Tag 3, 15.07.2004
Immer noch müde nehmen wir eine Dusche, frühstücken spartanisch und brechen auf. Steil bergauf bis Brebu Nou, wo wir das Haus von Gerd Ballas suchen. Mit ihm habe ich abgesprochen, dass der Clio während der Fahrt vor seinem Anwesen stehen kann. Und so fahren wir durch den Ort und versuchen, das Haus zu finden. Mit dem Auto geht das nicht, weil die Strassen so miserabel sind und wir ständig aufsetzen. Also montieren wir die bikes und scouten mit den Rädern durch Brebu. Schliesslich finden wir die Adresse und bepacken die Räder. Es geht los. Hoffentlich ist der Wagen bei unserer Rückkehr noch da.
Wir fahren über ein Hochplateau, vorbei am See Trei Ape und halten an einer Kreuzung an, um bei drei Kindern Blaubeeren zu kaufen. Wir werden abgezogen und zahlen einen viel zu hohen Preis für die Früchte. Nächstes Mal sollten wir besser vor dem Kauf den Preis vereinbaren. Steil geht es bergab, wir machen eine kurze Rast an einem schönen Aussichtspunkt und erreichen dann das Magazin Mixt von Valiug. Auf der Bank vor dem Laden trinken wir einige leckere Timisoreana und kommen mit den Einheimischen in´s Gespräch. Die Tochter der Ladenbesitzerin, Paula, kann nahezu perfekt deutsch. Hat sie beim Betrachten der deutschen Fernsehprogramme, die hier via Sattelit empfangen werden können, gelernt. Respekt. Auf diese Weise können wir uns alle gut unterhalten und haben eine Menge Spass. Paula´s Grosseltern gesellen sich zu uns, ihre Oma war mal in (Ost-)Berlin, Meissen und Dresden. Sie zeigt uns alte Ansichtskarten und gibt dabei immer wieder ihren deutschen Lieblingssatz "Schau doch mal, schau doch mal hier!" zum besten. Die Oma ist schwer begeistert von Deutschland und erteilt uns vor unserer Abfahrt sowas wie einen Segen, murmelt etwas und bekreuzigt abwechselnd sich und dann uns. Sie wünscht uns also alles gute, wie lieb. Sowieso muss unbedingt festgehalten werden, wie nett die Leute hier alle sind. Im Magazin Mixt gibt es leider keine Milch, so wird kurzerhand welche organisiert. Noch warm!
Wir trennen uns schweren Herzens von den versammelten Dorfbewohnern und fahren am Stausee entlang bis zum Haus Hubertus. Hinter der ersten Kehre jedoch stürzen wir uns sofort auf die noch warme, unbeschreiblich geschmackvolle Milch. Da muss ich also 26 Jahre alt werden ehe ich das erste Mall frische Milch trinken kann. Traurig. Im Haus Hubertus trinken wir noch eine Flasche Timi, Fassbier gibt es leider nicht. Wir treffen ein Pärchen aus der Schweiz, die von Belgrad mit dem Rad hergekommen sind und tauschen unsere Erfahrungen aus. Serbien soll absolut harmlos sein, das lindert unsere Bedenken, dort hinzufahren. Ansonsten sind wir eher nicht auf einer Wellenlänge. Trotzdem ist es sehr interessant, mit den beiden zu reden.
Rechtzeitig vor der Dunkelheit errichten wir unser Schlaflager direkt an einem klaren Gebirgsbach, bereiten unser Mahl und sprechen über die bewegendsten Momente des Tages. In der Nähe scheint eine Herberge mit jugendlichen Gästen zu sein. Begleitet von der Geräuschkulisse einer unweit entfernt feiernden Teenie- Meute schlafen wir ein.