Balkantour,
Februar 2008
(Best Viewed with Internet Explorer)
Tag1, Samstag: Bremen - Bratislava (SK) - Nove Zamky (SK) - Budapest (H)
Okay, hier der Bericht in chronologischer Abfolge.
| Mittags treffe
ich Buzz am Bremer Hauptbahnhof. In gut zwei Stunden wird uns der Billigflieger
Ryanair nach Bratislava, älteren Semester eventuell unter dem Namen
Preßburg bekannt, befördern. Für einen kurzen Stadtspaziergang
bleibt genug Zeit, denn wir haben aus dem Fehler vor der Reise nach Irland/ Nordirland im Mai 2007 gelernt. Damals sind wir gerade so eben noch und mit viel Glück durch die Abfertigung geflutscht. Anscheinend haben wir endlich mal kapiert, dass man sich ein Zeitpolster für unerwartete Zwischenfälle zugestehen sollte. |
|
Nur wenige Minuten nach dem Erwerb der Fahrkarten fährt der Zug schon ab. Die Suche nach einem Proviantbier verläuft in der kurzen Zeit erfolglos. Der Kiosk direkt am Bahnsteig verfügt zwar über eine Zapfanlage und reichlich Topvar-Reklame, die ehemals sprudelnde Bierquelle indes ist, so scheint uns, leider inzwischen versiegt. Das war vor knapp zwei Jahren, im Sommer 2006 anders. Hier geht es zum Reisebericht des Sommers 2006 (D-A-SK-UA-H-CZ). Bratislava hatte uns damals überhaupt recht gut gefallen. Hier geht es zu einer Bilderseite von der slowakischen Hauptstadt. Die Bilder rechts sind übrigens der angesprochenen Bilderseite entnommen, stammen also von der Sommertour 2006. |
In Nove Zamky angekommen finden wir uns gut zurecht. Buzz hatte sich die Stadt vor einiger Zeit schon mal im Rahmen eines Tagestrips von Budapest aus angesschaut und für sehenswert befunden. Voilà, hier stehen wir nun, zu zweit. Nove Zamky empfängt seine Besucher mit einem überdimensionierten Bahnhof, in welchem sich eine stylishe Bahnhofsgaststätte befindet. Leider ist diese selbst für unseren Geschmack von zu assigen Eulen okkupiert, so dass wir uns nicht zu einem Willkommensfassbier in der Slowakei hinreissen lassen. Ohne die mit den Köpfen auf den Tischen ratzende Pennerszene und der daraus resultierenden, miesen und bedrückenden Gesamtstimmung wäre die Restauration eine echte Empfehlung. Vermutlich liegt es an den Minustemperaturen, dass das Lokal heute eine Art Obdachlosen- bzw. Assiasyl darstellt. Schade. Kaum haben wir den Bahnhof verlassen, schlendern wir durch stilechte, ansehnliche Platten Richtung Zentrum. Irgendwie gibt es in Nove Zamky nur Plattenbauten, abgesehen von dem winzig kleinen Altstadtkern. Im lokalen Lidl erstehen wir unser Abendessen und verzehren dieses frierend auf dem Namesti.
|
Um zwanzig nach zehn rollt der Eurocity tatsächlich ein.Wir haben ein Großraumabteil für uns alleine, werfen uns in Schale und feiern während der Bahnfahrt eine Party. |
Tag2, Sonntag: Budapest (H) - Belgrad (SRB) - Nachtfahrt im Schlafabteil nach
Montenegro
Via Novi Sad
erreichen wir letzten Endes die serbische Hauptstadt, mit zweistündiger
Verspätung. Uns bleibt eine gute Stunde, um Bargeld und Fahrkarten
für den Nachtzug nach Bar zu organisieren. Der Bahnhof von Belgrad
ist übrigens verhältnismäßig klein und sehr leicht
überschaubar. Hilfreich sind zudem die zweisprachigen (serbischen
und englischen) Schilder an den Gleisen, den Informationstafeln und Bezeichnungen
über den Ticketschaltern. Sehr löblich! Als erstes jedoch brauchen
wir Kohle, serbische Dinar.
