Sofia erwacht... Das nennt man dann vergnarzt drauf sein... Besonders fit sind wir nicht. Eisig, vergnarzt und irgendwie zombiemäßig trotten wir durch das almählich erwachende Sofia und haben im Prinzip überhaupt kein Ziel. Wir wissen ja gar nicht, wo sich die Pop Bogumil Straße vor uns versteckt hält. Um neun erstehen wir an einem Kiosk einen Stadtplan, erspähen die Adresse und latschen hin. Leck mich!
Hätten wir auch einfacher haben können, und zwar wenn wir auf direktem Weg vom Bahnhof ins Zentrum gegangen und nicht so einen unlogischen Zick-Zack-Kurs marschiert wären. Dann nämlich wären wir direkt an der Adresse und einem Hinweisschild mit der Aufschrift "Hotel Enny * * *" vorbeigelatscht. Das Hotel ist komplett ausgebucht, der Zimmerbezug kann frühesten um halb eins vollzogen werden. Wenigstens dürfen wir unsere Hüpferlitaschen deponieren. Noch drei Stunden gilt es zu überbrücken. In einem Park waschen wir uns und bemerken, dass das aus den Hähnen sprudelnde Wasser verdammt gut schmeckt und anscheinend extrem beliebt bei den Einheimischen ist. Hier werden wir in den nächsten Tagen unsere Trinkwasserversorgung managen. Morgentoilette Lecker Heilwasser!

Auf einer Parkbank ratzen wir ein und träumen irres, wirres Zeug.

Gegen elf machen wir einen Erkundungsgang durch die Stadt und freuen uns, da zu sein. Sofia gefällt uns ausgezeichnet.

Thermalbad im Herzen der Stadt Sofia, Zentrum Moschee im Zentrum
Sofia Sofia Sofia ÖPNV Studium Sofia Nebenbei machen wir uns schon mal mit dem ÖPNV vertraut und versuchen, das System zu checken. Nicht so einfach, so verpeilt und vergnarzt, wie wir drauf sind. Im Hotel Enny entscheiden wir uns entgegen der Reservierung für ein DZ mit eigener Dusche und eigenem Klo. Zehn Euro Aufpreis, das ist es uns wert. Nach ausgiebiger Dusche pennen wir binnen weniger Minuten hundemüde ein. Schlafen durch bis 18 Uhr. Sofia am Abend

Freitagabend in der Hauptstadt Bulgariens, das feiern wir natürlich. Auf unserem Hotelzimmer hängen wir ab, ehe es kurz nach Mitternacht mit einem Taxi in einen Vorort namens Studentski Grad geht. Dort befinden sich etliche Diskotheken. Drei davon besuchen wir. Versacken bis in die frühen Morgenstunden. Das Nachtleben in Sofia ist vielfältig und reizvoll. Das Angebot an Locations, vor allem für uns als Touris, kaum überschaubar.

Party im Hotel Enny, Sofia Party im Hotel Enny, Sofia Party im Hotel Enny, Sofia

Tag8, Samstag: Sofia (BG)

Es ist ganz klar, das wir alles andere als fit und zeitig erwachen. Am frühen Nachmittag schwingen wir unsere müden Knochen aus den unbequemen und zu kurzen Betten und latschen zu einem Supermarkt. Frühstücken bzw. brunchen. Der große Stadtspaziergang durch Sofia bestätigt die gestern in vergnarztem Zustand gesammelten ersten Eindrücke. Es gibt einiges zu sehen, die Stadt ist hübsch. Die Einheimischen sind meist ostig korrekt, höflich und teils sogar freundlich und lächelnd. Eine wirklich angenehme, saubere und sympathische Stadt.

Samstagabend in Sofia. Gestern hatten wir bereits einen Vorgeschmack vom ausschweifenden Nightlife in Sofia bekommen. Logisch, wir müssen wieder um die Häuser ziehen. Im Zentrum soll sich eine 80er/90er Disco mit gepflegtem Klientel befinden, die wollen wir zu später Stunde antesten. Zunächst allerdings wollen wir erstmal in Stimmung kommen. Die Glotze im Hotelzimmer verfügt über Pro7 und ARD, nicht schlecht. Sportschau! Und danach "Verstehen Sie Spaß?" mit dem Moderations-Urgestein Frank Elstner. Cool! Wer da nicht auf Touren kommt, ist selbst schuld.

