Tag 10, 21.07.2004
Mittags halten wir es nicht mehr im heissen Schlafzimmer aus, jeder duscht eine Stunde lang, und zwar kalt. Wenig später ist der Schweiss wieder am Rinnen. Wir entschliessen uns für einen ausgiebigen Erkundungsspaziergang durch die Stadt. Auffällig ist, dass die Strassen so gut wie leer sind. Es sind kaum PKW unterwegs und wenn, dann sind diese bis auf den letzten Platz besetzt. Busse sind überfüllt und veraltet. Hier in Vidin ist es seltsam, die Stadt ist sehr bedeutend und dennoch ist hier nichts los. Es gibt kaum Geschäfte, keine grossen Märkte, keine flanierenden Fussgänger abgesehen von denen, die abends an der Donau entlanglaufen. Zum Glück gibts es direkt im Zentrum zumindest EC Automaten und einen Call-Shop, von wo aus wir für unschlagbare 1,05 Lewa nach Deutschland telefonieren können. Der Besitzer hat lange in Deventer(NL) gewohnt, wir unterhalten uns mit deutsch- niederländischem Kauderwelsch, was lustig ist, aber super funktioniert. Genau wie seine Telefone und sein Internet. Die sind nicht lustig, funktionieren aber hervorragend, im Gegensatz zu den praktisch nicht vorhandenen öffentlichen Fernsprechern. Das Hoteltelefon ist übrigens ebenfalls unbenutzbar für Auslandsgespräche. Vom Call-Shop Mann erfahren wir auch, dass es in der Stadt neuerdings ein Freibad geben soll, an der Strasse nach Sofia, am Stadtrand. Wir gehen zum Hotel, packen die Badesachen zusammen und latschen los.
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Vidin
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Vidin
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Donau
bei Vidin, gegenüber Rumänien
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Biergarten
in Vidin, Bulgarien
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Es
dauert eine ganze Weile, bis wir das Freibad entdecken. Ein Lewa pro Person
Eintritt, das ist angenehm. Die bulgarische Währung hat für uns
den Vorteil dass 1,95583 Lewa einem Euro entsprechen. Ein Lewa ist also eine
DM. Da entfällt die mühsame Rechenakrobatik. Das Bad ist klein,
neu und gerammelt voll. Wir freuen uns auf die Abkühlung und werden plötzlich
zurückgepfiffen, weil wir mit den Shorts nicht ins Becken dürfen.
Nur mit korrekter Badekleidung! Sowas hatten wir schon mal, in Liège,
wo es sogar Badekappenzwang und absolutes Ballspielverbot gab. Junge, haben
wir damals Aufsehen erregt als wir die Halle betraten... . Ganz so dramatisch
ist es heute nicht, aber eins ist klar. So werden wir nicht ins Wasser kommen.
Buzz hat wenigstens noch eine peinliche Unterhose mit, die als korrekt durchgehen
könnte, aber dieses Experiment kommt nicht zustande, da wir zuvor von
einem Bulgaren, der das alles mitbekommen hat, angesprochen werden. Als sich
unsere Herkunft heraussstellt, will er sofort unser Freund sein und eilt zum
Bademeister, mit dem er eine hitzige Diskussion führt.
Ergebnis: wir dürfen in unserer Anarcho-Badekluft planschen gehen. Der
neue Freund kommt natürlich mit, wir spielen Volleyball im Wasser und
jede tolle Aktion wird von unserem Retter kommentiert. "Hervorragend,
ausgezeichnet, wunderschön, excellent... !" Die Worte hat er durch
das Fernsehen gelernt, schliesslich ist er Bayern
München Fan und guckt immer Bundesliga im deutschen TV. Daher beherrscht
er die Kommentatorensprache echt gut. Auf seinem Shirt steht "Schlesien"
und besonders stolz ist er auf sein Bayern- Cap. HSV
ist aber auch in Ordnung, versichert er mir. Deutschland ist die absolute
Nummer eins auf der Welt, nicht nur im Fussball. Kommt uns bekannt vor. Den
Nachmittag verbringen wir gemeinsam, sind aber skeptisch und unterstellen
irgendwelche Hintergedanken, die es nicht gibt. Im Nachhinein sind wir echt
ungerecht zu ihm, viel zu reserviert. Er ist einfach nur freundlich, hilfsbereit
und nett, wir denken gleich sonstwas. Dumm.
Auf dem Weg vom Bad zum Hotel machen wir einen Umweg durch ein Plattenbauviertel und entdecken eine kleine Bude mit überdachter Terrasse davor, hübsch geschmückt mit Pflanzen und Lampions und vielen Gästen. Wir nehmen den letzten freien Tisch und bestellen Fassbier und Pommes, die hier in Bulgarien landestypisch mit geraspeltem Schafkäse bestreut serviert werden. Lecker, genau wie das Pils. Der Wirt fragt nach unserer Herkunft und alle sind wieder total begeistert. Später setzt er sich zu uns, stellt uns seine Familie vor und verlangt, dass wir morgen unbedingt wiederkommen. Dieses Versprechen bereitet uns keine grosse Mühe, schliesslich gibt es hier alles, was unser Herz begehrt. Fassbier, gutes Essen, nette Leute und eine spitzenmässige Atmosphäre.
Im Hotel machen wir uns frisch, lassen uns ein Stündchen von der Glotze berieseln und gehen wieder in die Disco Aquarius. Wir bleiben bis um 4 Uhr ungefähr und fallen dann todmüde ins Bett.