Ein Bankomat ist schnell gefunden und so stehen wir wenig später vor einer genervten Bahnangestellten vor einem der Schalter für internationale Fahrkarten. Nachdem sie kapiert hat, dass ich sie erst mit einem Ticket in der Hand in Ruhe ihre Modezeitschrift weiterlesen lassen werde, versteht sie sogar englisch. Umgerechnet 43,- Euro wechseln den Besitzer. Es ist nicht zu fassen, beim Überreichen der Billets lächelt die Verkäuferin sogar.
Den Zug nach
Bar erkennen wir unter anderem am Autoanhänger. Scheint relativ leer
zu sein, der Nachtzug. Während der Badesaison geht auf dieser Verbindung
verläßlichen Quellen nach gar nichts ohne rechtzeitige Fahrkartenreservierung.
Heute, bei Minusgraden und im Februar, sieht die Sache anders aus.
Am Gleis nimmt uns ein Zugbegleiter in Empfang und fragt uns, wie wir
die Fahrt zu verbringen wünschen. Fremdsprachenkenntnisse sollte
man beim zugbegleitenden Personal definitiv nicht erwarten. Mein gebrochenes
polnisch reicht aus, um dem galanten Herren klarzumachen, dass wir gern
ein Schlafwagenabteil für uns alleine hätten. Der Preis dafür:
weitere 40,- Euro. Meine Frage, ob der Zug wie im Fahrplan angegeben so
gegen halb sieben in Bar eintreffen wird, findet er ziemlich komisch.
Lächelnd teilt er uns mit, dass wir uns besser auf neun Uhr einstellen
sollten.
Tag3, Montag: (BiH) - Podgorica (MNE) - Skutari See (MNE/AL) - Bar (MNE) - Muriqan (AL) - Shkoder/ Skutari (AL)
Die nötige Bettschwere kommt ganz von allein, kurz nach Mitternacht pennen wir endlich ein und frieren uns beinahe den Arsch ab auf unseren Pritschen in dem eisigen Tiefkühlabteil. Stylo aus dem Fenster gucken? Die Frage beantwortet sich von selbst. Mist, darauf hatten wir uns gefreut. Zwischenzeitlich durchfahren wir bosnisches Territorium, allerdings bekommen wir davon nichts mit. Lediglich ein Blick auf die Landkarte verrät uns, dass wir im Grunde den Länderpunkt Bosnien Herzegowina machen. Und die mobilen Telefone empfangen Willkommensgrüße bosnisch-herzegowinischer Netzbetreiber.
Zählt alles nicht, schade.
Bosnien
Herzegowina bleibt also ein weißer Fleck auf unseren persönlichen
Länderkarten.
Um halb vier klopft es an die Tür und ich schnelle wie ein geölter
Blitz aus meiner Pritsche empor. Innerhalb weniger Sekunden öffne ich
die Tür. Der Zugbegleiter teilt mir mit, dass wir bitte die Pässe
bereithalten sollen, wir befinden uns an der Grenze zwischen Serbien und Montenegro.
Die Ausreise aus Serbien verläuft ebenso unkompliziert wie die Einreise
nach Montenegro. Leider vergessen sowohl der serbische, als auch der montenegrinische
Beamte, Buzzs Reisepass abzustempeln. Wenn das man nicht noch zu Komplikationen
führt.