Die Disco entpuppt sich als absoluter Volltreffer! Perfekte Mucke, nettes Publikum, nette Räumlichkeiten.

Morgens um fünf leert sich der Laden dramatisch, weshalb Buzz und ich schweren Herzens dem Trend folgen und die Segel streichen. Supergeiler Laden. Der Name ist mir mittlerweile leider dennoch entfallen.

Tag9, Sonntag: Sofia (BG) - Witoscha Nationalpark (BG)

Heute wollen wir uns einfach nur von den Strapazen der letzten Tage erholen. Und versuchen, auf einen der umliegenden Berge zu gelangen. Auf dem Stadtplan sind die Verbindungen des ÖPNV verzeichnet, optimal. Mit der Straßenbahn fahren wir bis aus dem Zentrum heraus bis zur Endstation.

Dort plündern wir einen Imbiss. Welch Unterschied zu den Preisen in der Innenstadt, heftig.

Sofia, Zentrum Für einen echt fetten Sandwich drücken wir läppische 1,25 Lewa ab. 1,25 DM also. Das Sandwich ist ein halbes Baguette, gefüllt mit zwei Köftes, Fritten, Gurkenscheiben und Ketchup. Da langen Buzz und jeweils doppelt zu. Der Typ, der uns das Essen zubereitet und verkauft, ist sehr freundlich und nett. Strahlt uns an mit seinen blauen Augen und findet Deutschland total cool. Irgendwie scheint jeder in Bulgarien auf Deutschland abzufahren. Kommt uns als Touris natürlich gelegen. Vorort von Sofia Vorort von Sofia Bus in den Vitoscha Nationalpark

Ähnliche Erfahrungen hatten wir bereits im Sommer 2004 in Vidin, im äußersten Nordwesten Bulgariens an der Donau gelegen, sammeln dürfen.

Hier geht´s zum Reisebericht über den Sommerurlaub mit dem Rad in Rumänien, Serbien und Bulgarien.

Die Mägen knurren nicht mehr, wir können uns dem weiteren Transfer in die Bergwelt vor den Toren der bulgarischen Hauptstadt zuwenden. Die Bushaltestellen sehen herrlich, authentisch, ostig aus.
Wir lieben diesen osteuropäischen, böse Zungen nennen ihn morbiden, Charme. Schön bronxig, dieser Vorort. Wir erwischen tatsächlich den korrekten Bus, der uns zum Sessellift bringt. Im Bus sitzen viele andere Erholungssuchende.

Wir erkennen Sie an Wanderschuhen, funktionaler Kleidung und den obligatorischen Sonnenbrillen. Die meisten sind, vor allem verglichen mit uns, überraschend warm eingepackt. Egal. Weniger egal ist es mir, als nach wenigen Stationen eine Gruppe Teenager einsteigt und sich genau hinter mit hinsetzt. Es stört mich deshalb, weil direkt hinter mir das offensichtlich an irgendeiner Schnodderseuche leidende Alphamännchen der Gang laut schmatzend und kräftig durch den Mund atmend seinen Döner mit frischen Zwiebeln und ordentlicher Portion Knoblauchsauce mampfen muss. Der Sound ist ekelhaft, der zu mir von hinten herüberwehende Gestank zum Kotzen. Da muss ich jetzt durch. Viel ist nicht mehr dran an seinem Burger. Wenige Minuten später erreichen wir ohnehin unser Fahrtziel. Die Endstation, im Vitoscha Nationalpark. Nach wenigen Metern taucht der Sessellift auf.
Sessellift in Vitoscha Solche Bilder liebe ich!

Pro Person sind 6,- Lewa zu entrichten. Ab geht´s.