Die Stimmung ist phantastisch! Zwei Stunden hängen wir geflashed an den Bunkern herum, ehe es uns weiterzieht. Zum albanischen Grenzkabuff. Der Typ darin guckt uns neugierig an, verlangt die Pässe und pro Nase zehn Euro Einreisegebühr. Kommt für uns nicht unerwartet, allerdings hatten wir gehofft, den Staat abziehen zu können, indem wir statt der Euronen 20,-$ rüberwandern lassen. Keine Chance. Also wechselten 20,- Euro den Besitzer. Wenigstens bekamen wir dafür eine Quittung ausgestellt. Nach fünf Minuten waren wir drin. In Albanien. Cool! Finde ich übrigens ziemlich entspannt, dass Albanien kein Visum vorraussetzt und einfach zehn Euro pro Einreise haben will. Für den Reisenden ist das herrlich unkompliziert und für den Staat lohnenswert, da die Kohle komplett im Säckel landet, ohne dass der Großteil von der Bürokratie verzehrt wird.
Sofort hinter der Grenze werden wir von dem schwarzen, stolzen Doppeladler auf rotem Grund, der Landesfahne begrüßt. Dass die Albaner enorm patriotisch sind, fällt auf. Busse warten keine hinter dem Schlagbaum. Okay, ein Taxifahrer spricht uns an, ob er uns nach Shkodra fahren darf. Circa 16 Kilometer sind es dorthin. Wir lehnen ab. Erstmal wollen wir uns akklimatisieren und eingewöhnen, die Lage checken. Irgendwie werden wir schon hinkommen, auch ohne Geld für ein Taxi zu verpulvern.
Bei genauerem Hinsehen
stellen wir fest, dass wir in einen Schulbus eingestiegen sind. Kommen mit
einem Lehrer ins Gespräch, drücken dem Fahrer einen Euro für
die Beförderung in die Hand und werden von den neugierigen Kindern angestarrt
wie Außerirdische. Die Kinder machen keinen Hehl aus ihrem Interesse
an den seltsamen Freaks, die da am Arsch der Welt in ihren Schulbus gehüpft
sind. Die Mädels kichern albern herum und zwinkern uns zu, um sich anschließend
verlegen wieder wegzudrehen und noch lauter zu kichern. Die Jungs geben ihre
fremdpsrachlichen Kenntnisse zum besten und werfen uns Phrasen wie: "Where
are you from?", "What´s your name?", "Wie heißt
Du?", "Auf Wiedersehen!", "Hello Mister, how are you?"
an den Kopf. Natürlich allesamt wild durcheinander.
Aus den dröhnenden Lausprechern im Inneren des Busses werden wir zudem
mit landestypischer Popmusik beschallt. Die Fahrt hat Style, gar keine Frage!
In Skhodra angekommen
steigen wir beim Hotel Rozafa, dem ehemaligen Albtourist Hotel, aus. Sieht
ziemlich heruntergekommen aus, die Herberge. Hat sicher schon bessere Zeiten
gesehen, ist aber geöffnet. Also gehen wir hinein in die dunkle, kalte
Halle.
Die Rezeption ist verwaist, der Fahrstuhl außer Betrieb.
Endzeitstimmung. Das Hotel liefert einen idealen Drehort, sollte es eine Neuauflage
von "Die Klapperschlange" geben.
| Eine Schönheit ist Skhodra nicht gerade. Und der überall herumliegende Müll ist zum Kotzen. |
Außer dem Müll fällt uns besonders die höfliche, freundliche Art der Einheimischen auf. Stets werden wir nett, zuvorkommend und dennoch unaufdringlich behandelt. Die Albaner, so unser erster Eindruck, sind sehr angenehme Zeitgenossen. Ziemlich unpassend ist mein Verhalten in einem Mini Markt in der Nähe des Stadions. Der albanischen Sprache unkundig, order ich mit zuvor aus dem mitgeführten serbischen Vokabelverzeichnis zusammengesuchten Vokabeln und dem Grundverständnis slawischer Wortstellung zwei Bier und werde erstmal derbst pissig und mürrisch bedient. Der Faux Pas wird mir erst Minuten später bewusst, siedend heiß gewinne ich die Erkenntnis, die unter diesen Umständen vermutlich unpassendste Sprache überhaupt angewandt zu haben.
Zwar gibt es an jeder Straßenecke Cafés und Restaurants, Bierstuben entdecken wir jedoch keine. Scheinen nicht so die Bierfans zu sein, die Leute in Skhodra. Und die Stromleitungen scheinen nicht so die Freunde der niedrigen Temperaturen zu sein. Da die meisten Wohnungen keine Heizungen haben und von elektrischen Wärmestrahlern bzw. Klimaanlagen beheizt werden, brechen die Leitungen ganz gern mal zusammen. Kaum ist es dunkel, hagelt es Stromausfälle in der Stadt. Da macht das Streunern durch Skhodra keinen Spaß, wenn man die Hand vor Augen nicht sieht und ständig Gefahr läuft, sich abzuledern, zu stolpern oder in einem tiefen Schlagloch zu verschwinden.
Zurück im Hotelzimmer, welches diese Bezeichnung nicht verdient, stapeln wir alle auffindbaren Wolldecken über uns. In voller Montur und mit jeweils vier übereinander geschichteten Decken reisen wir schließlich ins Dreamland.
Tag4, Dienstag: Tirana (AL)
Die Metalität
der Albaner will nicht so recht mit dem Bild über das Volk der Skipetaren,
dass in unserer heimischen Gesellschaft vermittelt wird und vorherrschend
ist, zusammen passen. Die
Fahrt nach Tirana dauert mit dem Bus ungefähr anderthalb Stunden und
ist kurzweilig. Von Skhoder nach Tirana fahren täglich zwei bis drei
Züge, die Fahrt dauert jedoch locker vier bis fünf Stunden. Eine
Anreise nach Albanien mit dem Zug ist aus dem Ausland nicht möglich.
Es gibt keine Schienenverbindung, die außer Landes führt. Eine
einzige Güterverbindung besteht ins montenegrinische Podgorica. Busfahren
ist wesenlich praktischer. Man kommt überall hin, für wenig Geld.
Zugfahren dauert ewig und das Schienennetz ist auf das Notwendigste beschränkt.
Die Hauptachsen sind Skhodra-Tirana, Tirana-Durres und Durres-Pogradec (am
Ohridsee gelegen).
Die an uns vorüberziehende Landschaft ist hübsch und interessant.
Leider total vollgemüllt. Überall türmen sich Abfallhaufen.
Dürfte im Sommer ganz schön stinken, der ganze Dreck und Unrat.
Auf den Straßen
ist auf dem Land wenig los, es gibt kaum Individualverkehr. Dieser war bis
Anfang der 90er generell verboten. Privatpersonen durften keine Autos besitzen.
Selbst als Tourist, pro Jahr wurden nur circa 10.000 Einreisegenehmigungen
erteilt, mussten Reisende ihren Wagen an der Grenze abstellen. Besatzungen
ankommender Reisebusse wurden in Busse der staatlichen Reiseorganisation Albtourist
umgesetzt und die Busse ebenfalls an der Grenze behalten. Einige solcher Sammelplätze
gab es außerdem in Tirana und Durres. Umso überraschender ist die
Tatsache, dass auf albanischen Straßen nahezu ausnahmslos Nobelkarossen
unterwegs sind. Zur Hälfte Mercedes Benz Limousinen, von der C-Klasse
bis zur S-Klasse, von alt bis neu. Die meisten sind jedoch neu. Und in optisch
und vermutlich auch technisch optimalen Zustand. Vor allem der optisch perfekte
Zustand ist angesichts der staubigen Straßen und Pisten nur schwer aufrechtzuerhalten.