Die Fahrt zeiht sich endlos lang hin. Und ich dachte, die Fahrt mit dem Sessellift in Pec pod Snezkou würde viel Zeit in Anspruch nehmen und viele Höhenmeter komfortabel zu überwinden helfen. Da hatte ich mich getäuscht. Das hier verdient die Bezeichnung "Sessellift" wirklich! In der Mitte kurz umsteigen, dann geht es schon weiter. Immer weiter in die Höhe. Immer tiefer in die Kälte, in die Schneemassen. Die Polarexpeditionskleidung der Mitfahrer im Bus erscheint plötzlich angebracht.
Unter den Masten tummeln sich ins Tal bretternde Snowboarder und wir wundern uns darüber, dass diese Fahrt anscheinend nie enden wird.

Auf in die Berge, Vitoscha Nationalpark, Bulgarien Auf in die Berge, Vitoscha Nationalpark, Bulgarien Auf in die Berge, Vitoscha Nationalpark, Bulgarien Auf in die Berge, Vitoscha Nationalpark, Bulgarien

Oben angekommen sind wir schwer begeistert. Trotz der Kälte. Welch extremer Szenenwandel.

Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Vorhin noch standen wir im Pullover schwitzend in Sofia, nun frieren wir. Umgeben von einer schneeweißen Winterlandschaft. Vor einigen Tagen noch sind wir durch die Fluten der albanischen Adria gewandelt und heute das.
Wir sind geflashed, logisch.
Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien
Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien Auf dem Berg, Vitoscha Nationalpark, bei Sofia, Bulgarien

Lange halten wir es auf dem Hochplateau nicht aus, es ist erstens zu kalt und zweitens ist die letzte Abfahrt mit dem Sessellift hinab ins Tal für 16 Uhr angekündigt.

Und wir wollen hier oben auf gar keinen Fall überwintern. Schon gar nicht so unvorbereitet.

Hätten wir jetzt geegnete Klamotten, warme Schlafsäcke, Zelt, Isomatten, Grillanzünder für ein nettes, wärmendes Lagerfeuer und Proviant dabei, würden wir hier oben bleiben. Im Vitoscha Nationalpark vor den Toren Sofias, wo es uns sehr gut gefällt.

Sofia von oben Bronxige Haltestelle am Stadtrand von Sofia

Zurück im Tal hat der Imbiss leider schon geschlossen. Buzz und ich machen uns unverzüglich auf den Weg zum Bahnhof, um Fahrkarten nach Belgrad zu besorgen. Die Zugverbindung ist, wie so oft auf dem Balkan, schlecht. Die Verbindungen sind sehr spärlich gesäht und die Fahrt dauert einfach viel zu lange. Busfahren ist da wesentlich unkomplizierter und angenehmer.

Nach kurzem vergnarzt-verpeilten Umhergestolpere stehen wir vor der Ticketverkäufein, in einem kleinen containerähnlichen Kabuff und tragen unsere Wünsche vor.

Die Verkäuferin bemüht sich nach Kräften, das positive Bild, dass wir von den Bulgaren haben, zu ruinieren. Sie ist der Prototyp osteuropäischen Desinteresses. Die personifizierte Unfreundlichkeit. Ein Drachen. Ein Ekel. Erst tut sie so, als würde sie nicht verstehen. Dann so, als könne sie uns ohnehin nicht weiterhelfen. Schließlich reagiert sie gar nicht mehr auf meine Ansprachen und schaltet auf taubstumm. Kann ich auch. Puttsituation, wie im Sommer 2006 an der slowakisch-ukrainischen Grenze bei Uzhgorod.

Hier geht´s zum Bericht über den Sommerurlaub 2006, hier konkret zur Schilderung des Grenzprozederes..

Recht bald schnallt die Alte, dass ich erst dann abhauen werde, wenn sie uns die Tickets überreicht hat. Und schiebt uns die Fahrkarten über den Tresen. Knapp 40,- Euro für beide. Morgen früh um sieben Uhr fährt der Bus. Geschafft.

Nach einem letzten, leicht wehmütigen Abschiedsspaziergang hauen wir uns im Hotelzimmer hin und gucken Tatort, ARD sei Dank.

Tag10, Montag: Belgrad (SRB)

Sicher ist sicher, deshalb stehen wir bereits um halb sieben am Busbahnhof. Und bringen die letzten Lewa in den Witschaftskreislauf ein. Zum Abschied erwischen wir am Fornettistand tatsächlich eine freundliche Verkäuferin, unglaublich.

Sofia, Busbahnhof