Allerdings gibt es alle paar Kilometer Waschanlagen. Na ja, was heißt
hier Waschanlage. Ein Gartenschlauch, ein Eimer Seifenwasser, fleißiges
Personal und ein Café, in dem sich der Fahrzeugbesitzer während
der Säuberung die Zeit vertreiben kann. Über mangelnden Umsatz brauchen
sich diese Wäschereien trotz enormer Konkurrenz nicht beklagen, denn
die Albaner legen allergrößten Wert auf ihre PKW. Außer den
angesprochenen Mercedes Benz tummeln sich überwiegend BMW, Audi und Geländefahreuge
auf den Straßen. Albaner wissen, was gut ist.
| Rechts einige Fotos von unserem Rundgang durch die albanische Hauptstadt. |
Fussballverrückt sind die Albaner auf jeden Fall. An jeder Straßenecke gibt es (Wett-) Lokale, in denen auf mehreren Mattscheiben die verschiedenen Champions League Partien gezeigt werden. Zurück in unserer Bude schmeißen wir die Klimaanlage an und reisen ins Dreamland.
Tag5, Mittwoch: Durrës (AL)
|
Mit dem Bus fahren wir an die Adria, nach Durrës. Fahrtpreis: 1,- Euro pro Person. Die
Fahrt dauert eine knappe Stunde und führt über eine hervorragende,
anscheined recht neue Autobahn. Eselkarren, Fahrräder und Fußgänger
erfreuen sich ebenfalls am tollen Asphalt. |
Zurück nach Tirana nutzen wir einen der seltenen Züge. Alte deutsche Waggons in desolatem Zustand. Die Scheiben sind gänzlich demoliert, mit etlichen Sprüngen versehen. Wenigstens lassen sie sich herunterziehen, so dass wir bei der Abfahrt ungehindert hinaus sehen können. Wir fahren vorbei an Slums, man muss das Kind beim Namen nennen, und eine andere Bezeichnung verdienen die improvisorisch zusammengebastelten Behausungen nicht. Das Leben ist nicht überall im Land lebenswert. Plötzlich werden wir von einem alten Mann, der einzige, der sich den Waggon mit uns teilt, eindringlich gebeten, die Scheibe wieder hochzuziehen und uns vom Fenster fernzuhalten, wenn wir keinen Stein an die Rübe geschmettert bekommen wollen. Hinter der Fassade geht es in gewissen Gegenden anscheinend noch immer rauh zur Sache.
Alt werden wir nicht mehr. Ab ins Dreamland.
Tag6,
Donnerstag: Skopje (MK)
Heute
nehmen wir Abschied von Tirana, einer Stadt, die uns sehr gut gefällt.
Hier
ein tolles Panoramafoto von Tirana
Um kurz vor neun sitzen wir bereits im Bus nach Skopje. Von außen sieht das Gefährt ganz okay aus, von innen ist es verwarzt. Für die circa 400 Kilometer prophezeien wir etwa sechs Stunden Fahrtzeit. Nach unseren Berechnungen werden wir also am mittleren Nachmittag in der makedonischen Hauptstadt ankommen und vor Ort entscheiden, ob wir für eine Nacht in Skopje bleiben oder nicht. Zeit für eine Stadtbesichtigung, so hoffen wir zumindest, wird auf jeden Fall drin sein.
| Anstatt der Ausschilderung nach Elbasani zu folgen, fährt der Bus zunächst einen Schlenker (Umweg von locker 50Km!) Richtung Durres, um in Plazhi i Durrësit nach nur 40 Minuten Fahrtzeit die erste Pause einzulegen und drei weitere Fahrgäste einzusammeln. Einen Opa und eine Mutti mit einem seltsam vergnarzt ausschauenden kleinen Jungen. Wenigstens können wir der ungewollten zwanzigminütigen Pause wegen den Strand von Durres genau unter die Lupe nehmen und für angenehm feinsandig befinden. Allerdings läßt die Wasserqualität stark zu wünschen übrig, und das bereits im Februar. |
Nach zwei Stunden
halten wir schon wieder an. Während der Fahrt vertreibe ich mir die Zeit
damit, abwechselnd wie ein Esel aus dem Fenster zu gucken und den kleinen,
unglaublich vergnarzten Buben ungläubig anzustarren. Muss mir nicht unangenehm
sein, schließlich gafft der Lütte mich nicht minder auffällig
und verwundert an. Wir glotzen uns also meist gegenseitig an, zwischen uns
nicht mehr als eine Rückenlehne eines morschen Bussitzes.
Während des Stopps wird der Bus gereinigt und Buzz und ich schauen uns
die vielgepriesene Bergwelt Albaniens an. Schöne Landschaft, aber wie
immer: alles derbst zugemüllt.
Um 18 Uhr erreichen wir Skopje. Nach neun Stunden sind die 400Km endlich zurückgelegt, unglaublich. Was nun? Das Wochenende wollen wir in Sofia verbringen, da das dortige Nachtleben sensationell gut sein soll und ich bereist im Vorfeld der Reise eine Unterkunft gebucht habe. Im ZOB finden wir den Hinweis, den wir brauchen. Um 23 Uhr fährt der Eurolines Bus aus Frankfurt am Main nach Sofia ab, Preis pro Person: 20 ,-$. Gebongt.
| Der Abendspaziergang gefällt uns. Die fünf Stunden des Asselns sind beinahe zu schnell vorüber. Um 23 Uhr steigen wir in den Bus. Es war nett in Skopje! |
Tag7, Freitag: Sofia (BG)
Glücklicherweise haben wir jeder zwei Plätze, auf denen wir es uns so bequem wie möglich machen können. Nach leichtem Stress mit dem Busbegleiter dämmern wir vor uns hin. Ich lasse meinen Kopf, an die Scheibe gelehnt, vibrieren und denke abwechselnd an alles mögliche und an nichts. Buzz vegetiert vor sich hin und hört Musik aus seinem MP3-Player. Hätte ich auch gern dabei, Mist, vergessen mitzunehmen.
Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die makedonisch-bulgarische Grenze, wo die Abfertigung sich insgesamt über eine Stunde hinzieht und wir Wasser ablassen können. Überflüssig zu erwähnen, wie mies die Pissoirs aussehen. Also ab in die Botanik. An dem Abfertigungshäusschen kleben übrigens überall Plakate mit mehrsprachigen Informationen und Rufnummern, die einem bei Problemen mit den Grenzbeamten weiterhelfen sollen. Und sicherlich auch etwas bringen.
Morgens um halb sechs erreichen wir die bulgarische Hauptstadt, genauer gesagt den ZOB, direkt am Hauptbahnhof situiert. Die Zeitumstellung, plus eine Stunde, kommt uns dabei sehr gelegen. Eine Stunde weniger, die wir asselnd und auf die Bezugszeit unseres Hotelzimmers wartend verbringen müssen.
| Aus dem Bus
herausgefallen stehen wir schlaftrunken und planlos herum. Sehen uns gegenseitig
vergnarzt an. In der Hoffnung, der andere würde schon eine Idee haben,
was jetzt am besten zu tun sei. Keiner von uns beiden hat eine Eingebung,
also inspizieren wir als erstes mal den Hauptbahnhof, erfolglos nach einem
Stadtplan Ausschau haltend. Kaum stehen wir verpeilt in der großen,
ostigen Halle herum, werden wir von einem freundlichen Bahnangestellten
gefragt, wie er uns helfen könnte. Wir erkunden uns nach einer Wegbeschreibung
zur Pop Bogomil Straße, wo sich unsere Bleibe befindet. Er meint,
die Straße sei irgendwo im Zentrum und eine Taxifahrt koste so an
die sechs Euro. Hmm, scheint also ganz schön weit weg zu sein vom
Bahnhof, das Hotel Enny.
Zeit haben wir genug, also latschen wir einfach mal spontan los, Richtung Innenstadt. |
|
Auf einer Parkbank ratzen wir ein und träumen irres, wirres Zeug. Gegen elf machen wir einen Erkundungsgang durch die Stadt und freuen uns, da zu sein. Sofia gefällt uns ausgezeichnet. |
|
Freitagabend in der Hauptstadt Bulgariens, das feiern wir natürlich. Auf unserem Hotelzimmer hängen wir ab, ehe es kurz nach Mitternacht mit einem Taxi in einen Vorort namens Studentski Grad geht. Dort befinden sich etliche Diskotheken. Drei davon besuchen wir. Versacken bis in die frühen Morgenstunden. Das Nachtleben in Sofia ist vielfältig und reizvoll. Das Angebot an Locations, vor allem für uns als Touris, kaum überschaubar. |
Tag8, Samstag: Sofia (BG)
Morgens um fünf leert sich der Laden dramatisch, weshalb Buzz und ich schweren Herzens dem Trend folgen und die Segel streichen. Supergeiler Laden. Der Name ist mir mittlerweile leider dennoch entfallen.
Tag9, Sonntag: Sofia (BG) - Witoscha Nationalpark (BG)
Heute wollen wir uns einfach nur von den Strapazen der letzten Tage erholen. Und versuchen, auf einen der umliegenden Berge zu gelangen. Auf dem Stadtplan sind die Verbindungen des ÖPNV verzeichnet, optimal. Mit der Straßenbahn fahren wir bis aus dem Zentrum heraus bis zur Endstation.
Dort plündern wir einen Imbiss. Welch Unterschied zu den Preisen in der Innenstadt, heftig.
Ähnliche Erfahrungen hatten wir bereits im Sommer 2004 in Vidin, im äußersten Nordwesten Bulgariens an der Donau gelegen, sammeln dürfen.
|
Hier
geht´s zum Reisebericht über den Sommerurlaub mit dem Rad
in Rumänien, Serbien und Bulgarien.
|
Die
Mägen knurren nicht mehr, wir können uns dem weiteren Transfer
in die Bergwelt vor den Toren der bulgarischen Hauptstadt zuwenden. Die
Bushaltestellen sehen herrlich, authentisch, ostig aus.
Wir lieben diesen osteuropäischen, böse Zungen nennen ihn morbiden,
Charme. Schön bronxig, dieser Vorort. Wir erwischen tatsächlich
den korrekten Bus, der uns zum Sessellift bringt. Im Bus sitzen viele andere
Erholungssuchende.
Oben angekommen sind wir schwer begeistert. Trotz der Kälte. Welch extremer Szenenwandel.
Hätten wir jetzt geegnete Klamotten, warme Schlafsäcke, Zelt, Isomatten, Grillanzünder für ein nettes, wärmendes Lagerfeuer und Proviant dabei, würden wir hier oben bleiben. Im Vitoscha Nationalpark vor den Toren Sofias, wo es uns sehr gut gefällt.
Die Verkäuferin bemüht sich nach Kräften, das positive Bild, dass wir von den Bulgaren haben, zu ruinieren. Sie ist der Prototyp osteuropäischen Desinteresses. Die personifizierte Unfreundlichkeit. Ein Drachen. Ein Ekel. Erst tut sie so, als würde sie nicht verstehen. Dann so, als könne sie uns ohnehin nicht weiterhelfen. Schließlich reagiert sie gar nicht mehr auf meine Ansprachen und schaltet auf taubstumm. Kann ich auch. Puttsituation, wie im Sommer 2006 an der slowakisch-ukrainischen Grenze bei Uzhgorod.
Recht bald schnallt die Alte, dass ich erst dann abhauen werde, wenn sie uns die Tickets überreicht hat. Und schiebt uns die Fahrkarten über den Tresen. Knapp 40,- Euro für beide. Morgen früh um sieben Uhr fährt der Bus. Geschafft.
Nach einem letzten, leicht wehmütigen Abschiedsspaziergang hauen wir uns im Hotelzimmer hin und gucken Tatort, ARD sei Dank.
Tag10, Montag: Belgrad (SRB)
Sicher ist sicher, deshalb stehen wir bereits um halb sieben am Busbahnhof. Und bringen die letzten Lewa in den Witschaftskreislauf ein. Zum Abschied erwischen wir am Fornettistand tatsächlich eine freundliche Verkäuferin, unglaublich.